Husum/Hamburg  Verfilmung von Robert Habecks Roman im Ersten: Darum geht es

Manfred Ertel
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Von Manfred Ertel
| 05.04.2024 21:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Iven (Anton Spieker) möchte Wienke (Philine Schmölzer) vor der Wahrheit beschützen. Foto: ARD Degeto/Nordfilm GmbH/Christine Schroeder
Iven (Anton Spieker) möchte Wienke (Philine Schmölzer) vor der Wahrheit beschützen. Foto: ARD Degeto/Nordfilm GmbH/Christine Schroeder
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Die Adaption des Buchs „Hauke Haiens Tod“ von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und seiner Frau Andrea Paluch kommt ins Fernsehen. Was den „Schimmelreiter“-Stoff so besonders macht.

Als Robert Habeck und seine Frau Andrea Paluch 2001 ihren ersten gemeinsamen Roman herausbrachten, trauten sie sich was. „Hauke Haiens Tod“ ist eine moderne Adaption von Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und zugleich eine Art Abrechnung mit dem konservativen Heimatbild an der nordfriesischen Küste, das für beide wohl nie richtig ein Idyll war.

Habeck und Paluch verlegten den inzwischen fast 140 Jahre alten Stoff von Storms Kult-Novelle in die Gegenwart. Beide Autoren steckten damals noch im literaturwissenschaftlichen Promotionsstudium, den Politiker Habeck gabs noch nicht. Doch die Kritiken waren trotz des großen Vorbilds überaus wohlwollend. Die „Süddeutsche“ schrieb, die „Handwerklichkeit“ ihres Romans würde Storm in nichts nachstehen. Die „FAZ“ lobte, die Autoren würden die „vielen losen Enden der Novelle“ verknüpfen.

Andernorts wurde das Ende des Romans als „Showdown a la Hollywood“ gepriesen – das Signal kam an. Am 27. April zeigt die ARD Hauke Haiens Tod unter dem etwas weichgespülten Titel „Die Flut – Tod am Deich“ im Ersten. Drei Tage zuvor, am 24. April, feiert der Streifen in Husum Premiere, nachdem er bislang nur auf dem Filmfest Hamburg zu sehen war. Die Vorstellung beginnt um 19.30 Uhr im Kinocenter.

Die Geschichte: Der Deichgraf Hauke Haien sucht nach Wegen, die Küste vor den Naturgewalten des Meers zu schützen und wird von vielen Einheimischen als Spinner abgetan. Er und seine Frau Elke werden während einer schweren Sturmflut, die Deiche brechen lässt und das Land überschwemmt, tatsächlich Opfer der tosenden See. Nur ihre Tochter Wienke wird, anders als bei Storm, vom Auszubildenden Iven gerettet und nach Hamburg in ein Kinderheim gebracht. 15 Jahre später drängt Wienke ihren Retter, mit ihr den wahren Gründen für den Tod ihrer Eltern nachzuspüren.

Der Film zeigt in dichter und berührender Atmosphäre die Rivalität zwischen Menschheit und Natur sowie der Menschen untereinander. Und wie der Versuch, das Klima zu schützen und menschliches Leben mit der Natur zu versöhnen, selbst in der Krise nicht unbedingt eint, sondern entzweit. Parallelen zum aktuellen politischen Diskurs scheinen gewollt.

Mit wortgewaltigen Bildern, aber kargen Worten trifft der zwischen Nordstrand und Kögen gedrehte Film den richtigen Ton. Vor allem in der Person des Iven, der Haiens Tochter rettet, gespielt vom Hamburger Schauspieler Anton Spieker, wird die Zerrissenheit zwischen der Mitschuld am Tod Deichgrafen und Verantwortung für dessen Tochter anrührend deutlich.

Spieker lässt sich auf die Emotionalität der Erzählung ein und lässt sie als seine persönliche zu. In einem Küstenstrich, in dem seit jeher keine großen Worte gemacht werden, sondern mit wenig Worten ganz viel gesagt wird - wenn man Gesichter und Gesten lesen kann. Und wo der Schimmelreiter in Gasthöfen und Krügen allgegenwärtig ist.

Der Film schaffe es, Lebenslinien hinter dem Deich „so zu beschreiben, dass ich die selber glaube“, sagt Anton Spieker, und „Dramatik quasi natürlich entsteht“. Mit einer großartigen Besetzung, die so professionell funktioniert, als wären die meisten zwischen Küste und Kögen zuhause. Es lohnt, den Sendetermin 27. April vorzumerken: Dicker Knoten ins Taschentuch!

„Die Flut – Tod am Deich“, läuft am Samstag, 27. April, ab 20.15 Uhr im Ersten

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