Öffentlicher Nahverkehr  Aurich ist im kommenden Jahr zeitweise ohne eigenen Nahverkehr

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 26.04.2024 14:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ende Mai kommenden Jahres ist Schluss mit dem Auricher Anrufbus. Foto: Romuald Banik
Ende Mai kommenden Jahres ist Schluss mit dem Auricher Anrufbus. Foto: Romuald Banik
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Der Auricher Anrufbus wird zu Ende Mai 2025 gekündigt, das steht fest. Ein Nachfolgesystem kann aber nicht direkt starten – selbst wenn es gewollt wäre.

Aurich - Zögern, zaudern und noch eine weitere Beratungsrunde: Jetzt steht fest, dass es in der Stadt Aurich im kommenden Jahr auf jeden Fall eine Zeit lang keinen städtischen ÖPNV geben wird. Denn der Anrufbus wird gemäß den politischen Beschlüssen des vergangenen Jahres zu Ende Mai 2025 gekündigt. Ein Nachfolgemodell, so es denn von der Politik beschlossen wird, kann aber nicht am 1. Juni 2025 starten. Das stehe bereits jetzt fest, machte Stadtplaner Mirko Wento im Verkehrsausschuss der Stadt am Donnerstag deutlich. Denn es müssten Fristen für die Ausschreibung beachtet werden. Und die zeitliche Lücke wird nun noch größer. Denn es wurde am Donnerstag kein Beschluss über ein neues Stadtbussystem mit mindestens zwei festen, getakteten Linien gefasst – der Tagesordnungspunkt wurde stattdessen von der Tagesordnung abgesetzt.

Volker Rudolph (GAP) hatte die Absetzung beantragt. Denn eine Entscheidung über den ÖPNV in der Stadt dürfe nicht mit knappen Mehrheiten erfolgen. Diese würden sich aber nach den Positionierungen der Fraktionen abzeichnen. „Wir wollen keine Polarisierungen im Rahmen der Diskussion“, so Rudolph. Das werde „dem politischen Zeitgeist“ nicht gerecht. Stattdessen schlug er vor, dass es informelle Gespräche zwischen den Fraktionen geben solle, um eine Lösung für den Auricher ÖPNV zu finden.

Kompromiss scheint möglich

Im Augenblick sieht es so aus, als wäre der Auricher Rat in zwei Hälften gespalten in der Frage. Sowohl Bürgermeister Horst Feddermann als auch die Fraktionen von CDU, FDP und AWG lehnen ein Linienbussystem als zu teuer ab. Die AWG möchte gar auch den bisherigen Anrufbus abschaffen und den ÖPNV komplett dem Landkreis Aurich überlassen. Wenn aus dieser Gruppe der Bus-Gegner alle bei der entscheidenden Ratssitzung anwesend sind, kommen sie schon auf 21 Stimmen – der ÖPNV wäre in Aurich bis auf die Regionalbuslinien des Landkreises gestorben.

Es scheint aber noch Raum für Kompromisse zu geben. Denn die CDU billigte den Vorschlag von Rudolph. Manfred Möhlmann (CDU) legte nur Wert auf die Feststellung, dass der Anrufbus auf jeden Fall wie geplant gekündigt werde. Seine Fraktionskollegin Monika Gronewold hatte auch nichts gegen weitere Gespräche. Sie betonte aber, dass es noch weitere strittige Themen gebe, die beizulegen seien. Ein Beispiel sei die vom Bürgermeister vorgeschlagene Versiegelungsgebühr. „Es ist ein Geben und ein Nehmen“, so Gronewold. Das könnte bedeuten, dass es einen Stadtbus geben könnte, wenn dafür die Versiegelungsgebühr vom Tisch ist.

Thema könnte über den Sommer liegen bleiben

Wenig überzeugt von weiteren Gesprächen sind Heidrun Weber (GFA) und Richard Rokicki (AWG). Das sei nicht sehr effektiv, meinte Weber. Denn alle hätten viel Zeit für Gespräche gehabt in den vergangenen Monaten. „Und nun soll das im Mai mit seinen vielen Feiertagen binnen vier Wochen geklärt werden?“ Auch Rokicki meinte, dass alles durchdacht und besprochen worden sei. Man könne sofort abstimmen.

Die beiden wurden ebenso wie Ausschuss-Vorsitzender Reinhold Mohr (Grüne) überstimmt, die Tagesordnung des Ausschusses wurde geändert. Wenn es keine Sondersitzung gibt, kann sich der Verkehrsausschuss erst wieder am 10. Juni mit dem Thema Stadtbus beschäftigen. Das ist zu spät für die Mai-Sitzung des Rates. Dieser tagt ein weiteres Mal am 20. Juni. Theoretisch könnte dann eine Entscheidung für oder gegen den Stadtbus fallen. Sollte das nicht gelingen, bleibt das Thema in der Sommerpause liegen. Erst Ende August beginnen die politischen Sitzungen wieder. Die zeitliche Lücke ohne städtischen ÖPNV im kommenden Jahr würde dann entsprechend größer werden.

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