Stuttgart  Ex-SWR-Moderatorin Helen Fares gibt „rechten Trollen“ Schuld an Kündigung

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 10.04.2024 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Helen Fares bei einer Filmpremiere in Berlin: Die Journalistin ist nach einem Aufruf zum Boykott israelischer Waren beim SWR gekündigt worden. Foto: IMAGO/Frederic Kern
Helen Fares bei einer Filmpremiere in Berlin: Die Journalistin ist nach einem Aufruf zum Boykott israelischer Waren beim SWR gekündigt worden. Foto: IMAGO/Frederic Kern
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Aktivistin Helen Fares ruft in einem Social-Media-Video zum Boykott israelischer Waren im Supermarkt auf. Antisemitismus-Vorwürfe kommen auf. Der SWR kündigt ihr – jetzt legt die Ex-Moderatorin gegen den Sender nach.

Ihren Job als Moderatorin beim SWR ist Helen Fares nach einem Aufruf zum Boykott israelischer Waren los. In einem neuen Video weist die 29-Jährige Antisemitismus-Vorwürfe von sich und sieht die Schuld für ihre Kündigung bei den Medien und „rechten Trollen“ im Internet.

Der öffentlich-rechtliche Sender begründete den Rauswurf von Fares mit einer Verletzung ihrer Neutralitätspflicht. Die Journalistin habe „wiederholt auf ihrem privaten Social-Media-Account extreme politische Positionen geäußert“, erklärte der Sender am Montag in Stuttgart. Sie werde deshalb nicht mehr das digitale Dialog-Format „MixTalk“ des SWR moderieren.

Der Sender hatte Fares nach eigenen Angaben darauf hingewiesen, „dass für Moderatorinnen und Moderatoren eines Debattenformats zum Schutz der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Sendung eine Pflicht zur Neutralität gelte“, hieß es in der Erklärung. „Diese Neutralität ließ Frau Fares in ihren Social-Media-Aktivitäten vermissen.“

Der Sender wies darauf hin, dass Fares zuletzt auf ihrem privaten Instagram-Konto ein Video gepostet habe, in dem sie eine App empfahl, mit der israelische Waren im Supermarkt identifiziert werden könnten. Schon zuvor habe Fares zum Boykott israelischer Erzeugnisse aufgerufen, kritisierte der SWR.

In einem neuen Instagram-Video nimmt Fares unter dem Titel „Deutsche Medien lassen verstummen – aber wir werden nicht verstummen“ Stellung zu ihrer Kündigung und weist Antisemitismus-Vorwürfe von sich. Sie kaufe keine Produkte von Unternehmen, die Israels Wirtschaft unterstützten, weil gegen das Land, das im Gazastreifen „Zehntausende von Menschen abgeschlachtet“ habe, ein Verfahren wegen Völkermords vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) laufe.

Stellungnahme von Helen Fares bei Instagram zu Antisemitismus-Vorwürfen:

Bei Instagram tritt Fares, die sich selbst als Aktivistin sieht, unter dem Pseudonym „Ms Baklava“ auf. Ihrem ehemaligen Arbeitgeber wirft sie vor, man habe sie herausgeworfen, weil der Sender es nicht aushalten konnte, dass „rechtsgerichtete Menschen“ Briefe schickten. Die Schuld schiebt sie auch „rechten Trollen“ zu, die in Deutschland ihr Unwesen trieben.

Die aus Syrien stammende Moderatorin war in den vergangenen Jahren auch für das ZDF tätig und produzierte für ARD Kultur unter anderem den Podcast „Akte Raubkunst“ über den Umgang deutscher Museen mit Kunstobjekten aus Asien und Afrika. 2023 trat sie unter anderem beim globalen Klimastreik im September in Berlin als Rednerin auf.

Mit Material von afp und kna

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