Jugendliche unter Beschuldigten  Polizei geht gegen Verbreitung von Kinderpornografie vor

Karin Böhmer
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Von Karin Böhmer
| 24.04.2024 08:20 Uhr | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein Smartphone in der Hand eines Jugendlichen. Foto: DPA
Ein Smartphone in der Hand eines Jugendlichen. Foto: DPA
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In ganz Norddeutschland fanden in der vergangenen Woche Durchsuchungen statt. In fünf Fällen auch in Aurich, Emden und Wittmund.

Aurich - Die Durchsuchungen reichten bis ins Kinder- und Jugendzimmer: In der vergangenen Woche hat die Polizei an vier Tagen in sechs Bundesländern Durchsuchungen zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt an Kindern vorgenommen. Im Ziel der Fahnder waren dabei auch 25 Objekte im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück.

Unter anderem wurden nach Angaben von Marco Ellermann, Polizeihauptkommissar und Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück, auch in Ostfriesland fünf Durchsuchungsbeschlüsse umgesetzt. Die Polizei stellte Beweise in Emden sowie in den Landkreisen Aurich und Wittmund sicher.

Jüngster ostfriesischer Beschuldigter ist 16

Vier der Beschuldigten sind laut Ellermann zwischen 16 und 26 Jahre alt, ein weiterer ist 64. „In fast allen Fällen fand eine Verbreitung über die Social Media Plattformen Instagram oder über Facebook statt“, so Ellermann. Bei den verbreiteten Dateien handele es sich sowohl um Kinder- als auch um Jugendpornografie, in Form von Bildern und Videos.

Kinder und Jugendliche werden nicht nur für pornografische Aufnahmen missbraucht. Unter Jugendlichen wird Kinder- und Jugendpornografie auch geteilt. Foto: DPA
Kinder und Jugendliche werden nicht nur für pornografische Aufnahmen missbraucht. Unter Jugendlichen wird Kinder- und Jugendpornografie auch geteilt. Foto: DPA

„In einem der fünf Fälle besteht der Anfangsverdacht, dass ein 64 Jahre alter Mann kinderpornografische Schriften besessen hat. Entsprechende Datenträger wurden sichergestellt. Die Auswertungen laufen“, so der Sprecher.

Polizei: Kinder und Jugendliche handeln immer öfter unbedacht

Weitere Einsatzorte waren die Stadt Osnabrück sowie die Landkreise Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim. In einem Fall wurde bei einem 15-jährigen Beschuldigten aus dem Landkreis Osnabrück wegen des Verdachts des Besitzes beziehungsweise der Verbreitung von Jugendpornografie die elterliche Wohnung durchsucht.

Der Jugendliche steht laut Ellermann im Verdacht, bei Snapchat pornografische Inhalte hochgeladen zu haben: „Insbesondere Kinder und Jugendliche versenden immer öfter unbedacht pornografische Inhalte mit ihrem Smartphone - ein Trend der letzten Jahre.“

Straftaten werden manchmal unbedacht verübt

Oftmals wüssten die jungen Menschen laut Polizei gar nicht, dass ihr Handeln eine Straftat darstellt. So würden beispielsweise die Köpfe von Bekannten in pornografische Aufnahmen hineinmontiert. Es besteht laut dem Polizeisprecher weiterhin Präventions- und Aufklärungsbedarf. „Wir müssen es schaffen, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu erhöhen und vermehrt auf solche strafbaren Handlungen hinzuweisen. Dabei sind vor allem auch Eltern und Schulen gefragt. Auch die Polizei leistet mit intensiver Präventionsarbeit ihren Beitrag.“

Ursprung der Durchsuchungen waren sogenannte NCMEC-Hinweise. Die eingehenden Hinweise der Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) machen derzeit einen Großteil der polizeilichen Ermittlungen in Deutschland aus. 2015 wurden beim Bundeskriminalamt etwa 14.500 solcher Fälle aus den USA gemeldet.

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