Brand in Wiesmoor  So erlebten Zeugen das Feuer im ehemaligen Fehn-Hotel

| | 15.04.2024 18:42 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Gebäude in Wiesmoor ist nach dem Brand am Samstag großzügig abgesperrt. Viel kann man von außen nicht erkennen. Foto: Ortgies
Das Gebäude in Wiesmoor ist nach dem Brand am Samstag großzügig abgesperrt. Viel kann man von außen nicht erkennen. Foto: Ortgies
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Riesige Rauchentwicklung, lodernde Flammen: Wir haben mit Menschen gesprochen, die in direkter Nähe waren, als das Feuer im ehemaligen Fehn-Hotel in Wiesmoor ausbrach.

Wiesmoor - Vom Dach des ehemaligen Fehn-Hotels in Wiesmoor ist nach dem Großbrand am Samstag, 13. April 2024, nichts mehr zu erkennen – außer den vielen Dachziegeln, die um das Gebäude verteilt auf den Boden liegen. Das Mehrparteienhaus ist aus Sicherheitsgründen von allen Seiten mit Bauzaun abgesperrt. Fußgänger machen dort Halt, linsen interessiert durch die Gitterstäbe. Viel kann man von dort nicht erkennen. Wir haben mit zwei Menschen gesprochen, die in direkter Nähe waren, als das Feuer ausbrach.

Um das Gebäude herum liegen kaputte Dachziegel.
Um das Gebäude herum liegen kaputte Dachziegel.

Die Kunden und eine Mitarbeiterin in der Spielothek gegenüber wurden erst durch die Sirenen auf das Feuer aufmerksam, sagt die Mitarbeiterin im Gespräch mit unserer Zeitung. Gegen 11.30 Uhr ging ein Kunde raus aus der abgedunkelten Spielothek, um nachzuschauen, was los ist. Sie alle waren schockiert: Hinter dem Gebäude war laut der Mitarbeiterin erst nur Rauch und Qualm zu sehen. Dann wurde das Dachfenster gelb – und es schlugen Flammen heraus. „So nah habe ich das noch nie mitbekommen“, sagt die Spielothek-Mitarbeiterin.

Feuer breitete sich von hinten nach vorne aus

Der Dachstuhl wurde durch den Brand zerstört. Foto: Ortgies
Der Dachstuhl wurde durch den Brand zerstört. Foto: Ortgies
Ihre Gedanken widmeten sich zuerst den Menschen, die zu dem Zeitpunkt noch in dem Gebäude waren, erzählt die Frau. Dabei sieht man ihr auch jetzt, zwei Tage später, den Schock an. Die Mitarbeiterin der Spielothek fragte einen Feuerwehrmann, ob es alle Menschen aus dem Haus geschafft haben. Dieser konnte darauf keine Antwort geben. Den weiteren Verlauf verfolgte sie im Radio: „Erst hieß es, fünf Menschen hätten eine Rauchgasvergiftung, dann waren es acht.“ Die Polizei bestätigt: Acht Menschen wurden wegen Rauchgasvergiftungen und leichter Verletzungen aufgrund der Flammen vor Ort medizinisch versorgt. Ins Krankenhaus musste niemand.

Die Spielothek „Spiel Royal“ befindet sich direkt gegenüber von dem Brandhaus. Die Menschen vor Ort konnten das Geschehen mitverfolgen. Foto: Cordes
Die Spielothek „Spiel Royal“ befindet sich direkt gegenüber von dem Brandhaus. Die Menschen vor Ort konnten das Geschehen mitverfolgen. Foto: Cordes

In der Spielothek habe man immer wieder geschaut, wie der Stand der Dinge ist, so die Mitarbeiterin. „Das Erstaunliche war, wie sehr sich das Feuer von hinten nach vorne ausgebreitet hat“, sagt sie. „Hut ab vor den Feuerwehrleuten – die hatten richtig zu kämpfen.“ Denn: „Wenn man dachte, es beruhigt sich, kamen noch mehr Flammen“, so der Eindruck der Frau. Was ihr negativ in Erinnerung geblieben ist: Am Eingang der Spielothek hätten sich Zuschauer positioniert, um das Geschehen live zu verfolgen. „Das fand ich dreist.“

Im Friseursalon roch es nach Rauch

In dem Laden habe sie das alltägliche Geschäft weitergeführt. „Wir hatten ja auch Gäste“, erklärt die Mitarbeiterin. Schließlich konnten sie auch nichts weiter tun – die Straße war gesperrt. „Wir kamen hier nicht weg.“ Eigentlich hätte sie bereits um 16 Uhr Feierabend gehabt. Den Hof verlassen konnte die Mitarbeiterin dann erst um 18.30 Uhr. Ein Feuerwehrmann legte einen Schlauchschutz aus, sodass sie wegfahren konnte. An dem Tag war sie „erst mal k.o.“, sagt die Frau – und auch am Sonntag habe sie es in den Knochen gespürt.

Im Damen- und Herrensalon SaHaaRa roch man zuerst den Rauch. Der Salon ist nur wenige Meter vom Mehrparteienhaus entfernt – es ist im Hintergrund des Fotos zu erkennen. Foto: Cordes
Im Damen- und Herrensalon SaHaaRa roch man zuerst den Rauch. Der Salon ist nur wenige Meter vom Mehrparteienhaus entfernt – es ist im Hintergrund des Fotos zu erkennen. Foto: Cordes

Drei Häuser weiter betreibt Necdet Disli seinen Friseursalon SaHaaRa. Auch er war am besagten Tag vor Ort. „Wir waren hier am Schneiden – und dann kam so ein Geruch“, erzählt der 30-Jährige. Bei schönem Wetter steht die Tür des Salons offen. So war es auch diesmal. Der Geruch, der in den Salon strömte, war Rauch. Ein Kunde rief die Feuerwehr, doch die war bereits unterwegs.

„Das war verrückt, wir haben keine Luft mehr bekommen“, schildert Necdet Disli. Den Betrieb führten sie weiter. „Wir hatten ja auch Kunden“, so der Friseur. „Hauptsache, es wurden keine Menschen verletzt – das ist das Wichtigste“, fasst Disli zusammen. Sowohl SaHaaRa-Chef Necdet Disli als auch die Mitarbeiterin der Spielothek sorgen sich vor allem um die Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Diese sind bis auf Weiteres untergebracht.

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