Berlin  Preisvergleich: Sind Elektroautos wirklich teurer als Verbrenner?

Steve Przybilla
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Von Steve Przybilla
| 22.04.2024 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Was ist auf Dauer günstiger: ein Elektroauto oder ein Verbrenner? Studien geben die Antwort. Foto: Imago/Michael Gstettenbauer
Was ist auf Dauer günstiger: ein Elektroauto oder ein Verbrenner? Studien geben die Antwort. Foto: Imago/Michael Gstettenbauer
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Nach dem Aus der Umweltprämie stockt der Verkauf von E-Autos in Deutschland. Viele halten Elektroautos für zu teuer. Doch was kostet ein Stromer wirklich? Studien liefern verblüffende Antworten.

Für Fans der Elektromobilität ist das Jahr nicht gut gestartet. Im März 2024 wurden laut Kraftfahrtbundesamt in Deutschland nur 31.400 neue E-Autos zugelassen – 29 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Auch der Gesamtanteil der Stromer an allen Neuzulassungen ging zurück – von fast 16 Prozent auf nur noch zwölf Prozent.

Dass sich E-Autos derart schlecht verkaufen, führen die meisten Beobachter auf weggefallene Subventionen zurück. Seit Dezember 2023 gibt es keinen Zuschuss mehr für die Anschaffung batterieelektrischer Fahrzeuge.

Diverse Medien sehen deshalb bereits die Autoindustrie in Gefahr. Die WirtschaftsWoche hob die „E-Krise“ kürzlich aufs Cover, der Spiegel warnt vor einem „Elektroschock“.

Die gute Nachricht: Um das Geschäft anzukurbeln, reagieren viele Hersteller mit massiven Rabatten. Die Zeitschrift Auto, Motor, Sport berichtet von Preisnachlässen, die bis in den fünfstelligen Bereich gehen. Besonders heraus sticht der Kleinwagen Dacia Spring, der bei einer Zulassung bis Ende März bereits für 12.750 Euro erhältlich gewesen sei.

In den meisten Fällen sind die Stromer in der Anschaffung trotzdem noch deutlich teurer als vergleichbare Verbrenner. Aber wie lange noch? Mehrere Studien kommen zu dem Schluss, dass die Gesamtbetriebskosten von Elektroautos womöglich schon heute unter denen von Benzin- und Dieselautos liegen.

„Unsere Analysen zeigen, dass in den nächsten Jahren die Elektromobilität in den allermeisten Fällen die preisgünstigere Alternative werden wird, und sich dieser Trend langfristig weiter verstärken wird“, sagt Detlef Stolten, Direktor des Jülicher Instituts für techno-ökonomische Systemanalyse.

In ihrer Studie nennen die Wissenschaftler das Jahr 2025 als wahrscheinlichen Wendepunkt. Zwar liegen auch in der Modellberechnung die Herstellungskosten von E-Autos weiterhin über denen von Verbrennern. Bei Wartung, Effizienz und Verbrauch hat der Batterieantrieb aber die Nase vorn.

Auch andere Fachleute gehen davon aus, dass Benzin in Zukunft deutlich teurer sein wird als Strom – vor allem aufgrund des steigenden CO2-Preises. Gleichzeitig dürfte der Strompreis mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien weiter sinken oder zumindest stabil bleiben.

Hinzu kommt, dass E-Autos – anders als Verbrenner – von der Kfz-Steuer befreit sind und sich ihre Halter eine jährliche Treibhausminderungsquote („THG-Quote“) auszahlen lassen können.

„Batterieelektrische Fahrzeuge fahren (…) die Kostennachteile in den ersten Jahren ihrer Haltedauer mit der Zeit wieder, rein“, heißt es in einem Faktenblatt, das das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung zusammengestellt hat.

Beispiel Mittelklasse: Verrechnet man Anschaffungs-, Versicherungs-, Inspektions- und Kraftstoffkosten von einer jährlichen Fahrleistung von 14.000 Kilometern sowie THG-Quote und Kfz-Steuer, so kostet ein Tesla Model 3 bei einer Haltedauer von zehn Jahren 75.152 Euro (mit der inzwischen entfallenen staatlichen Förderung 66.303 Euro). Ein Passat Variant 1,5 TSI OPF, der Superbenzin tankt, kommt im Laufe der zehn Jahre auf 77 524 Euro. Selbst ohne staatliche Förderung ist der Stromer in der Gesamtrechnung also schon heute günstiger als ein vergleichbarer Verbrenner.

Natürlich kommt es darauf an, welche Fahrzeuge man miteinander vergleicht. So sind beim ADAC, der einen ähnlichen Versuchsaufbau durchgeführt hat, die Ergebnisse nicht ganz so eindeutig: „Nimmt man alle Kosten eines Autos zusammen […], liegen je nach Modell manchmal Elektroautos vorn, manchmal aber auch das vergleichbare Modell als Benziner oder Diesel“, schreibt der Automobilclub.

So ist laut ADAC das Elektroauto VW ID.3 günstiger als ein fossil angetriebener VW Golf. Beim Kleinwagen Fiat 500 wiederum schneidet die Hybrid-Variante besser ab als die rein elektrische Version.

„Die Preisgestaltung von E-Autos ist zurzeit ziemlich volatil, was sich auch auf den Wertverlust auswirkt und eine Kostenprognose für fünf Jahre Haltedauer erschwert“, schreibt der ADAC.

Insgesamt können E-Autos in bestimmten Konstellationen also schon heute preislich mit Verbrennern mithalten – in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit noch deutlich besser. Zumal mehrere Hersteller dieses Jahr bezahlbare elektrische Kleinwagen auf den Markt bringen wollen.

Einen Aspekt sollte man dabei indes nicht vergessen, mahnen die Experten vom Fraunhofer-Institut: ob man das Auto zu Hause auflädt oder an öffentlichen Ladestationen. „Die Kostenunterschiede zwischen den beiden Szenarien können in der Mittel- und der Kleinwagenklasse bei einer Haltedauer von 15 Jahren um bis zu 3000 Euro variieren“, schreiben die Forschenden. Wohl denen also, die eine eigene Wallbox haben. Und am besten noch Solarzellen auf dem Dach.

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