Ankommen im neuen Theater So geht es jetzt in der Wiesmoorer Theaterstuuv weiter
Im Januar führte die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor das erste Stück im eigenen Theater auf. Jetzt gibt es bereits viele neue Pläne für die Zukunft. Hier die wichtigsten Neuerungen.
Wiesmoor - Der Bühnenleiter Christian Behrends und sein Stellvertreter Ludwig Büsing von der niederdeutschen Bühne in Wiesmoor sitzen in der Cafeteria der neuen Theaterstuuv und wirken sichtlich zufrieden. „Ja, wir sind angekommen“, sagt Behrends. „Man kann wohl sagen, dass sich das neue Theater für uns alle wie ein Zuhause anfühlt“, fügt er hinzu.
Am 20. Januar hatte die Bühne Wiesmoor nach sechseinhalbjähriger Bau- und Planungszeit in Eigenregie das erste Stück der Saison „Offline för een Avend“ im eigenen Theater aufgeführt. „Eine halbe Stunde, bevor die ersten Gäste kamen, haben wir noch das letzte Bild aufgehängt“, sagt Behrends. Eine Punktlandung.
So war der Neustart im eigenen Theater
Die gesamte Theatercrew sei noch mit den Restarbeiten beschäftigt gewesen und musste gleichzeitig das neue Stück stemmen. „Die Eröffnung ist an uns allen wie im Rausch vorbeigegangen“, so Behrends. Man habe so viel Zeit damit verbracht, gemeinsam das Gebäude zu sanieren, „als dann die Zuschauer da waren, dachte ich im ersten Moment ‚Was wollen denn die ganzen Leute hier?“. Christian Behrends lacht. Inzwischen haben sich alle an den neuen Spielort gewöhnt. „Der Knoten ist schon am zweiten Tag geplatzt, es hat sich alles sehr schnell eingespielt.“
Auch Ludwig Büsing, der im ersten Stück „Offline för een Avend“ den Möbelhaus-Chef Jörn gespielt hat, ist glücklich. „Hier müssen wir uns mit niemandem mehr arrangieren, können rechtzeitig die Kulissen aufbauen und darin proben“, sagt er. Bis zum Umzug in das eigene Theater war das Bühnen-Team im Forum der kooperativen Gesamtschule in Wiesmoor aufgetreten. „Ungewohnt war für uns anfangs, dass die Zuschauer uns in der Theaterstuuv so nah sind“, sagt Büsing: „Aber dadurch entsteht bei unseren Aufführungen auch eine ganz andere Dynamik.“
Was muss in der Theaterstuuv noch gemacht werden?
Nachdem bis zur Eröffnung der Theaterstuuv über sechseinhalb Jahre ein wechselndes Team jeden Samstag und die feste Rentner-Gruppe jeden Donnerstag das neue Theater saniert hatten, hat sich das nach der Eröffnung kaum geändert. „Ich hatte gerade einmal drei Tage Pause“, sagt Christian Behrends. Momentan wird nicht nur fünf Mal in der Woche das neue Stück geprobt. Auch die Arbeiten am Gebäude gehen weiter.
Geplant ist, die Cafeteria noch etwas gemütlicher zu machen und mehr Sitzplätze zu schaffen. Außerdem wird der Außenbereich noch ein wenig verschönert. Zusätzlich soll nach und nach der zweite Gebäudeteil saniert werden, das ehemalige Wohnhaus. Dort sollen der Kostümfundus, eine Werkstatt und das Requisitenlager untergebracht werden. „Es muss noch viel gemacht werden, vom Fußboden, einem neuen Dachfenster bis hin zu Lagermöglichkeiten“, so Behrends.
Wie geht es weiter mit dem ausgefallenen Sketch-Stück?
Nach der Absage des geplanten Stücks „Loriot trefft Heinz Erhardt“ sollen im Herbst die Planungen für eine ähnliche Sketch-Sammlung starten. Das Stück, das ab dem 15. März 2024 aufgeführt werden sollte, war unter anderen wegen der Weigerung der Loriot-Erbengemeinschaft nicht zustande gekommen, einer plattdeutschen Übersetzung der Sketche zuzustimmen.
„Das war so schade, die Schauspieler fanden die Sketche gerade auf Plattdeutsch richtig gut“, sagt Ludwig Büsing. Außerdem seien die sechs geplanten Vorführungen schon ausverkauft gewesen, bevor überhaupt Werbung dafür gemacht wurde. „Das hat uns gezeigt, dass die Zuschauer so etwas sehen wollen.“ Deshalb wird es etwas Ähnliches in der neuen Spielzeit geben. Welche Künstler mit ihren Sketchen einen Beitrag dazu leisten werden, ist noch offen.
Wie soll das neue Theater zukünftig genutzt werden?
„Im neuen Theater soll immer etwas los sein“, wünscht sich Ludwig Büsing. Damit meint er unter anderem, dass das Programm auch seitens der Niederdeutschen Bühne aufgestockt werden soll. Es ist zum Beispiel geplant, wieder eine Jugendgruppe ins Leben zu rufen, die ebenfalls Stücke probt und aufführt. Aber auch andere Veranstaltungen können in der Theaterstuuv stattfinden. „Solange sie nicht dem Spielplan der Niederdeutschen Bühne in die Quere kommen“, sagt Büsing.
Es gibt bereits eine Kooperation mit der Luftkurort Wiesmoor Touristik GmbH. Sie zeigt in der Theaterstuuv Kinofilme in Zusammenarbeit mit dem mobilen Kino Niedersachsen. Die nächste Vorführung ist am Freitag, 10. Mai. „Wir haben aber auch Anfragen von Vereinen und Firmen, die unseren Theatersaal für Schulungen oder Vorträge nutzen wollen“, sagt Christian Behrends. Die Theaterstuuv wird zudem im August erstmals Seminarort des Niederdeutschen Bühnenbunds Niedersachsen und Bremen, dem auch die Bühne Wiesmoor angehört. „Dort werden Seminare angeboten, die die Qualität der angeschlossenen Bühnen immer weiter verbessern soll“, erklärt Christian Behrends – im August üben die Darsteller in Wiesmoor Körpersprache und Ausdruck.
Welche Stücke kommen als Nächstes?
„Ik hass‘ di – heiraadt mi!“ wird momentan geprobt. Das Stück von Florian Battermann und Jan Bodinus mit Waltraud Meyer, Hermann Harms und Frauke Unruh wird vom 20. April bis zum 25. Mai zu sehen sein. Danach geht die Niederdeutsche Bühne in die Sommerpause und kommt im Herbst mit einem neuen Programm zurück. Was aufgeführt wird, wird noch entschieden. „Dazu werden wir in der Zwischenzeit Stücke lesen und dann das Programm festlegen“, so Ludwig Büsing. „Vielleicht werden wir in Zukunft auch einmal einen Krimi oder ein Drama ins Programm aufnehmen“, sagt Christian Behrends. An der klassischen Ausrichtung des Theaters soll sich aber nichts ändern.
Ticketverkauf soll moderner werden
Bisher läuft der Ticketverkauf über Abo-Tickets, den Direktverkauf über die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor, Gutscheine und Platzreservierungen bei der Tourist-Info in Wiesmoor oder die Abendkasse. Das soll sich ab Herbst ändern: „Wir wollen, dass sich die Zuschauer wie in anderen Häusern die Sitzplätze online aussuchen, buchen und gleich bezahlen können“, sagt Christian Behrends. Dazu ist eine Zusammenarbeit mit Ticket-Anbietern wie Reservix oder Nordwest-Ticket geplant. Auch an den anderen, diesen Diensten angeschlossenen Vorverkaufsstellen wären die Karten dann erhältlich.
Mitstreiter werden gesucht
Die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor sucht Helfer und Darsteller. „Wir sind zwar aktuell gut aufgestellt, müssen aber auch an die Zukunft denken“, sagt Christian Behrends. Vor allem Darsteller im Alter von 25 bis 40 Jahre werden gesucht. Auch Teilnehmer an der Jugendgruppe können sich melden. Mitmachen kann jeder, die Plattdeutsche Sprache ist keine Voraussetzung. „Man lernt den Text beim Proben schnell, diese Erfahrung haben wir in unserer Jugendgruppe gemacht“, sagt Büsing. Helfer werden auch für Kostüme, Requisite, Bühnenbau, Bewirtung, Kartenverkauf oder Einlass gebraucht. „Jeder kann uns auf irgendeine Weise unterstützen“, so Behrends.