Erfolg für Emden Das Festspielhaus ist eröffnet – so klingt es und so sieht es aus
Nach drei Jahren Umbauphase ist das neue Festspielhaus am Wall in Emden am Freitag eröffnet worden. Bei der Feierlichkeit staunten die Gäste nicht nur über den prominenten Taufpaten Otto Waalkes.
Emden - Endlich geschafft! Bei seiner launigen Rede zur Eröffnung des Festspielhauses am Wall in Emden war Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) die Erleichterung am Freitagabend, 19. April 2024, gut anzumerken. Eigentlich hätten auf Wunsch von Kulturevents-Chefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer nur zwei Brandschutztüren im Neuen Theater installiert werden sollen. Als das erst einmal angestoßen war, wurde den Beteiligten aber schnell klar: Ein Mammutprojekt stand ihnen bevor.
Rund drei Jahre dauerte der Umbau zum Festspielhaus. Die Kosten wurden zuletzt auf 5,8 Millionen Euro geschätzt. Die Eröffnung hatte sich immer wieder verzögert.
Aber: Kruithoff hob den Mut der Ratsleute hervor, die trotz aller Widrigkeiten und Kritik das Projekt immer weiter unterstützt hatten. Die Planung und auch die Förderzusagen reichen in die Zeit seines Vorgängers Bernd Bornemann (SPD) zurück. „Es ist unheimlich wichtig, dass wir das Haus wiedereröffnen“, sagte er. In Emden gebe es ein „Wahnsinnskulturangebot“: Von Mai bis Oktober sei immer viel los. Er verglich das neue Festspielhaus mit Konzert- und Kulturhäusern aus der ganzen Welt, unter anderem auch mit der Hamburger Elbphilharmonie „Elphi“. In Anlehnung daran nannte er das Emder Bauwerk „Delphi“ oder „Delfi“, wegen des Emder Delfts. Ob sich das durchsetzt, wird sich zeigen.
Kruithoff: „Mehr Pleiten, Pech und Pannen als in einer Seifenoper“
Dass, ähnlich wie bei der Elphi, in Emden auch einiges nicht geklappt hatte, brachte er scherzhaft auf den Punkt: „Als hier heute vorne die Gäste reingekommen sind, sind hinten erst die Handwerker rausgegangen, die Werkzeuge noch unter den Arm geklemmt.“ Bei der Sanierung habe es „mehr Pleiten, Pech und Pannen als in einer Seifenoper“ gegeben. Die Folgen der Pandemie und des Angriffskriegs in der Ukraine hatten die Planung immer wieder durcheinandergewirbelt.
„Und zuletzt hat es noch so viel geregnet, da wurde das Pflastern vor der Tür zur Mission Impossible“, so der Rathauschef. Wer jetzt noch Macken finde, könne sie behalten. Noch sind nicht alle Arbeiten erledigt: Der Musikraum wird noch ertüchtigt. Der Vorplatz des Multifunktionshauses soll noch umgestaltet werden, wenn dafür das Geld da sei. Eine Förderung durch das Programm „Grünes Band“ war nicht möglich. Der Plan, eine Wolfgang-Petersen-Straße zu Ehren des 2022 verstorbenen Hollywood-Regisseurs und gebürtigen Emders, einzurichten, bestehe immer noch.
Otto Waalkes nahm sich Zeit für seine Fans
Zur Eröffnung hatte sich ein besonderer Stargast und Taufpate angekündigt: Otto Waalkes. Der wohl berühmteste Ehrenbürger der Stadt wurde gegen 18 Uhr mit einem schwarzen Elektro-Geländewagen vorgefahren. Schnell sammelten sich die Presseleute um ihn herum, aber auch der ein oder andere Fan quetschte sich zwischen die großen Kameras. Der 75-Jährige zeigte einmal mehr: Für seine Anhänger hat er immer Zeit. Er mischte sich im Festspielhaus unter die Gäste, saß mitten im Saal. Als Moderator Ludger Abeln ihn ankündigte, brandete tosender Applaus für den Komiker auf.
Vor Ottos Auftritt auf der Bühne waren aber noch andere Programmpunkte angesagt. Matthias Kirschnereit, der heute zu den erfolgreichsten deutschen Pianisten seiner Generation zählt, beschrieb das neue Festspielhaus als „sensationell“. Er deutete an, dass es durch die Neueröffnung noch attraktiver für Künstlerinnen und Künstler sein werde, in Emden zu spielen. Er präsentierte zwei Musikstücke auf dem Steinway-Klavier. Die Tänzerinnen und Tänzer der Emder Tanzschule Löschen zeigten danach ihr Können. Insbesondere die Kinder ließen das Publikum mitfiebern.
„Ich erkläre das Otto-Festspielhaus am Wall für eröffnet“
Kulturevents-Chefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer hob bei allen Lobreden auf das schöne neue Erscheinungsbild des Multifunktionshauses insbesondere die „inneren Werte“ hervor. Denn: Das Festspielhaus sei energetisch jetzt auf dem neuesten Stand. Konnte man im Foyer des Neuen Theater früher oft nicht richtig atmen, schwitzte oder fror im Saal und saß unbequem in den Sesseln, soll jetzt alles optimiert sein. Alle Lichter seien mit LED ausgerüstet.
Der Energieverbrauch werde daher so niedrig werden, dass „wir weiterhin mit dem Budget auskommen werden“, sagte sie. Die neue Ton-Anlage, die mit Dolby Atmos ausgestattet ist, wurde ebenfalls getestet unter anderem mit einem niederländischen Kurzfilm. Der Bass vibrierte teils bis in die Knochen hinein. Insbesondere für das Internationale Filmfest Emden-Norderney, das am 5. Juni 2024 beginnt, sei die neue Akustik ein Gewinn, so Kruithoff.
Um etwa 20.20 Uhr kam dann Taufpate Otto mit einem „Holladihiti“ auf die Bühne. „Ich bin froh, wieder in Emden zu sein“, sagte der 75-Jährige. Dann berichtete er davon, dass er als Zweitnamen Gerhard heiße, nach seinem Onkel und Taufpaten. Für ihn nur logisch müsse die neue Kulturstätte also „Otto-Festspielhaus am Wall“ heißen. Und so erklärte er das Haus auch „für eröffnet“. Etwa zehn Minuten scherzte und sang Otto auf der Bühne, dann drückte er gemeinsam mit Tim Kruithoff einen „Eröffnungsbutton“.
Mit einem lauten Knall flog goldenes Konfetti und Lametta ins Publikum. Wie lange die Gäste im Anschluss noch im Foyer, wo es am „rustikalen Buffet“ Currywurst gab, die Eröffnung feierten, ist unklar. Im Laufe des Abends soll Kerstin Rogge-Mönchmeyer, die sich einst mit Plattdeutsch-Pop an die Spitze der DDR-Charts sang, noch mit Otto Waalkes am Klavier ein Duett zum Besten gegeben haben.