Bundeswehr sagt ab  Terroranschlag bei Moskau hat Folgen für Emder Workcamp

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 23.04.2024 18:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Junge Leute bei der Pflege von Kriegsgräbern auf dem deutschen Soldatenfriedhof im französischen St. Désir. Foto: Archiv
Junge Leute bei der Pflege von Kriegsgräbern auf dem deutschen Soldatenfriedhof im französischen St. Désir. Foto: Archiv
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Die Stadt Emden muss das geplante 56. Workcamp für junge Leute in der Normandie abspecken. Geschuldet ist das der internationalen Sicherheitslage.

Emden - Die Stadt Emden kann ihr bekanntes und beliebtes Workcamp für junge Leute in der französischen Gemeinde St. Désir in diesem Sommer nur in sehr abgespeckter Form ausrichten. Der Grund: Die Bundeswehr hat ihre Unterstützung abgesagt.

Wie die Pressestelle der Stadt am Dienstag, 23. April 2024, überraschend mitteilte, kann nur etwa die Hälfte der angemeldeten knapp 40 Jugendlichen während der Sommerferien für drei Wochen in die Normandie reisen, um in St. Désir unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern - Arbeit für den Frieden“ einen deutschen Soldatenfriedhof zu pflegen, sich mit der Geschichte des Zweiten Weltkrieges auseinanderzusetzen und gemeinsam Freizeit an der Küste des Ärmelkanals zu verbringen.

Das Camp war bereits ausgebucht

Nach Angaben der Stadt waren alle Plätze des Camps bereits im März belegt. Die Vorbereitungen hätten bereits kurz vor dem Abschluss gestanden. In der vergangenen Woche habe die Verwaltung dann die Absage des in Wittmund stationierten Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“ erhalten. Diese Einheit der Bundeswehr unterstützt das Emder Camp in Frankreich seit Jahren. Es stellt dafür unter anderem einen Reisebus, einen Lastwagen, Personal und viel Material bereit.

Laut der Stadt begründete das Luftwaffengeschwader die Absage mit der aktuellen internationalen Sicherheitslage. Als Folge des blutigen Terroranschlags vom 22. März in der Konzerthalle Crocus City Hall am Stadtrand von Moskau hatte Frankreichs Regierung die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Demnach würden für die Bundeswehr strenge Regeln in diesem Land gelten. Einsätze wie die Unterstützung der Kriegsgräberpflege seien „bis auf Weiteres nicht möglich“, heißt es.

Stadtspitze zeigt „volles Verständnis“

Bei dem Anschlag auf die Konzerthalle bei Moskau waren 144 Menschen getötet worden. Die Attentäter hatten aus automatischen Waffen das Feuer auf die Konzertbesucher eröffnet und anschließend die Halle in Brand gesetzt. Sie wurden später auf der Flucht gefasst. Das Terrornetzwerk Islamischer Staat beanspruchte die Tat für sich.

Der Kommodore des Wittmunder Luftwaffengeschwaders übermittelte die Absage auch in einem Schreiben an den Verwaltungsvorstand der Stadt Emden. Der zeige „volles Verständnis für die Entscheidung der Bundeswehr in diesen herausfordernden Zeiten“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Zugleich hoffe die Verwaltungsspitze, dass die Unterstützung des Workcamps im kommenden Jahr wieder möglich sein wird.

Weniger Teilnehmer und kürzere Dauer

In Folge der Absage haben die Stadtverwaltung und das Leitungsteam des Workcamps um Campleiter Stephan Oelrichs sich für eine kleinere Version des Ferienlagers mit 20 Jugendlichen und einer kürzeren Dauer entschieden. Abgesagt hat die Stadt vor allem Jugendlichen, die nicht aus Emden oder der näheren Umgebung kommen.

Auch eine junge Gästegruppe aus der russischen Stadt Archangelsk, zu der Emden bis zum Beginn des russischen Angriffskrieges eine Städtepartnerschaft pflegte, hat das Nachsehen. Teilnehmen kann hingegen eine kleine Gruppe von Jugendlichen, die in den vergangenen beiden Jahren aus der Ukraine nach Emden kamen. Einige Unternehmen unterstützen das Camp mit Fahrzeugen und Anhängern für die Reise.

Der Emder Rat fährt trotzdem hin

Die geplante Reise des Emder Stadtrates zu einem Wochenende der deutsch-französischen Begegnung in der Normandie soll den Angaben der Stadt zufolge nach jetzigem Stand stattfinden. Der Rat habe signalisiert, dass er der Einladung nach Frankreich folgen wolle - insbesondere vor dem Hintergrund des 80. Jahrestages des D-Days am 6. Juni. Der D-Day bezeichnet den 6. Juni 1944, also den Tag, an dem alliierte Truppen während des Zweiten Weltkrieges an den Stränden der Normandie landeten.

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