Von Ostfriesland nach Ostafrika Uplengenerin bringt Tausende Ottifanten in kenianisches Klassenzimmer
Ottos Elefanten sind mit Maike Vará auf eine lange Reise gegangen. In einem Kinderdorf in Kenia bringen die Figuren nun Jungen und Mädchen zum Strahlen. Die Uplengenerin verrät, wie es zur Aktion kam.
Uplengen - Mit einem Lächeln öffnet Maike Vará ein kleines Kästchen. Darin bewahrt die Uplengenerin einige wenige Ottifanten-Figuren auf. Als Zauberer, im Fußball-Trikot, ausgestattet mit Ostfriesennerz und Gummistiefeln oder als Schotte mit Dudelsack: Den von Otto Waalkes erdachte Comic-Elefant kommt in unterschiedlichsten Gestalten daher, die entsprechenden Figuren gibt es in einigen deutschen Supermärkten zum Einkauf dazu und werden von Kindern wie Erwachsenen in ganz Deutschland gesammelt.
Diese Sammelleidenschaft kam vor einiger Zeit nicht nur Maike Vará zugute, sondern in erster Linie einigen Kindern in Kenia, denen die Fotografin pünktlich zu Weihnachten im vergangenen Jahr einen ganzen Sack voll mit den kleinen Figuren mitbrachte. Die Jungen und Mädchen lernen damit inzwischen in der Schule Mathe.
Uplengenerin ist Teil eines Hilfsprojekts in Kenia
Seit mehreren Jahren ist die Uplengenerin Teil des Hilfsprojekts Schwarz-Weiß e.V., das unter anderem das Kinderdorf Nice View Children‘s Village in Msambweni, Kenia betreibt. Etwa 80 Kinder und Jugendliche, mit teilweise schweren Schicksalen, leben dort inzwischen. „Erfahren habe ich von dem Projekt 2005 durch meine damalige Arbeit, in intensivem Kontakt bin ich seit 2018“, erzählt Vará. „Ich bin ein Zugvogel und reise für mein Leben gern. Afrika stand lange ganz oben auf meiner Wunschliste“, so die Uplengenerin.
Warum also nicht die Leidenschaft mit einer guten Sache verbinden? „Ich wollte etwas unterstützen, von dem ich weiß, dass das Geld ankommt. Ich habe eine Patenschaft für eines der Kinder im Nice View angenommen und bin hingeflogen. Das erste Mal war im März 2019“, sagt sie. Schnell habe sie gemerkt, dass die Betreuer und Kinder vielmehr wie eine große Familie seien. Bereits dreimal sei sie seitdem in das Kinderdorf gereist, um mit den Kindern beispielsweise Musik zu machen – zuletzt im Dezember 2023.
Tausende Ottifanten sorgten für Irritation beim Zoll
Ganze 46 Kilo Freigepäck durfte Vará für ihre dreiwöchige Reise im vergangenen Jahr mitnehmen. „Aber bei dem Klima dort braucht man ja kaum etwas. Ich habe deshalb einen Aufruf auf meiner Facebook-Seite gestartet“, erzählt die Fotografin. „Habt Ihr vielleicht noch Ottifanten, die zwar gesammelt wurden, aber nun keiner braucht? Die würde ich so gern mit nach Kenia nehmen“, schrieb Vará in dem Post. „Ich habe nicht damit gerechnet, wie viele ich vorbeigebracht und zugeschickt bekommen würde – und das aus ganz Deutschland“, sagt die Fotografin.
Ganze Sammlungen habe sie für die Kinder erhalten. In dem kleinen Kästchen, dass sie zu Anfang des Gesprächs zeigte, seien nur einige Reste. „Am Ende habe ich ungefähr acht Kilo Ottifanten für die Kinder in Kenia mitnehmen können. Ich war und bin immer noch fasziniert“, sagt sie. Außerdem kamen jede Menge Stifte, Blöcke, Kuscheltiere und Kleiderspenden, unter anderem vom Modehaus de Buhr in Remels, sowie 110 Zahnbürsten von der Remelser Zahnarzt-Praxis Gert Fecht zusammen. „Mit vier Zahnbürsten habe ich die Damen vom Zoll ,bestochen‘, da diese sichtlich irritiert von den etwa 2500 Ottifanten waren, die ich mit im Gepäck hatte. Es wurde gleich noch die Chefin dazu gerufen, aber sie hat mich dann samt des ganzen Schatzes weiterziehen lassen“, erzählt die Fotografin.
Mit den Figuren lernen Jungen und Mädchen Mathe
Angekommen im Kinderdorf habe sich die Frage gestellt: Was tun mit acht Kilo Ottifanten? „Die Kinder waren begeistert, wir wollten die Ottifanten also langfristig sinnvoll einsetzen“, berichtet Vará. Schließlich fand sich eine Verwendung in der Schule: „Mit den Figuren lernen die Kinder Mengenlehre“, erzählt Vará.
Außerdem werden die Ottifanten als Belohnungssystem genutzt, um die Jungen und Mädchen im Unterricht zu motivieren, so die Uplengenerin: „Das klappt super. Es ist toll, dass etwas, das eigentlich eine Art Wegwerf-Artikel ist, nun so genutzt werden kann.“ Die nächste Reise zum Kinderdorf ist bereits in Planung, verrät Vará. „Ich hoffe, ich fliege nächstes Jahr im Sommer wieder“, sagt sie. Für neue Ottifanten wird auch dann wieder Platz in ihrem Koffer sein.