Derby bei Atlas Kickers-Spiel der Superlative mit Sonne, Serien und Stimmung
Wenn Atlas auf Kickers trifft, elektrisiert das die Massen. Diesmal stehen sich dabei die besten Teams der Liga gegenüber. Bei beiden Klubs fehlt ein wichtiger Akteur.
Emden - Der 3. Oktober 2023 geht wahrlich nicht als Feiertag in die Saisonhistorie des Fußball-Oberligisten BSV Kickers Emden ein. Am Tag der Deutschen Einheit war im Verbandspokalspiel bei Atlas Delmenhorst von Zusammenhalt wenig zu erkennen. Nach 59 Minuten lag Kickers 0:4 hinten, am Ende hieß es 2:4. „Das war gar nichts“, sagt Trainer Stefan Emmerling rückblickend. Das Fiasko erwies sich zugleich als Weckruf und Wendepunkt. Danach startete Kickers mit veränderter Taktik eine Superserie, rollte das Feld in der Oberliga auf, verlor keine einzige Partie mehr und kehrt nun am Samstag um 15 Uhr (Liveticker bei oz-online.de) als souveräner Tabellenführer zum Spitzenspiel und zur Revanche ins Atlas-Stadion zurück.
„Ich freue mich mega auf dieses Spiel“, sagt Kickers-Akteur Efkan Erdogan, der aus Bremen stammt und vor dieser Saison vom SV Atlas zu Kickers wechselte. Auch er weiß um die rivalisierenden Fan-Lager, die seit vielen Jahren alles andere als „liebevoll“ miteinander umgehen. Alles ist somit für eine emotionsgeladene Partie der Superlative angerichtet. Es treffen bei bestem Sonnenwetter die besten Mannschaften der Liga vor den besten Fangruppen der Spielklasse und der mit annähernd 2000 Leuten vermutlich besten Delmenhorster Saisonkulisse aufeinander.
Sechs Atlas-Heimsiege in Folge
Bei aller Hochachtung vor den Atlas-Anhängern sieht der in Bremen aufgewachsene Erdogan die Ostfriesen-Fans auf einem Extra-Level. „Das ist eine andere Hausnummer. Die Stimmung bei Kickers ist noch viel besser“, betont er. „Auch in Delmenhorst werden die Emder lauter sein.“ Die Unterstützung von den Rängen wird der BSV auch benötigen. Die zehn Atlas-Siege in den vergangenen elf Spielen – nur in Bersenbrück gab es eine 1:3-Niederlage – zeugen von der überragenden Form des Tabellendritten. Und die zuletzt sechs Heimsiege in Folge unterstreichen die Heimstärke.
Die Emder Serien wirken noch eindrucksvoller. Kickers ist seit der Pokalpleite in Delmenhorst vor genau einem halben Jahr ungeschlagen. In 16 Punktspielen in Folge blieb das Team ohne Niederlage, feierte zuletzt zehn Siege in Serie und kam bei den sieben Erfolgen in diesem Jahr auf ein Torverhältnis von 22:1.
N‘Diaye fehlt bei Kickers
Das alles zählt im großen Derby nichts mehr. Allerdings hat für den Kickers-Trainer auch die Pokal-Klatsche keinerlei Bedeutung mehr. „Wir haben nach diesem Wachrüttler unser System angepasst“, sagt Kickers-Trainer Emmerling. Deswegen wird er seinen Mannen auch keine Video-Sequenzen vom Saison-Tiefpunkt präsentieren. „Da schauen wir lieber auf das Punktspiel gegen Delmenhorst.“
Nach diesem 2:4-Debakel wich Kickers nämlich vom gescheiterten System der strikten Manndeckung ab, stärkte die Defensive und gewann wenige Tage später das Punktspiel in Emden gegen Atlas mit 2:0. Seitdem rollt der Kickers-Express durch die Liga und steht nun wohl vor der größten Aufgabe. Dabei darf der Trainer auf sein Stammpersonal zurückgreifen – mit einer Ausnahme: Linksverteidiger André N‘Diaye ist gesperrt (fünfte Gelbe Karte). Ansonsten wird der BSV vermutlich dieselbe Startformation aufbieten wie zuletzt beim 4:0-Sieg in Celle.
Erdogan lobt Mitspieler
Somit wird auch Efkan Erdogan, der nach seinem Kreuzbandriss im Sommer seine ersten Kurzeinsätze überzeugend absolvierte, zunächst wieder auf der Bank Platz nehmen. Er würde sich selber auch noch nicht in die erste Elf beordern. „Die Jungs machen es unfassbar gut. Ich würde die Mannschaft auch weiter so spielen lassen.“
Ebenso wie Kickers fehlt auch bei Atlas ein Akteur gelbgesperrt. Raoul Cissé erzielte nicht nur im Pokalspiel gegen Kickers einen Treffer, sondern ist der Atlas-Stratege in der Innenverteidigung mit den meisten Einsatzminuten aller SV-Feldspieler in dieser Saison. Trotz dieses schmerzhaften Ausfalls bei Atlas glaubt Efkan Erdogan an ein sehr enges Spiel. „Wir könnten vielleicht mit einem Unentschieden leben“, sagt der Bremer Ostfriese. „Aber ich will unbedingt gewinnen.“