Berlin Eugene Boateng: Ich bin nicht farbig, sondern schwarz
Der Schauspieler Eugene Boateng weiß, was er will – und sagt es auch. Im Interview erklärt er, warum er als Schwarzer und nicht als Farbiger oder „Person of Colour“ bezeichnet werden möchte, dass er gerne mehr Flensburg-Krimis drehen würde und warum er vier Kinder haben will.
Als Sohn ghanaischer Einwanderer, der mit sieben Geschwistern in der berühmt-berüchtigten Düsseldorfer Kiefernstraße aufwuchs, war ihm eine erfolgreiche Karriere nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Doch 2021 wurde Eugene Boateng für seine Hauptrolle in „Borga“ mit dem Deutschen Schauspielpreis ausgezeichnet, durch seine Rolle als Kommissar Antoine „Tony“ Haller im Flensburg-Krimi der ARD ist er mittlerweile auch dem breiten Publikum bekannt. In einem Berliner Café erzählt der gut gelaunte Tänzer und Schauspieler von seiner Multikulti-Kindheit, kickenden Namensvettern, seinem großen Vorbild und Charaktereigenschaften, die er an sich selbst nicht leiden kann:
Frage: Eugene, in der ersten Zeile Ihres Wikipedia-Eintrags kann man gleich Ihren Spitznamen lesen. Wer ist eigentlich auf die Schnapsidee gekommen, Sie „U-Gin“ zu nennen?
Antwort: Das war ich selbst. Es ist ja nicht mal ein Spitzname, sondern nur die Lautsprache meines Namens. Viele Menschen nenn mich Eugen, Jewgeni oder sprechen es französisch aus. Deshalb habe ich mich gefragt, was ich tun kann, damit ich die Leute nicht korrigieren muss. Und bei „U-Gin“ weiß jeder sofort, wie er meinen Namen aussprechen muss.
Frage: Dabei trinken Sie gar keinen Alkohol, oder?
Antwort: Nee, ich trinke keinen Alkohol.
Frage: Warum?
Antwort: Er schmeckt mir nicht und bringt mir nichts. Von 16 bis 19 habe ich Alkohol getrunken, aber als ich dann angefangen habe zu tanzen, habe ich mir gesagt: kein Alkohol mehr, nur noch Tanz, Tanz, Tanz. Keine Ablenkung und nichts, das mir nichts bringt. In den drei Jahren, in denen ich getrunken habe, habe ich keine schönen Erfahrungen damit gemacht.
Frage: Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mal einen Boateng interviewen werde, hätte ich ein Monatsgehalt auf einen der beiden Fußballer Kevin-Prince oder Jerome Boateng gewettet. Aber Sie sind nicht verwandt und kennen sie nicht einmal persönlich, oder?
Antwort: Nein, wir sind nicht verwandt und ich kenne auch nur ihre Schwester durch das Tanzen. Wir tragen denselben Nachnamen und werden immer miteinander in Verbindung gebracht – hoffentlich kriegen sie auch mal die Frage gestellt: Hey, bist Du mit Eugene Boateng verwandt? Wäre schon cool, wenn wir uns irgendwann treffen und sie sagen: Hey, Du bist also Eugene Boateng (lacht).
Frage: Dabei ist Boateng in Ghana gar nicht so ein weitverbreiteter Name wie hier Müller, Meier oder Schmitz.
Antwort: Nein, es gibt andere Namen, die viel weiter verbreitet sind. Aber Boateng ist international der bekannteste Name. Mein Vater sagte früher immer: Boateng, weißt Du, wie stark dieser Name ist? Jeder kennt in Ghana Boateng. Also muss ich was mit dem Namen machen.
Frage: Sie sind in Düsseldorf geboren und leben in Berlin. Wo ist für Sie der schönste Platz auf diesem Planeten?
Antwort: Auf jeden Fall Ghana. Düsseldorf ist für mich natürlich auch mein Zuhause, aber in Ghana habe ich die Sonne, das Wasser, die Menschen, das Essen, die Ruhe, die Liebe, die Positivität, die Gelassenheit, die Musik, die Luft.
Frage: Obwohl Sie Tänzer und Schauspieler sind, nennen Sie als Vorbild keinen berühmten Tänzer oder Schauspieler, sondern Ihren Vater. Was macht ihn so einzigartig?
Antwort: Was ich an meinem Vater so sehr schätze und respektiere, ist dieses „Against all odds“ (Allen Widrigkeiten zum Trotz, Anm. d. Redaktion). Dass er trotz aller Gegebenheiten und Umstände, die es in Deutschland gab, als er hierhergekommen ist, es geschafft hat, uns großzuziehen. Wir sind alle ganz feine Kerle geworden und feine Damen natürlich auch. Das funktioniert nur, wenn Du ein paar vernünftige Entscheidungen triffst.
Frage: Ihr Vater wollte ja, dass Sie Arzt oder Anwalt werden. Warum haben Sie ihm diesen Wunsch nicht erfüllt?
Antwort: Wenn man mich früher fragte, was ich gerne machen möchte, habe ich immer nur ans Arbeiten gedacht, also verstanden: Was willst Du gerne arbeiten? Arzt werden, wäre arbeiten gewesen. Aber irgendwann habe ich erkannt, dass es für mich im Leben nicht nur ums Arbeiten geht, sondern darum, wer ich bin, was ich sein will, in wen oder was ich mich verliebe und wo meine Reise hingeht. Und da war Tanzen eine ganz andere Geschichte als Arzt zu werden, hatte eine ganz andere Priorität. Dazu kam, dass ich kein Blut sehen kann und im Bio-LK immer eine Fünf hatte. Das wären keine guten Voraussetzungen für einen Arzt gewesen (lacht).
Frage: Mittlerweile gibt es keine Talkshow, in der Sie nicht darauf angesprochen werden, dass Sie als Tänzer mit Beyoncé auf Tournee waren. Und Sie stellen dann immer klar, dass Sie nur die Vorgruppe waren.
Antwort: (lacht) Ja, stellen Sie sich mal vor, Beyoncé wird mal darauf angesprochen: Da gibt’s so einen Typen in Deutschland, der sagt immer, dass er mit Dir auf Tournee war. Und sie sagt dann: Ich kenn’ den gar nicht. Voll der Hochstapler (lacht).
Frage: Was macht Tanzen so wichtig für Sie?
Antwort: Tanz ist Therapie, ich muss tanzen, ich kann nicht anders. Seit es Tanz in meinem Leben gibt, ist es keine bewusste Entscheidung mehr. Wenn ich länger nicht getanzt habe, fehlt mir etwas, bin ich nicht mehr ausgeglichen. Und wenn ich dann wieder getanzt habe, merke ich: Das hat mir die ganze Zeit gefehlt. Ich habe mit Hiphop angefangen, dann habe ich Krump gemacht und habe durchs Tanztheater zeitgenössischen Tanz kennengelernt, Jazztänzer und -tänzerinnen, Balletttänzer und -tänzerinnen. Von allen habe ich mich inspirieren lassen und mache heute mein eigenes Ding.
Frage: Nach allem, was ich weiß, war Ihr Vater auch ziemlich streng. Sie haben mal gesagt, zu Hause habe es drei Themen gegeben: Disziplin, Respekt und Schule.
Antwort: Ja, so war’s. Wenn ich zum Beispiel nicht in die Schule gehen wollte und sagte, ich sei so krank, dann sagte er: Geh in die Schule, und wenn’s Dir danach immer noch schlecht geht, können wir zum Arzt gehen. Das hat mich in Nullkommanix wieder gesund gemacht (lacht). Wer will schon in seiner Freizeit zum Arzt gehen? Schule war immer ein Thema und Disziplin, Disziplin, Disziplin. Aber ich bin auch der Meinung, dass ich das gebraucht habe.
Frage: Warum?
Antwort: Als Junge in Deutschland, in den Achtzigern und Neunzigern, mit Hiphop und so weiter, glaubst Du, Du kannst machen, was Du willst. Aber Du lebst in einer Welt, in der Du eben nicht machen kannst, was Du willst, weil Du in Schubladen gepackt wirst und schnell in Schwierigkeiten kommst. Wenn Dir dann nicht zu Hause beigebracht wird, wie Du Dich zu verhalten hast, wäre das für meine Zukunft nicht so gut gewesen. Wir waren eine Gruppe von schwarzen Jungs und hatten alle strenge Eltern. Es ist nicht bei allen gut gegangen, manche haben auch Scheiße gebaut, aber ich weiß heute, dass meine Eltern durchgreifen mussten, wodurch ich ab und zu die Entscheidung getroffen habe, ich mach’ jetzt das, was mein Vater cool finden würde, und nicht das, was die Jungs cool finden würden.
Frage: Religion hat bei Ihnen auch eine große Rolle gespielt.
Antwort: Ja, Kirche, Kirche, Kirche, jeden Sonntag in die Kirche. Dafür haben wir Jungs alle einen Anzug und die Mädels ein schönes Kleid bekommen. Es war eine ghanaische christliche Kirche, die ein bisschen amerikanisch angehaucht war.
Frage: Vor zwei Jahren haben Sie als einer von acht Schauspielern auf Vorschlag der SPD-Landtagsfraktion den Bundespräsidenten mitgewählt. Wie stolz hat das Ihren Vater gemacht?
Antwort: (atmet tief durch), Boah, das war krass. Wenn nach allem, was mein Vater durchgemacht hat, sein Sohn den Bundespräsidenten mitwählt, ist das die Botschaft „Wir sind angekommen, wir haben es geschafft, wir haben eine Veränderung kreiert“.
Frage: Dabei haben Sie noch gar nicht so lange die deutsche Staatsbürgerschaft, obwohl Sie in Düsseldorf geboren wurden.
Antwort: Stimmt, erst seit 2020. Ich wollte immer die ghanaische Staatsbürgerschaft behalten, hätte die aber abgeben müssen, um die deutsche zu bekommen. Für mich war Identität immer ein Riesenthema. Bin ich ghanaisch oder bin ich deutsch? Bin ich ghanaisch genug, bin ich deutsch genug? Ich war weder das eine noch das andere, aber der Pass hat mir ein bisschen das Gefühl von „Ich bin noch ghanaisch genug“ gegeben, obwohl ich bis dato nie in Ghana war. Dahin bin erst mit 23 zum ersten Mal gereist, und dafür wollte ich kein Visum beantragen müssen.
Frage: Die Sprache haben Sie auch zu Hause gelernt?
Antwort: Richtig. Zuhause gab’s kein Deutsch, da wurde nur Twi gesprochen, eine der meistgesprochenen Sprachen in Ghana. Das hat mir letzten Endes viel gebracht, weil wir in dem Film „Borga“ nur Twi gesprochen habe.
Frage: Sie haben zu acht in einer Zweizimmerwohnung gelebt. Später, als Sie allein gewohnt haben, konnten Sie die Stille nicht ertragen.
Antwort: Das war ganz schlimm. Am Anfang, als ich allein gelebt habe, war das erste, das ich gemacht habe, wenn ich nach Hause kam, den Fernseher einzuschalten. Ich habe nicht geguckt, aber ich musste irgendwas hören. Ich gucke eigentlich gar kein normales Fernsehen, sondern sehe mir Filme an, wenn ich sie sehen will. Irgendwann habe ich den Fernseher dann durch Musik ersetzt. Mittlerweile habe ich es gelernt zu meditieren und komme mit der Stille klar. Heute habe ich zwar immer noch regelmäßig den Wunsch, eine volle Bude zu haben, aber auch ab und zu das Bedürfnis, allein zu sein.
Frage: Erzählen Sie mal von Ihrer Mutter. Welche Rolle hat sie für Sie gespielt?
Antwort: Meine Mutter ist sehr früh von uns gegangen, da war ich gerade mal zwölf. Das heißt, ich bin auch mit meiner Stiefmutter groß geworden. An meine Mutter habe ich nicht so viele Erinnerungen, aber schon das Gefühl, dass sie für uns da war. Von meiner Stiefma habe ich sehr viel Verhaltenskultur gelernt. So machst Du dies, so machst Du das. Wie hat ein Mann sich zu verhalten, wie hat eine Frau sich zu verhalten. Und je älter ich werde, desto mehr verstehe ich, was sie mir damit sagen wollte. Als Kind geht es einem natürlich auf den Sack, wenn Dir jemand sagt, wie Du Dich zu verhalten hast. Aber irgendwann merkst Du: So war das gemeint, und das war richtig. Und vieles davon werde ich meinen zukünftigen Kindern mitgeben.
Frage: Sie haben mal gesagt, dass Sie viele Kinder haben wollen.
Antwort: Ja, vier.
Frage: Nächstes Jahr werden Sie 40. Vielleicht sollten Sie mal anfangen, Kinder wachsen ja nicht auf Bäumen.
Antwort: (lacht) Ich muss langsam loslegen, das stimmt. Das wird jetzt ein Thema, ich bin dabei.
Frage: Die Voraussetzungen sind also da?
Antwort: Ja, ja. Aber darüber spreche ich nicht so gerne. Ich versuche, meine Privatsphäre zu wahren und möchte, dass meine Familie geschützt bleibt und ihre Ruhe hat. Ich bin ein Fan von Denzel Washington und von Will Smith. Denzel hat seine Familie sehr im Hintergrund gelassen und Will hat sie sehr in den Vordergrund gestellt. Und ich habe das Gefühl, die Entscheidung von Denzel war die bessere. Seinem Beispiel möchte ich folgen.
Frage: Es gibt kein Porträt über Sie, in dem nicht erwähnt wird, wo Sie aufgewachsen sind – nämlich in der Düsseldorfer Kiefernstraße, dem Pendant zur Hamburger Hafenstraße. Unter Menschen aus 45 Ländern, Hausbesetzern und RAF-Sympathisanten.
Antwort: (lacht) Die berühmte Kiefernstraße.
Frage: Wie hat Sie diese Umgebung geprägt?
Antwort: Das Witzige ist: Man hat mir immer gesagt, Berlin sei multikulti – wer das sagt, war nie in der Kiefernstraße. Da habe ich wirklich multikulti erlebt. Die Selbstverständlichkeit dieser verschiedenen Kulturen und Ansichten hat mich geprägt. Dazu gab’s die Punks, die überall mit ihren Schäferhunden rumliefen und erst mal Panik auslösten. Aber letztlich waren sie die Leute, die uns vor den Nazis beschützt haben. Einmal im Jahr gab’s so eine Nazi-Demo, die wollten zur Kiefernstraße kommen und da die Welle machen. Und dann haben die Punks uns gesagt: Guys, morgen ist es wieder so weit – Ihr bleibt zu Hause und wir sorgen dafür, dass die Straße hier sauber bleibt. Und das haben sie auch gemacht. Dieses füreinander da sein war in der Kiefernstraße selbstverständlich.
Frage: Erlebt man in einer Straße mit so viel Multikulti Rassismus?
Antwort: Na klar. Man reibt sich, die Kroaten beschnuppern die Ghanaer, dann kommt ein Spruch und dann wird geklärt, ob man auf Augenhöhe ist. Mein ältester Bruder und meine älteren Cousins hatten zum Beispiel eine Schlägerei mit den Kroaten. Danach war Respekt da und der jüngere Bruder von den Kroaten wurde zu einem meiner besten Freunde.
Frage: Kommen Sie ab und zu noch mal in die Kiefernstraße zurück?
Antwort: Natürlich, ich bin immer wieder mal da. Ich besuche immer wieder meine Familie in Düsseldorf und manchmal kommt es noch so hoch, dass ich denke: Lass uns doch einfach mal zur Kiefernstraße.
Frage: Aber dort lebt niemand aus Ihrer Familie mehr?
Antwort: Nein, wir sind raus aus dieser Gegend (lacht).
Frage: Waren Sie ein guter Schüler?
Antwort: Ich war ein sehr guter Schüler und habe die Schule geliebt, auch weil ich gerne weg war von zu Hause. Aber ich war auch ein Klassenclown und die Schule ist mir sehr leicht gefallen. Das heißt, ich habe mich nicht sonderlich bemüht. Zur Hausaufgabenbetreuung bin ich gegangen, weil es so eine Art Kinder- und Jugendclub war, in dem ich gerne Zeit verbracht habe. Deshalb habe ich auch meine Hausaufgaben gemacht. Aber als ich dann den Tanz für mich entdeckt hatte, wurde die Schule für mich komplett uninteressant. Eigentlich wollte ich gar kein Abi mehr machen, aber es war das letzte Ding, das ich für meinen Vater gemacht habe. Und ich habe es hinterhergeschmissen bekommen.
Frage: Was war Ihr Lieblingsfach?
Antwort: Meine Lieblingsfächer waren Mathe, Sport natürlich und Englisch. Was gar nicht ging, war Deutsch. Ich habe Deutsch gehasst. Mir haben die Bücher nichts gesagt und ich habe auch nicht so viel geschrieben. Ich habe nur ein Buch gelesen, an das ich mich wirklich erinnere, und das ist „Woyzeck“ von Georg Büchner. Das Buch ist so sehr in meinem Gedächtnis, dass ich es heute noch benutze. Das Witzige ist, dass ich Schauspieler geworden bin und mich heute mit genau den Sachen beschäftige, die ich damals gehasst habe. Ich muss Drehbücher lesen, Fragen stellen und analysieren – das alles ist eigentlich Deutschunterricht.
Frage: Mir geht gerade eine Frage durch den Kopf, die ich schon mehreren Interviewpartnern mit Ihrer Hautfarbe gestellt habe: Wie beschreibt man Menschen Ihrer Hautfarbe?
Antwort: „Schwarz“ ist gut, „farbig“ auf gar keinen Fall, ich bin ja nicht blau oder grün. Und „People of Colour“ ist auch nicht meins. Es wird ja immer noch in Schubladen gedacht und bei „People of Colour“ gibt’s die Weißen in der einen Schublade und die anderen, die alle in die andere Schublade kommen. Wenn ich jemanden sehe, sage ich lieber: Der ist türkisch, die ist chinesisch, er ist aus Brasilien, sie ist aus Ghana. Ich sehe gerne diese Unterschiede, das sind für mich nicht alles „People of Colour“. Ich glaube, viele weiße Menschen sind sehr verunsichert und wollen keine Fehler machen. Aber viele wollen auch den anderen sagen, was richtig und falsch ist. Das ist doch der größte Bullshit. Wir sollten uns alle mal entspannen, denn wir sind in einem Prozess, in dem wir herausfinden, wie wir miteinander sprechen.
Frage: Sie kommen im Gespräch total sympathisch rüber – gibt es eigentlich etwas an Ihnen, das Sie selbst nicht leiden können?
Antwort: Ich bin der ungeduldigste Mensch, den ich kenne. Ich habe absolut keine Geduld, nichts, nada.
Frage: Dann war das ja ein Volltreffer, dass ich heute zu spät gekommen bin.
Antwort: (lacht) Alles gut. Ich war viele Jahre auch ein Zu-spät-Kommer, also maße ich es mir nicht an, jemanden dafür zu kritisieren. Ich bin aber auch rechthaberisch, ein echter Klugscheißer. Und ich fand mich lange Zeit zu emotional, das mochte ich nicht an mir. Mittlerweile habe ich es aber akzeptiert.
Frage: Wie ist zum Tanz eigentlich die Schauspielerei dazugekommen?
Antwort: Die sollte eigentlich von Vornherein dabei sein. Das Schwierige in Deutschland aber ist, dass man Schauspiel studieren muss, um als vollwertiger Schauspieler anerkannt zu werden. Ich wollte es studieren, aber die Schauspielschulen hatten keinen Bock, mich zu nehmen. Ich habe mir dann gedacht, dass ich mit dem Tanzen weitermache und Geld verdiene und nebenbei privat Schauspielunterricht nehme. Das hat funktioniert. Meine erste große Rolle war 2014 mit Christian Ulmen in „Becks letzter Sommer“. Danach dachte ich, es geschafft zu haben, aber es ging erst mal nur mit kleineren Geschichten weiter. 2018 kam dann „Borga“.
Frage: Dafür haben Sie den Deutschen Schauspielpreis bekommen und dachten wieder, Sie hätten es geschafft.
Antwort: (lacht) Und dann kamen wieder keine Rollen. Aber jetzt fängt’s wieder an. Es ist ein Auf und Ab.
Frage: Mittlerweile sind Sie ja auch Kommissar im Flensburg-Krimi der ARD. Den gab’s bisher zweimal, allerdings mit großem Abstand. Geht’s denn weiter?
Antwort: Ja, es geht weiter. Ich verstehe auch nicht, warum wir nur alle zwei Jahre drehen – ich würde gern jedes Jahr drehen, gerne auch zwei Teile. Aber die Planung ist wohl so, dass wir nur alle zwei Jahre einen Fall drehen.
Frage: Und die Zeit, in der Sie mal gerade nicht drehen, nutzen Sie zum Schreiben von Drehbüchern.
Antwort: Genau, ich habe Bock, Projekte ins Leben zu rufen und Stoffe zu entwickeln, weil ich keine Lust habe, zu warten, bis mal wieder eine neue coole Rolle kommt. Also versuche ich, selbst auch etwas zu kreieren.
Frage: Sind das Drehbücher mit Rollen für Sie selbst?
Antwort: Ja, natürlich. Also ganz ganz egoistisch (lacht). Wie gesagt, ich bin sehr ungeduldig. Ich will drehen und Geschichten erzählen. Und wenn die Leute nicht auf mich zukommen und sagen, dass sie eine Story für mich haben, sage ich: Bis Du auf mich zukommst, habe ich vielleicht eine, zwei oder mehrere Storys für Dich. Ich würde zum Beispiel gerne mal einen Boxer spielen. Eine coole Liebeskomödie oder ein Action-Adventure würde ich auch sehr gerne drehen. Dafür tue ich mich mit anderen Leuten zusammen, versuche mich zu vernetzen. Und so schiebe ich gerade mehrere Projekte nach vorne in der Hoffnung, dass wir bald drehen können.