Kolumne „Digital total“  App-Zwang ist kein Kavaliersdelikt

Fabian Scherschel
|
Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 16.04.2024 08:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
Fabian Scherschel
Artikel teilen:

So mancher Leser versteht offenbar nicht, was unser Kolumnist gegen Smartphone-Apps hat. Im Grunde nichts, meint er – solange die Apps denn sinnvoll sind und nicht nur Daten abgreifen sollen.

In einer meiner letzten Kolumnen habe ich über die Deutsche Post geschimpft, weil sie mich zwingt, eine App zu installieren, um Pakete abzuholen. Daraufhin habe ich einige Zuschriften von Lesern bekommen, die meine Einstellung zu Smartphone-Apps nicht verstehen.

Zur Person

Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

Ich habe nichts gegen Apps – ganz im Gegenteil. Ich installiere wahrscheinlich mehr Apps als so ziemlich jeder andere Mensch. Das ist ganz einfach eine Konsequenz meines Jobs: Ich berichte über Software und deswegen muss ich ständig neue Software ausprobieren. Und ein Großteil der Software besteht nun einmal aus Smartphone-Apps.

Aber genau das führt dazu, dass mich unsinnige Apps sehr stören. Denn ich weiß, dass viele von ihnen schlecht programmiert sind und die Sicherheit des Gerätes – mit dem viele Menschen sogar ihre Bankgeschäfte erledigen – in Gefahr bringen. Und selbst wenn das nicht der Fall ist, zwingen Firmen oft schon einfach deswegen Menschen dazu, ihre Apps zu installieren, um Daten darüber abzugreifen, was diese Menschen den ganzen Tag machen und wo sie sich aufhalten. Je mehr solcher Daten man anhäufen und an KIs verfüttern kann, desto besser.

Was mich deshalb besonders wütend macht, ist, wenn Menschen dazu gezwungen werden, Apps zu benutzen, die sie eigentlich nicht brauchen. Wie im Fall der Deutschen Post und meiner Packstation. Erstens will ich Packstationen nicht benutzen (sie sind nicht komfortabler, als das Paket nach Hause geliefert zu bekommen) und zweitens haben Packstationen mit eingebautem Bildschirm vorher auch gut funktioniert. Es ist also ziemlich eindeutig, dass die Deutsche Post das nicht macht, um mir zu helfen – auch wenn ihre Werbung das behauptet.

Im Endeffekt wird mein Home Screen mit Apps zugemüllt, die ich nicht will, nicht brauche und die Daten über mich sammeln – und im schlimmsten Fall sogar mein Handy unsicher machen. Und ich finde es völlig legitim, sich darüber aufzuregen.

Kontakt: kolumne@zgo.de

Ähnliche Artikel