Berlin  Warum sich Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner Erkrankung „vollkommen idiotisch“ gefühlt hat

Jakob Patzke
|
Von Jakob Patzke
| 23.04.2024 11:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Karl-Theodor zu Guttenberg hatte zunächst Schwierigkeiten, sich mit seiner Erkrankung abzufinden. Foto: IMAGO/HMB-Media
Karl-Theodor zu Guttenberg hatte zunächst Schwierigkeiten, sich mit seiner Erkrankung abzufinden. Foto: IMAGO/HMB-Media
Artikel teilen:

Nach seinem Aus als Bundesverteidigungsminister litt Karl-Theodor zu Guttenberg an Depressionen und einer posttraumatischen Belastungsstörung. In der Talkshow von Sandra Maischberger gab der CSU-Politiker Einblicke, wie er damit umgegangen ist.

In der vergangenen Woche hatte der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor Guttenberg erstmals über seine diagnostizierte Depression und posttraumatische Belastungsstörung gesprochen. Jetzt gab der CSU-Politiker in der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger weitere Einblicke in den Umgang mit seiner Erkrankung.

Demnach habe er sich zunächst „vollkommen idiotisch“ gefühlt. Als Verteidigungsminister habe er gemerkt, „durch welche Hölle“ viele Soldaten gegangen seien. Folglich habe Guttenberg sich selbst die Frage gestellt: „Was soll das, du Blödmann, wenn du jetzt plötzlich beginnst, dich zu beschweren über eine posttraumatische Belastungsstörung aufgrund eines vergleichsweise lachhaften Rücktritts, angesichts dessen, was die durchmachen mussten?“

Erst später habe sich herausgestellt, dass es sich bei der Depression um ein vererbtes Leiden gehandelt hat. Wie bei seinem mittlerweile verstorbenen Vater Enoch zu Guttenberg, sei bei Karl-Theodor die Krankheit „veranlagt“ gewesen. „Ich habe das aber lange nicht wahrnehmen wollen“, so der CSU-Politiker.

Schließlich habe er sich Hilfe im Ausland gesucht. „Ich musste in die USA, wo mit psychischen Erkrankungen ganz anders, sehr viel offener umgegangen wird. Das klingt jetzt fast bizarr: fast mit einer gewissen Fröhlichkeit.“ Nach einem Jahr sei er austherapiert gewesen.

Er habe danach lange mit sich gerungen, über seine Erkrankung zu sprechen, erzählte Guttenberg der Moderatorin Sandra Maischberger. Was ihn letztendlich zu diesem Schritt gebracht habe: „Ich habe das Gefühl gewonnen, dass in unserem Land noch sehr verdruckst mit der Thematik umgegangen wird.“

Viele Menschen würden noch immer Scham empfinden, über ihre psychische Erkrankung zu sprechen. „Es sind nicht nur ein paar Hunderttausend, es sind Millionen und Abermillionen, die eine psychische Erkrankung haben“, führte Guttenberg aus. „Wenn man da einen kleinen Anstupser geben kann, damit offener umzugehen, dann ist es das vielleicht wert.“

Ähnliche Artikel