Thüringen  CDU-Chef Merz verteidigt TV-Duell mit Höcke – Voigt hofft auf zweite Runde

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Von AFP User
| 12.04.2024 10:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mario Voigt (CDU, rechts) ist zufrieden mit dem TV-Duell gegen Björn Höcke (AfD). Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Mario Voigt (CDU, rechts) ist zufrieden mit dem TV-Duell gegen Björn Höcke (AfD). Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
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Das umstrittene TV-Duell zwischen den beiden Landtagswahl-Spitzenkandidaten in Thüringen, AfD-Politiker Björn Höcke und CDU-Mann Mario Voigt, gibt es gemischte Reaktionen. Voigt allerdings ist zufrieden mit dem Ausgang – und wäre bereit für ein erneutes Duell.

Das Fernsehduell zwischen dem Thüringer CDU-Chef Mario Voigt und dem AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke ist auf geteilte Reaktionen gestoßen. Die Bundes-CDU nannte das TV-Duell am Donnerstagabend „wichtig“. Voigt habe gezeigt, worum es gehe: „Ein vernünftiger politischer Neuanfang für Thüringen oder Chaos und Spaltung durch die angebliche Alternative“, erklärte die CDU im Kurzbotschaftendienst X.

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Auch Voigt zeigte sich zufrieden mit dem Streitgespräch im TV-Sender Welt. „Es ist offensichtlich geworden, dass es deutliche Unterschiede gibt zwischen einer CDU, die in der Mitte steht, und einer rechtsextremen Truppe um Björn Höcke“, sagte er am Freitag in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv. Er zeigte sich überzeugt, dass das TV-Duell mit AfD-Rechtsaußen Höcke Wähler beeinflusst habe, wenn auch nicht überzeugte Höcke-Fans. Der große Zuspruch zeige ihm zudem, „dass es richtig war, die Unterschiede offenzulegen“.

Voigt schloss ein weiteres Duell mit Höcke nicht aus. Er werde keiner Debatte ausweichen, sagte er. „Wenn es dann dazu kommt, kein Problem.“

CDU-Chef Friedrich Merz hat Thüringens CDU-Landeschef Mario Voigt für seinen Auftritt im Fernsehduell mit dem AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke gelobt. Voigt habe das sehr, sehr gut gemacht und klargestellt, wo die Gefährdung für Demokratie und Volkswirtschaft liege, wenn Höcke und andere in Deutschland noch mehr politischen Einfluss bekämen, sagte Merz am Freitag bei „ProSieben Newstime“. 

„Es war richtig. Ich habe von Anfang an gesagt, es ist richtig, sich jetzt auch inhaltlich mit der AfD sehr viel stärker auseinanderzusetzen, als wir das bisher getan haben.“ Höcke habe entlarvt, was die AfD wolle. Mit der Bundesrepublik habe das nichts mehr zu tun. „Das geht gegen unsere Demokratie, das geht gegen die marktwirtschaftliche Ordnung unseres Landes. Das geht gegen die Mitgliedschaft in der Nato und vor allen Dingen die Mitgliedschaft in der Europäischen Union“, sagte Merz. Die Unterschiede seien sehr deutlich geworden. 

Kritik kam dagegen von den Linken. Es sei von vornherein klar gewesen, „Höcke wird dieses Podium nutzen für seine Phrasen, für seine Politik“, sagte die Bundestagsabgeordnete der Linken, Martina Renner, im RTL/ntv-“Frühstart“. Linken-Chef Martin Schirdewan sagte: „So eine braun-schwarze Freakshow hat Thüringen nicht verdient, und es ist ein Fehler der Unionsführung aus Berlin, dies nicht im Vorfeld unterbunden zu haben.“ Auch SPD und Grüne hatten im Vorfeld kritisiert, Voigt biete Rechtsextremisten eine Bühne.

Politikwissenschaftler Oliver Lembcke ging auf die vorangegangene Kritik ein – und forderte sogar mehr solcher TV-Duelle: „Man sollte die Konfrontation mit der AfD suchen, sie stellen. Mehr davon – und nicht nur von der CDU“, so seine Einschätzung. Der Verlauf des Duells widerlege „all jene, die davor gewarnt hatten, Höcke dieses Podium zu bieten und ihn so salonfähig zu machen“, sagte zudem der Politikwissenschaftler und Publizist Albrecht von Lucke der Deutschen Presse-Agentur. „Voigt hat den Beweis erbracht, dass man die AfD inhaltlich stellen kann.“

Politikwissenschaftler André Brodocz sieht das anders. Der Erfurter kritisierte, Wähler hätten von dem Duell für ihre Wahlentscheidung kaum profitiert, da es kaum um Landesthemen ging. Das Ziel, Höcke inhaltlich zu stellen, wurde seiner Einschätzung nach nicht erreicht. Profitiert hätten dennoch beide Kandidaten von dem TV-Duell. „Langfristig kann es für beide ein Erfolg gewesen sein, weil es die Wahl im September auf die Entscheidung Höcke oder Voigt zugespitzt hat“, sagte Brodocz.

Gut fünf Monate vor der Landtagswahl in Thüringen hatten Voigt und Höcke mehr als 70 Minuten über Themen wie die Europapolitik und Migration gestritten und sich dabei teils heftige Wortgefechte geliefert. Beide treten als Spitzenkandidaten ihrer Parteien zur Landtagswahl am 1. September an.

In den Umfragen liegt seit Monaten die AfD deutlich vorn, gefolgt von der CDU. Der Thüringer AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz als erwiesenermaßen rechtsextremistisch eingestuft. Derzeit regieren in Thüringen die Linken mit ihrem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow gemeinsam mit SPD und Grünen in einer Minderheitsregierung. Die Koalition hat keine parlamentarische Mehrheit.

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