New York Schweigegeld-Prozess gegen Donald Trump: Das sind die wichtigsten Zeugen
Mit Donald Trump sitzt gerade erstmals in der US-Geschichte ein Ex-Präsident auf der Anklagebank. Dabei wird er von Charakteren begleitet, die genauso gut in einem Hollywood-Blockbuster vorkommen könnten. Wer sind die wichtigsten Zeugen?
Noch nie zuvor musste sich ein ehemaliger amerikanischer Präsident vor Gericht verantworten. Doch Trump ist mal wieder die Ausnahme. Am 15. April hat der Richter in einem Gerichtsgebäude in Lower Manhattan die Verhandlung gegen den Republikaner eröffnet. Die Staatsanwaltschaft legt Donald Trump Fälschung von Geschäftsunterlagen in Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels zur Last, mit der ihm eine Affäre nachgesagt wird. Im Falle einer Verurteilung drohen Trump bis zu vier Jahren Gefängnis.
An diesem Montag sollen in New York die Auftaktplädoyers gehalten werden. Es folgen die Aussagen der Zeugen. Der Vorsitzende Richter Juan Merchan verlas in der vergangene Woche eine Liste mit 41 Namen, die möglicherweise in den Zeugenstand gerufen werden könnten. Doch wer sind eigentlich die zentralen Figuren der Veranstaltung?
Stormy Daniels, bürgerlich Stephanie Clifford, ist Protagonistin des Verfahrens gegen den Ex-Präsidenten. Die ehemalige Pornodarstellerin soll im Juni 2006 eine Affäre mit Trump gehabt haben. Ob das stimmt, ist für den Prozess nicht relevant. Viel mehr geht es um den Versuch Trumps, eine solche Behauptung mithilfe einer Geldzahlung zu verhindern – und das kurz vor der Präsidentenwahl.
Daniels gab an, Donald Trump im Sommer 2016 bei einem Golfturnier am Lake Tahoe, ein See in der Sierra Nevada, kennengelernt zu haben. Daniels war damals 27 Jahre alt und ein aufstrebender Stern in der Erotikfilmbranche. Kurz nach ihrem Kennenlernen sollen die beiden Sex gehabt haben, was Trump noch immer vehement bestreitet. Nur wenige Monate zuvor hatte Trumps Ehefrau Melania den gemeinsamen Sohn Barron geboren. Weiter berichtete Daniels, noch Monate nach dem Golfturnier Kontakt zum ehemaligen US-Präsidenten gehabt zu haben.
In den Wochen vor der Präsidentschaftswahl 2016 geriet Trump wegen frauenfeindlicher Äußerungen unter Druck. Um Daniels daran zu hindern, Öl ins Feuer zu gießen, erkaufte Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen mit einem „Non-Disclosure Agreement“ (NDA) für 130.000 Dollar ihr Schweigen, mutmaßlich auf direkte Anweisung seines Chefs. Zehn Tage später gewann Trump die Wahl.
Anwalt Michael Cohen war Trumps Mann fürs Grobe. Er begann 2006 für Trump zu arbeiten und erledigte jahrelang die schmutzigen Geschäfte für den späteren Präsidenten. 2018 bekannte er sich wegen der Schweigegeldzahlungen an Daniels für schuldig: Auf Trumps Anordnung habe er damit den Wahlausgang 2016 beeinflussen wollen. Die 130.000 Dollar habe er aus eigener Tasche gezahlt und sei anschließend von Trump in Raten entschädigt worden, die als „Anwaltskosten“ verbucht worden seien.
Cohen saß bereits wegen Steuerhinterziehung, Bankbetrugs und Verstoßes gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze hinter Gittern. Zudem verlor er seine Anwaltslizenz. Seit seiner Freilassung gilt er als einer der schärfsten Kritiker Trumps.
David Pecker wird Medienberichten zufolge der erste Zeuge im Schweigegeldprozess gegen Donald Trump sein. Er ist ehemaliger Vorstandschef des Verlags American Media Inc. (AMI), zu dem der „National Enquirer“ gehört. Er galt als guter Freund Donald Trumps. Um Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2016 zu unterstützen, solle er eine sogenannte „Catch-and-Kill“-Praxis betrieben haben, eine Technik, die von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen verwendet wird, um eine Person daran zu hindern, Informationen, die schädlich für eine dritte Partei sind, zu veröffentlichen.
So soll er Rechte an Geschichten gekauft haben, die Trump in ein schlechtes Licht rücken, um sie dann nie herauszubringen. Andersherum soll er massenhaft Schmutzgerüchte über Trumps Rivalin Hillary Clinton gedruckt haben.
Karen McDougal behauptet ebenfalls, in den Jahren 2006 und 2007 eine einvernehmliche Affäre mit Trump gehabt zu haben, was der ehemalige Präsident ebenfalls bestreitet. Sie behauptet zudem, dass sie von AMI 150.000 Dollar für die Exklusivrechte an ihrer Geschichte erhalten hat. Dadurch wurde sie gezwungen, über die Angelegenheit zu schweigen. Das „Wall Street Journal“ enthüllte das Arrangement vier Tage vor der Wahl 2016.
Dino Sajudin, der ehemalige Türsteher des Trump Tower, könnte ebenfalls in den Zeugenstand treten. Der Republikaner soll ihm ebenfalls Schweigegeld gezahlt haben, damit er über eine Affäre von Trump und ein mögliches uneheliches Kind schweigt.
Allen Weisselberg wird regelmäßig im Strafprozess zugegen sein, auch wenn es als unwahrscheinlich gilt, dass er selbst aussagen wird. Als ehemaliger Finanzchef der Trump Organization soll Weisselberg dafür gesorgt haben, dass Trump die Schweigegeldzahlung zurückzahlte.
Weisselberg ist kein Unbekannter, wenn es um die rechtlichen Probleme des ehemaligen Präsidenten geht. Im August 2022 bekannte sich der Geschäftsführer der Trump Organization des Steuerbetrugs, der Fälschung von Unterlagen und anderer Straftaten schuldig. Die Anklage wurde im Rahmen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Manhattan gegen die Trump Organization erhoben.
Im Rahmen seines Geständnisses verbüßte er 100 Tage Haft und erklärte sich außerdem bereit, in dem laufenden Verfahren gegen Trumps Unternehmen auszusagen. Später sagte er in dem New Yorker Zivilprozess gegen Trump aus, musste sich aber bald darauf in zwei Anklagepunkten der Lüge unter Eid schuldig bekennen. Am 10. April wurde er zu einer weiteren fünfmonatigen Haftstrafe verurteilt.
Hope Hicks galt lange als engste Vertraute des ehemaligen US-Präsidenten. Als Trump 2016 zum ersten Mal kandidierte, war sie seine Wahlkampfsprecherin. Einen Monat vor der Wahl wurde es für sie besonders brenzlig, als die „Washington Post“ ein heimlich mitgeschnittenes Gespräch von 2005 veröffentlichte, in dem Trump sich mit sexuellen Übergriffen gerühmt hatte. Daraufhin soll es dann auch zu den Geheimhaltungs-Verträgen mit Daniels und McDougal gekommen sein. Hicks behauptete damals jedoch, nichts gewusst zu haben.