Flugplatz in Norddeich  Neue Basis für Rettungsflüge auf See eröffnet

Aiko Recke
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Von Aiko Recke
| 15.04.2024 18:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mehr als 1000 Einsatzflüge jährlich starten ab Norddeich. Foto: DPA
Mehr als 1000 Einsatzflüge jährlich starten ab Norddeich. Foto: DPA
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Verletzte und Erkrankte von den ostfriesischen Inseln und aus Offshore-Windparks retten, das ist der Auftrag für die Helikopter-Crews der Firma NHC. Am Flugplatz Norddeich haben sie ein neues Domizil.

Norddeich - Eine neue Basisstation für mehr als 1000 Insel-Rettungs- und Offshore-Versorgungsflüge jährlich wurde am Montag am Flugplatz Norddeich in Betrieb genommen. Zu der neuen, rund 3,5 Millionen Euro teuren Station gehören ein rund 580 Quadratmeter großer Hangar, in dem Hubschrauber gewartet werden können, sowie Betriebs- und Aufenthaltsräume etwa für Notfallsanitäter und Piloten. Die Crews können dort auch übernachten.

Die Firma NHC Northern Helicopter, eine Tochtergesellschaft der DRF Luftrettung, die bislang unter anderem vom Emder Flugplatz operierte, wird vom neuen Hangar aus den Ambulanz-Flugbetrieb für die Ostfriesischen Inseln und das Festland betreiben.

Zwei Hubschrauber des Unternehmens Northern Helicopter (NHC) stehen vor dem Gebäude der neuen Rettungsstation auf dem Flugplatz in Norddeich. Die Reederei Norden-Frisia hat sie bauen lassen. Foto: DPA
Zwei Hubschrauber des Unternehmens Northern Helicopter (NHC) stehen vor dem Gebäude der neuen Rettungsstation auf dem Flugplatz in Norddeich. Die Reederei Norden-Frisia hat sie bauen lassen. Foto: DPA

Außerdem starten von Norddeich aus Offshore-Rettungs- und Versorgungsflüge. Die Firma FLN Inselflieger, eine Tochter der Reederei Norden-Frisia, ist Eigentümerin des Flugplatzes und Bauherrin des Hangars, der langfristig an NHC vermietet wird. Insgesamt habe man rund 3,5 Millionen Euro in den Bau investiert, sagte Frisia-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann bei der Eröffnung. Bereits seit mehr als einem Jahr operierte das Offshore-Luftrettungsunternehmen vom Flugplatz Norddeich aus, allerdings mit einer temporären Containerlösung.

Hoher Standard mit Wohlfühlfaktor für Heli-Crews

Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Bundestagsabgeordnete für Aurich-Emden, Johann Saathoff (SPD), erklärte: „Der Luftrettungs-Standort Norddeich wird künftig Teil einer geschlossenen Sicherheitskette entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste für die Offshore-Windindustrie sein. So wird sichergestellt, dass Menschen in Notfallsituationen auch unter schwierigen Offshore-Bedingungen und auf den Inseln bestmöglich versorgt werden.“

Dr. Krystian Pracz, Vorstand der DRF Luftrettung, sagte, dies sei die erste Übernahme eines Neubaus durch die NHC. „Was wir hier haben, ist ein hoher Standard mit einem hohen Wohlfühlfaktor für die Crews“, so Pracz. Die politischen Ambitionen in Sachen Offshore-Windenergie seien groß. Dafür aber brauche es Menschen, die vorangehen, so Pracz.

Baubeginn des 36 Meter langen neuen Gebäudes war im März 2023. „Hier können die Helikopter optimal gewartet werden“, betonte Frisia-Vorstand Stegmann.

Saathoff betonte Bedeutung der neuen Offshore-Jobs

Staatssekretär und Abgeordneter Johann Saathoff betonte die Bedeutung nicht nur der Sicherheit, sondern auch der Arbeitsplätze für die Region. Immer wieder, wenn es um die Offshore-Windindustrie geht, werde er gefragt: „Wat hemm wi daarvan?“ Seine Antwort laute: „Wir haben mehr davon als viele Kabeltrassen. Nämlich gute, verlässliche Arbeitsplätze.“

Rund 1000 Menschen arbeiten nach seinen Angaben ständig in den Windparks vor der deutschen Nordseeküste. „Sie brauchen sichere Arbeitsbedingungen, etwa bei Unfällen. Der Job auf hoher See ist sehr gefährlich“, betonte Saathoff.

Zugleich sei die Nordsee mit ihrem Windstrom das künftige „Powerhouse“ für Deutschland – die Offshore-Windparks lieferten akzeptierten und verlässlichen Strom.

Die Firma NHC Northern Helicopter war in früheren Jahren vor allem am Emder Flugplatz tätig, operierte aber auch von Sankt Peter-Ording (Nordfriesland) aus. Norddeich aber ist ein besonders günstiger Standort, denn von hier aus sind alle Inseln und Offshore-Windparks in höchstens einer Stunde Flugzeit zu erreichen.

Mehr als 1000 Einsatzflüge jährlich

Etwa 850 bis 900 reine Ambulanzflüge zu den Inseln absolviere man jährlich, erklärte NHC-Geschäftsführer Armin Ortmann. Dazu kamen bislang rund 270 Offshore-Rettungsflüge von Sankt Peter-Ording aus.

Bei den reinen Ambulanzflügen sind neben dem Piloten zwei Notfallsanitäter, aber kein Notarzt mit an Bord. „Das ist eine besondere Herausforderung“, betonte Dr. Krystian Pracz, Vorstand der DRF Luftrettung, der NHC seit 2019 gehört.

Neun Zimmer mit Betten für Helikopter-Crews

Die neue Halle mit Hangar ist 36 Meter lang und 19 Meter breit und hat eine Fläche von 580 Quadratmetern. Es gibt einen sogenannten Schwarz/Weiß-Bereich, in dem sich die Helikopter-Crews umziehen können sowie weitere Nebenräume, etwa für Material. Außerdem gibt es einen Bereich mit neun Zimmern für neun Crew-Mitglieder, die dort auch übernachten können. Im eigentlichen Hangar ist Platz für drei Hubschrauber.

Sie nahmen die neue Helikopterbasis für die Luftrettung und Offshore-Versorgung in Norddeich in Betrieb (von links): Dr. Krystian Pracz (Vorstand DRF Luftrettung), Herbert Janssen (Northern Helicopter, NHC), Olaf Weddermann (FLN Frisia-Luftverkehr), Christian Müller-Ramcke, Armin Ortmann (beide Geschäftsführer NHC), Johann Saathoff (Parlamentarischer Staatssekretär) und Carl-Ulfert Stegmann (Vorstand Reederei Norden-Frisia). Foto: Aiko Recke
Sie nahmen die neue Helikopterbasis für die Luftrettung und Offshore-Versorgung in Norddeich in Betrieb (von links): Dr. Krystian Pracz (Vorstand DRF Luftrettung), Herbert Janssen (Northern Helicopter, NHC), Olaf Weddermann (FLN Frisia-Luftverkehr), Christian Müller-Ramcke, Armin Ortmann (beide Geschäftsführer NHC), Johann Saathoff (Parlamentarischer Staatssekretär) und Carl-Ulfert Stegmann (Vorstand Reederei Norden-Frisia). Foto: Aiko Recke

Wie Olaf Weddermann, Geschäftsführer der FLN Frisia-Luftverkehr, erklärte, sichere die Nutzung durch NHC insgesamt die Auslastung des Flugplatzes Norddeich. Denn die Fluggastzahlen bei den Inselfliegern seien insgesamt eher rückläufig. Angeflogen wird für die Urlauber vor allem die tideabhängige Insel Juist. Doch seit die kleinen Minifähren zum „Töwerland“ verkehren, hat die Nachfrage nach den teureren Flügen spürbar nachgelassen. Und so betonte Frisia-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann denn auch, das Leistungsangebot von NHC passe hervorragend zum eigenen Auftrag der Reederei und der „Inselflieger“ als Inselversorger.

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