Vielfältige Nutzung  Was das neue Festspielhaus in Emden alles kann

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 25.04.2024 11:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Festspielhaus am Wall in Emden ist als Multifunktionshaus konzipiert. Foto: Penning/dpa
Das Festspielhaus am Wall in Emden ist als Multifunktionshaus konzipiert. Foto: Penning/dpa
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Das neue Festspielhaus in Emden ist nicht nur eine Stätte für die Kultur. Die Stadt hat noch mehr damit vor.

Emden - Die Erwartungen an das neue Festspielhaus am Wall in Emden sind hoch: Das Veranstaltungszentrum, das am Freitag, 19. April 2024, mit einer Gala eröffnet worden ist, soll nicht nur der Kultur, sondern auch dem Tourismus in der Stadt und anderen Bereichen Impulse geben.

Die Stadt spricht deshalb gerne auch von einem Multifunktionshaus, das mit moderner Technik und viel Komfort unter anderem für Kongresse und Fachtagungen sowie für größere Feierlichkeiten genutzt werden soll. Es bleibe „selbstverständlich aber auch ein Ort für hochklassige Kulturveranstaltungen und die Veranstaltungen der anliegenden Schulen“, heißt es dazu in einer Mitteilung der Stadt.

Kulturprogramm auch für Touristen

Auf das neue Haus zugeschnitten ist auch das städtische Kulturprogramm für die kommende Spielzeit 2024/2005, das Kulturevents-Chefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer zwei Tage vor der Eröffnungsgala im Kulturausschuss des Stadtrates vorstellte. Dabei schwärmte sie förmlich von den vielfältigen Möglichkeiten, die das neue Haus bietet. Ziel sei eine hohe Auslastung, „damit sich die Investitionen für Emden bezahlt machen.“

Die Grenzen zwischen Kultur und Tourismus sind dabei fließend. Denn Kulturevents hat für die neue Spielzeit auch Bühnenproduktionen eingekauft, die norddeutsch angehaucht sind und auch Touristen anziehen sollen. Dazu gehört beispielsweise gleich zum Auftakt der kommenden Spielzeit am 4. August die musikalische Lese-Revue „Das kleine Friesencafé“. Auf der Bühne begegnen sich dabei Bestseller-Autor Janne Mommsen sowie „seine“ Hörbuchsprecherin und Schauspielerin Sabine Kaack, die für ihr Publikum eine außergewöhnliche Lesung rund um die Friesencafé-Reihe vorbereitet haben.

Geselliges und Buntes mit Getränken

Es kommt nicht von ungefähr, dass Kulturevents auch auf Besucherinnen und Besucher der Stadt schielt. Denn die etwa 2,7 Millionen Euro, die als Fördermittel in den insgesamt knapp sechs Millionen Euro teuren Umbau des ehemaligen Neuen Theaters zum Festspielhaus flossen, seien für kulturtouristische Zwecke bestimmt, sagte Rogge-Mönchmeyer. Die Stadt hat in Kooperation mit Hotels bereits Pakete geschnürt, die einen Besuch des Festspielhauses enthalten. „Es gilt jetzt, diese Konzepte umzusetzen“, so die Betriebsleiterin.

Vor mehreren Hundert geladenen Gästen löste Otto Waalkes (links) zusammen mit Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff per Knopfdruck einen Goldregen im Saal zur Eröffnung des neuen „Festspielhaus am Wall“ aus. Foto: Ortgies
Vor mehreren Hundert geladenen Gästen löste Otto Waalkes (links) zusammen mit Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff per Knopfdruck einen Goldregen im Saal zur Eröffnung des neuen „Festspielhaus am Wall“ aus. Foto: Ortgies

Das neue Haus biete nun auch Möglichkeiten für Veranstaltungen geselliger Art oder bunte Abende. Dafür gebe es an Sitzen auch Getränkehalter. In diese Rubrik ordnet Rogge-Mönchmemeyer beispielsweise das Weihnachtsvarieté des Hamburger Hafenvarietés am 10. Dezember ein. Dieses kuriose Showformat bietet eine Kombination aus artistischen Darbietungen und mitreißender Musik.

Variabel für Tagungen und Kongresse

Die Multifunktionalität des Festspielhauses soll aber auch das Kongress- und Tagungsgeschäft in Emden beleben, von dem der Tourismus ebenfalls profitieren könnte. Die Garderobengänge, der Saal und die Vorbühne des Festspielhauses ließen sich dafür beispielsweise variabel gestalten, erläuterte die Kulturchefin. Die Sitzreihen im Parkettbereich sind mobil. Sie können beispielsweise bei Tagungen durch Stühle und Tische ersetzt werden.

Zudem lasse sich die Vorbühne auf verschiedene Höhen einstellen. Besonders bei Podiumsdiskussionen oder Lesungen biete sie mehr Publikumsnähe. „Es gibt bereits diverse Anfragen von Veranstaltern, die das Haus nutzen wollen“, so Rogge-Mönchmeyer. Dazu gehörten unter anderem die Industrie- und Handelskammer sowie die Hochschule Emden/Leer.

Augenmerk liegt auch auf Kinder

Ein besonderes Augenmerk legt Kulturevents auch auf Kinder, für die es künftig mehr Veranstaltungen im Kulturprogramm geben soll. Sie haben jetzt eine bessere Sicht auf die Bühne. Für die Jüngsten gibt es auch spezielle gepolsterte Sitzerhöhungen, die sich mit den Sitzflächen einklappen lassen und deshalb gefahrlos sind.

Neue Möglichkeiten eröffnet zudem die neue Tontechnik, die mit dem System Dolby Atmos ausgestattet ist. Laut Rogge-Mönchmeyer verspricht die Anlage ganz neue Klangerlebnisse, von denen die Gäste der Eröffnungsgala schon einen Vorgeschmack bekamen. Diesen Trumpf will Kulturevents nicht nur bei Klassikkonzerten, sondern beispielsweise auch am 9. November 2024 bei dem Heavy-Metal-Hörspiel „L. B. Steel“ ausspielen.

Bei allen Neuerungen kommen aber auch Schauspiel, Musiktheater und Oper nicht zu kurz. Nach knapp fünfjähriger Pause kehrt die Landesbühne Nord an seine angestammte Spielstätte an der Theaterstraße in Emden zurück. Sie ist mit sechs Produktionen im Emder Kulturprogramm für die Spielzeit 2024/2025 vertreten. Den Anfang macht am am 13. September das Musical „Tootsie“ nach der gleichnamigen US-amerikanischen Filmkomödie mit Dustin Hoffman aus dem Jahr 1982.

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