Hamburg  „Bei höherer Mehrwertsteuer auf Fleisch werden Tiere für Mülltonne geschlachtet“

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 26.04.2024 00:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der Konsum von Geflügelfleisch in Deutschland wächst, aber bessere Haltungsbedingungen für die Hähnchen sind bei Kunden nur in geringem Ausmaß gefragt. Foto: Friso Gentsch
Der Konsum von Geflügelfleisch in Deutschland wächst, aber bessere Haltungsbedingungen für die Hähnchen sind bei Kunden nur in geringem Ausmaß gefragt. Foto: Friso Gentsch
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Wie soll bessere Tierhaltung in Deutschland finanziert werden? Die Geflügelwirtschaft hat offenbar die Hoffnung aufgegeben, dass sich die Politik darüber noch verständigt. Verbandspräsident Friedrich-Otto Ripke redet Klartext – und warnt vor einer Fleischproduktion für die Mülltonne.

Die deutsche Geflügelwirtschaft ruft dazu auf, sich im Streit um die Finanzierung einer besseren Tierhaltung von Steuererhöhungen zu verabschieden. Verbandschef Friedrich-Otto Ripke sagte unserer Redaktion: „Ich glaube weder daran, dass der Tierwohl-Cent kommt noch die Mehrwertsteuer-Erhöhung”.

Beide Optionen waren zuletzt diskutiert worden, um Landwirte bei einer besseren Tierhaltung finanziell zu unterstützen. Ripke verwies darauf, dass sich innerhalb der Ampel-Regierung keine entsprechende Mehrheit abzeichne. Viel mehr herrsche ein „politisch verordneter Stillstand“ und Landwirte blieben im Unklaren, wie sie ihre Ställe umbauen sollten.

Der Verbandspräsident schlug stattdessen vor, den Umbau der Tierhaltung der Wirtschaft zu überlassen: „Wir müssen den Mehraufwand für eine bessere Tierhaltung im Markt verdienen.“ Er sei sich sicher, dass sich höhere Haltungsformen von allein durchsetzen würden – „auch ohne staatliches Geld“.

Den Fortschritt im Stall politisch erzwingen zu wollen, berge indes Gefahren: „Es ist sinnlos, am Markt vorbei regieren zu wollen. Die Nachfrage nach höheren Haltungsformen ist derzeit zwar zunehmend, aber noch gering“, sagte Ripke. Er verwies auf Modelle, bei denen Tieren Auslauf außerhalb der Ställe ermöglicht wird, oder auf Bio-Haltung. Beide haben derzeit einen sehr geringen Anteil an der Tierhaltung und sind teils deutlich teurer.

Sollten entsprechende Angebote nun schlagartig ausgeweitet werden, hätte das Konsequenzen, so der Verbandschef: „Die Tierhalter halten ihre Tiere vielleicht besser. Sie produzieren aber für die Tonne, weil die Ware am Ende weggeschmissen werden würde. Das ist ethisch nicht vertretbar und das machen wir nicht mit!“ Eine Mehrwertsteuer-Erhöhung von derzeit 7 auf dann reguläre 19 Prozent werde kontraproduktiv wirken, weil sie bereits jetzt teurere Haltungsformen noch einmal zusätzlich verteuere. „Für Billigimporte würde sie praktisch wirken wie ein Konjunktur-Förderprogramm! Das kann niemand wirklich wollen.“

Zuletzt hatte sich Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer beim Fleisch ausgesprochen. Messner verwies dabei aber auch darauf, dass es aus klima- und gesundheitspolitischer Sicht sinnvoll sei, wenn in Deutschland nicht nur weniger Tiere gehalten würden, sondern insgesamt auch weniger Fleisch gegessen werde.

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