Osnabrück Litauen-Brigade: Erfolg oder Misserfolg wird mit dem Namen Pistorius verknüpft sein
Deutschland stationiert einen militärischen Großverband in Litauen – und übernimmt damit mehr Verantwortung für die Verteidigungsstrategie der Nato an der Ostflanke zu Russland. Das birgt Gefahren.
Russlands Überfall auf die Ukraine hat die Sicherheitslage in Europa drastisch verändert. Dem müssen Nato und Bundeswehr Rechnung tragen. Da ist es nur folgerichtig, die Ostflanke stärker als in der Vergangenheit in den Blick zu nehmen und abzusichern. Dazu leistet Deutschland mit dem Aufbau eines gefechtsbereiten und eigenständig handlungsfähigen Kampfverbandes in Litauen einen wichtigen Beitrag.
Ein Vorauskommando wurde nun von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius verabschiedet – keine vier Monate nach der Unterschrift unter die historische Vereinbarung. Das ist für Bundeswehr-Verhältnisse geradezu rasant. Symbolisch ist die Stationierung von 4800 Soldaten und 200 Zivilisten, die 2027 abgeschlossen sein soll, nicht hoch genug zu bewerten. Und sie geht darüber hinaus.
Anders als es der Kreml und Weißrusslands Putin-Gefolgsmann Alexander Lukaschenko weismachen wollen, ist die Stärkung der Nato-Ostflanke keine Provokation gegenüber Moskau und Weißrussland. Vielmehr ist sie Bestandteil einer Lebensversicherung für die Nato-Partner im Baltikum. Dort ist die Angst, es könne ein Schicksal wie der Ukraine drohen, groß – und mit ihr das Vertrauen in die Abschreckungsfähigkeiten Deutschlands und anderer Nato-Partner.
Für die Bundeswehr wird die prestigeträchtige Stationierung in Litauen allerdings nicht einfach zu bewerkstelligen sein. Chronischer Personalmangel und Defizite im Waffenarsenal verlangen der Truppe schon heute einiges ab. Immerhin verspricht Verteidigungsminister Boris Pistorius, entstehende Lücken schnellstens zu schließen; entsprechende Arbeitsaufträge seien raus.
Tatsächlich darf das deutsche Nato-Engagement im Osten nicht zur Vernachlässigung der Bundeswehr in der Heimat führen. Zudem muss die Bundesregierung dafür Sorge tragen, dass die Litauen-Brigade dauerhaft mit genügend Geld und Material ausgestattet ist.
Konflikte um kleinliche Kostenfragen scheinen innenpolitisch zwar programmiert, dürfen die Leistungsschau in Litauen aber nicht über Gebühr trüben. Wer Verantwortung übernimmt, muss dafür gerade stehen.
Gelingt das nicht, geriete Deutschlands Glaubwürdigkeit gegenüber den Partnern der Verteidigungsallianz in Gefahr. Erfolg oder Misserfolg der Brigade werden in jedem Fall eng mit einem Namen verbunden sein: Boris Pistorius.