Maritimes  So soll der Emder Hafen Tausende Jobs sichern

| | 11.04.2024 14:48 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Sanierungsbedürftig: die Große Seeschleuse in Emden. Fotos: Niedersachsen Ports
Sanierungsbedürftig: die Große Seeschleuse in Emden. Fotos: Niedersachsen Ports
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Der Hafen Emden hat sich für die nahe Zukunft viel vorgenommen. Es geht um zig Millionen Euro und Tausende Arbeitsplätze in Ostfriesland.

Emden - Die nahe wirtschaftliche Zukunft Ostfrieslands ist neben dem Erfolg von VW nicht zuletzt von der Wettbewerbsfähigkeit des Emder Hafens abhängig. Und das lässt sich das Land Niedersachsen zig Millionen Euro kosten. Schließlich hängen nach Darstellung der landeseigenen Hafeninfrastruktur-Gesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts) fast 10.000 Arbeitsplätze vom Hafen ab – 9725 Beschäftigte, um genau zu sein. Das Volkswagen-Werk, das den Hafen für die Verschiffung der Autos nutzt, ist mit seinen gut 8000 Mitarbeitern dabei noch nicht mitgerechnet.

Es geht also um viel. Ganz konkret haben NPorts-Geschäftsführer Holger Banik und der Emder Niederlassungsleiter Aiko Hollander zwei Großprojekte auf dem Zettel. Das erste: die Sanierung der seit 1913 bestehenden, also 111 Jahre alten Großen Seeschleuse.

100 Millionen für eine Seeschleuse

„Die Schleuse selbst befindet sich in einem guten Zustand“, sagte Banik am Donnerstag in einem Pressegespräch. „Aber die Tore müssen saniert werden.“ Was so banal klingt, kostet laut Banik über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 100 Millionen Euro. Das Geld kommt vom Land Niedersachsen, also von den Steuerzahlern.

NPorts hat gerade damit begonnen, die umfassenden Sanierungsaufgaben auszuschreiben. Zum Zuge kommen können laut Banik natürlich auch regionale Firmen. Insgesamt sind die Arbeiten laut Niederlassungsleiter Hollander auf 18 sogenannte Lose aufgeteilt. Ursprünglich sollte die Sanierung der Großen Seeschleuse bereits 2022 beginnen. Die Beauftragung eines Generalunternehmers war NPorts aber zu kostspielig. Genaue Zahlen wollte das Unternehmen dazu nicht herausrücken. Jetzt jedenfalls hat NPorts die Planung des Großprojekts selbst übernommen. Wenn die Große Seeschleuse in zehn Jahren tatsächlich fertig sein sollte, soll sie laut Plan 30 bis 40 Jahre halten.

70 Millionen für einen Schiffsliegeplatz

„Wir müssen einen ungestörten Bauablauf und zugleich reibungslose Schiffsverkehre organisieren“, sagte Banik am Donnerstag. „In Anbetracht der besonderen Bedeutung der Großen Seeschleuse für den Emder Hafen sind wir konzentriert am Werk.“ Das Bauwerk sei ein besonderes Unikat und für die Modernisierung gebe es keine Arbeitsroutinen. Man kann diese Worte natürlich auch so deuten, dass Bauverzögerungen nicht gänzlich auszuschließen sind.

So oder so: Die Große Seeschleuse gilt als Kernstück des Hafens, da sie den Binnenhafen mit dem Außenhafen und auch der Ems verbindet. Der Emder Hafen ist immerhin Europas drittgrößter Umschlagplatz für Autos. Pkw werden laut NPorts neben Zellulose über den Außenhafen verschifft. Um dort auch weiterhin einen sicheren und leistungsfähigen Umschlag zu gewährleisten, seien Anpassungen der Hafeninfrastruktur „zwingend erforderlich“. Hierfür investiert NPorts in den Neubau des Großschiffsliegeplatzes – insgesamt weitere 70 Millionen Euro. Geschäftsführer Banik rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Start ist Mitte 2025.

„Hier wird Zukunft geschrieben“

Hintergrund sei, dass die geplante Tideniedrigwasseranhebung (Tidesteuerung) auf der Ems mit Hilfe des Emssperrwerks bei Gandersum für kurzfristig variierende Wasserstände im Außenhafen sorgt. Die Tidesteuerung solle helfen, die Verschlickung der Ems zu reduzieren.

Allerdings sinke durch die geplante Steuerung der Wasserspiegel im Außenhafen innerhalb von wenigen Minuten um 40 Zentimeter ab. Das kurzfristige Absinken führt laut Niederlassungsleiter Hollander zu Problemen bei der Be- und Entladung der Schiffe. Diese Einwirkungen müssten sowohl baulich an den Kaianlagen als auch bei der Vertiefung der Liegewannen berücksichtigt werden. Dies sei umso wichtiger, da E-Fahrzeuge schwerer seien als reguläre Pkw und für mehr Tiefgang sorgten. Zudem müsse auch der reibungslose Umschlag von Zellulose weiterhin sichergestellt werden. Geschäftsführer Banik fasst es so zusammen: „In diesem Hafen wird Zukunft geschrieben, für Emden und für ganz Deutschland.“

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