Dicke Luft in Greetsiel  Aktionsbündnis zum Erhalt des Seniorenhuus greift nach letztem Strohhalm

| | 04.04.2024 19:04 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das ehemalige Seniorenhuus in Greetsiel: Senioren wohnen hier schon lange nicht mehr. Foto: Wagenaar/Archiv
Das ehemalige Seniorenhuus in Greetsiel: Senioren wohnen hier schon lange nicht mehr. Foto: Wagenaar/Archiv
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Das Aktionsbündnis in Greetsiel ist sauer und enttäuscht. Bei einem Pressegespräch richteten die Mitglieder nun scharfe Kritik an die Bürgermeisterin und an die Doornkaat-Stiftung.

Greetsiel - Nach dem Bekanntwerden der Pläne zur Umgestaltung des Seniorenhuus in Greetsiel greift das Aktionsbündnis zum Erhalt der Einrichtung nach den letzten Strohhalmen. „Das ist eine Sache, mit der wir überhaupt nicht einverstanden sind“, sagte Alfred Jacobsen. Er ist einer der Initiatoren des Aktionsbündnisses und zudem Mitglied des Krummhörner Rats. Wenn die Pläne des Investors Gunnar Sander, aus der ehemaligen Pflegeeinrichtung Wohnungen und Appartements zu schaffen, tatsächlich umgesetzt würden, wäre das eine „Verschandelung von Greetsiel“, so Jacobsen. „Wenn das kommt, dann haben wir uns alle an Greetsiel versündigt.“

So soll das ehemalige Seniorenhuus nach den Vorstellungen von Investor und Inhaber Gunnar Sander künftig einmal aussehen. Eine Pflegeeinrichtung soll es dort nicht mehr geben. Foto: Archiv/Groenendaal
So soll das ehemalige Seniorenhuus nach den Vorstellungen von Investor und Inhaber Gunnar Sander künftig einmal aussehen. Eine Pflegeeinrichtung soll es dort nicht mehr geben. Foto: Archiv/Groenendaal

Bei den Mitgliedern des Aktionsbündnisses herrscht Unverständnis und Enttäuschung darüber, wie sich ihr Ort entwickelt. Sie sorgen sich, dass anstelle einer Pflegeeinrichtung ein „Ferienwohnpark“ in Greetsiel entsteht, was, so die Befürchtung, das Dorf nicht verkraften würde. Bei einem Treffen im Greetsieler Feuerwehrhaus am Mittwoch, 3. April 2024, machten sie das noch einmal gegenüber dieser Zeitung deutlich. Mitte Januar habe es ein Gespräch mit Sander selbst gegeben, in dem er ihnen versichert habe, zeitnah die Pläne vorstellen zu wollen. „Von den Plänen haben wir dann aber erst aus der Presse erfahren“, sagte Klaus Keller. Es ärgere ihn, dass die Politik nicht mit an den Tisch geholt wurde. Mit ihm, Frank Schoof (beide fbl), Alfred Jacobsen (SPD) und Helge Cornelis (Grüne) gibt es vier Ratsmitglieder in dem elfköpfigen Aktionsbündnis. Die seien im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss zumindest über die Parkplatz-Pläne neben dem Steinhaus informiert worden.

Kritik an der Bürgermeisterin

Keller erinnerte bei dem Treffen im Feuerwehrhaus noch einmal an die vom Krummhörner Gemeinderat verabschiedete Resolution zum Erhalt des Seniorenhuus, die nun „wie eine Seifenblase“ zerplatzt und nicht eingehalten worden sei. In der einstimmig verabschiedeten Resolution heißt es unter anderem: „Einer Umwandlung des Gebäudes in 32 Ferienwohnungen ist mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzutreten.“ Keller betonte, dass auch Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) für diese Resolution gestimmt und sich auf der großen Kundgebung im September klar gegen noch mehr Ferienwohnungen in Greetsiel positioniert hatte. Dass sie die aktuellen Pläne nun als Kompromiss verkaufe, enttäuscht die Mitglieder der Aktionsgruppe - von einem Entgegentreten, wie es die Resolution gefordert hätte, könne keine Rede sein.

Entsetzt sind die Mitglieder auch von der Doornkaat-Stiftung, die Teile der Freifläche neben dem historischen Steinhaus an Gunnar Sander verkauft haben soll, damit dort Parkplätze für das Wohnprojekt entstehen können. „Da hätten die doch eigentlich komplett auf die Barrikaden gehen müssen“, sagt Alfred Jacobsen. „Ich kann einfach nicht verstehen, welche Intention dahinterstecken könnte. Da muss ja Geld eine Rolle gespielt haben, warum sollten sie es sonst gemacht haben?“ Diese Zeitung hat die Doornkaat-Stiftung am Donnerstag, 4. April, um Stellungnahme gebeten, eine Antwort steht noch aus.

Wie es nun weitergeht, wissen die Mitglieder des Aktionsbündnisses selbst auch nicht so genau. Hinnehmen wollen sie die Pläne aber keinesfalls. „Wir werden auf jeden Fall am Ball bleiben“, sagte Alfred Jacobsen. Demnach wollen sie nun prüfen, ob man rechtlich gegen die vorgestellten Pläne vorgehen kann. Dabei haben sie etwa den Denkmalschutz im Sinn, der in Greetsiel ähnliche Projekte bereits verhindert hatte. Auch eine weitere Demonstration oder eine Bürgerversammlung seien denkbar. Frank Schoof merkte zudem an, dass das Thema auch im Gemeinderat noch einmal auf die Tagesordnungsliste kommen und besprochen werden soll. „Wer kämpft, kann verlieren, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagte Ingrid Jütting.

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