USA Sanktionen umgangen: US-Zeichentrickserien heimlich in Nordkorea produziert
Grafiken für verschiedene US-Zeichentrickserien wurden in Nordkorea produziert – die betroffenen Unternehmen wie Amazon und Warner wussten angeblich von nichts. Diese Serien sind betroffen.
Bei der Produktion von US-Filmen sollen Zeichentrickgrafiker aus Nordkorea mitgewirkt haben. Das Forschungsinstitut Stimson Center, das bei dem Fall mit ermittelt hat, berichtet von gefundenen Cloudservern mit unter anderem unveröffentlichten Episoden von amerikanischen Zeichentrickserien. Diese waren falsch konfiguriert und konnten demnach ohne Passwort durchgeschaut werden.
Die Zugriffe auf den nordkoreanischen Server sind über eine Netzwerkverbindung, die von Unbeteiligten eigentlich nicht einsehbar sind (VPN), sowie IP-Adressen aus Spanien und China erfolgt. Dabei stammen die chinesischen Zugänge aus der Provinz Liaoning, aus der viele nordkoreanische Unternehmen agieren, da es sich um eine Grenzregion handelt. Viele große eigentlich nordkoreanische Animationsstudios sollen laut den Ermittlern die Animationsarbeit dorthin verlegt haben, um von dort aus nicht von den Sanktionen betroffen zu sein.
Die Identitäten der Menschen, die die Dateien hochgeladen haben, konnten nicht festgestellt werden. Es wird vermutet, dass es sich um Angestellte des Animationsunternehmen „SEK Studio“ handelt. Diese hatten schon oft bei internationalen Projekten mitgearbeitet. 2016 wurde das Studio jedoch vom US-Finanzministerium als nordkoreanisches Staatsunternehmen sanktioniert. Auch chinesische Unternehmen, die mit dem Studio zusammengearbeitet haben, erhielten 2021 und 2022 eine Sanktion.
Unter anderem ist die dritte Staffel der Zeichentrickserie „Invincible“ von Amazons Streaming-Dienst „Prime Video“ betroffen, die gerade produziert wird. Die ersten zwei Staffeln sind auch in Deutschland verfügbar. Die Serie stammt von dem Drehbuchautor Robert Kirkman, der unter anderem auch an „The Walking Dead“ beteiligt war. Auch von dem Anime „Iyanu, Child of Wonder“ des Unternehmens Warner Bros. Discovery wurden Entwürfe für die Serie auf den Servern gefunden. Weitere Dateien zu anderen Anime-Serien sind laut den Ermittlern auch noch gefunden worden, jedoch konnten diese noch nicht identifiziert werden.
Dateien der Kinderserie „Die Octonauten“ der BBC befanden sich ebenfalls in der Cloud. Diese wurden jedoch nicht bearbeitet.
Das Forschungsinstitut Stimson Center sagt, dass es keine Hinweise darauf gäbe, dass die amerikanischen Unternehmen von dem Datenleck Bescheid wussten. Es sei wahrscheinlich, „dass die Vertragsvereinbarung mehrere Schritte nach den großen Produzenten erfolgte.“ Die Produktionsfirma Skybound von Invincible äußerte sich gegenüber „Reuters“, dass sie keine Kenntnis von nordkoreanischen Unternehmen haben und eine interne Überprüfung eingeleitet wurde.