Ostfriesischer Künstler  Dieser Autist malt am liebsten den Pilsumer Leuchtturm

| | 27.04.2024 16:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sven Schetzberg ist Asperger-Autist und Maler. Eines seiner liebsten Motive: der Pilsumer Leuchtturm in der Krummhörn. Foto: Ortgies
Sven Schetzberg ist Asperger-Autist und Maler. Eines seiner liebsten Motive: der Pilsumer Leuchtturm in der Krummhörn. Foto: Ortgies
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Der Pilsumer Leuchtturm ist in fast jedem der Bilder von Sven Schetzberg zu sehen. Angefangen hat seine Leidenschaft für Kunst, als er noch ein Kind war.

Pilsum / Timmel - An den 17. März 1998 kann sich Sven Schetzberg aus Timmel noch ganz genau erinnern. Es war der Tag, an dem er sein allererstes Bild gemalt hat. Der 32-Jährige ist Asperger-Autist und kann sich Daten und Zahlen besonders gut merken. 26 Jahre später malt er immer noch - mit viel Leidenschaft und Herzblut. Ganz besonders hat es ihm der Pilsumer Leuchtturm angetan, der in vielen seiner Werke zu sehen ist. Die Beiträge und Fotos, die er über seine Kunst in Facebook-Gruppen teilt, bekommen teilweise hunderte Gefällt-mir-Angaben und viele nette Kommentare.

Im Alter von fünf Jahren hatte der Ostfriese mit seiner Mutter die Emder Kunsthalle besucht. „Da haben es mir besonders die bunten Bilder angetan“, sagt er. „Später beobachtete ich Kinder, die mit Kreide auf der Straße malten.“ Anschließend bekam er zum Geburtstag sein erstes Mal-Set von seinen Eltern geschenkt. „Am Anfang habe ich viel Pokémon gemalt, dann die Werner-Figuren und Ottifanten. Zwischenzeitlich auch mal Aktbilder, aber da bin ich wieder von abgekommen.“ Er malte später Bilder alter Meister nach und gab ihnen mit seinem Markenzeichen, einer Nordseekrabbe, seine eigene Note und probierte verschiedenste Motive und Materialien aus.

Die Bilder von Sven Schetzberg haben mittlerweile fast immer einen Regionalbezug.
Die Bilder von Sven Schetzberg haben mittlerweile fast immer einen Regionalbezug.

„Kunst bringt Farbe ins Leben“

Tagsüber arbeitet Sven Schetzberg als technischer Designer für eine Tochterfirma der Meyer-Werft in Schirum. Dass er Autist ist, spielt dabei keine Rolle. „Viele Arbeitskollegen wissen auch gar nicht, dass ich diese Diagnose habe.“ Bei Sven Schetzberg wurde das Asperger-Syndrom festgestellt, als er vier Jahre alt war. Einschränken tut es ihn aber kaum. Er lebt alleine, fährt Auto und geht einem normalen Beruf nach. „Ich habe aber manchmal Probleme mit dem Sarkasmus“, sagt er. Auch Ordnung sei ihm wichtig. Seinen Arbeitsplatz sortiert er sich nach Feierabend immer so, dass am nächsten Tag wieder alles an Ort und Stelle ist. Und als er seine Kunst einmal in Aurich beim Kunstverein ausgestellt hat, sortierte er die Bilder dort nach Größe und nach Preis.

Bei seinen Bildern kann er seiner Kreativität freien Lauf lassen, da sortiert er nichts nach Größe oder Formen. Nach Feierabend greift er zu Bunt- oder Filzstiften, Pinsel und Acrylfarbe, vertieft sich stundenlang in Leinwände. Aktuell experimentiere er viel mit Tee, den er als Grundierung für seine Bilder verwendet. Für ein Bild braucht er im Schnitt um die acht Stunden, manchmal auch mehr. „Das ist einfach ein Hobby, das auch nicht jeder kann. Andere Stricken oder Häkeln, das kann ich dann wieder gar nicht.“ Das Malen sei für ihn eine Art Entspannung, am liebsten hört er dabei klassische Musik. „Kunst bringt Farbe ins Leben.“

Idol: Otto Waalkes

Für den Pilsumer Leuchtturm als Lieblingsmotiv hat sich Sven Schetzberg übrigens wegen seiner großen Liebe zu Otto Waalkes entschieden. „Otto ist mein Idol“, sagt er. Schon vier Mal habe er ihn getroffen und ihm dabei auch schon eines seiner Bilder geschenkt. „Er konnte sich sogar noch an mich erinnern, obwohl ich es ihm nicht verübelt hätte, wenn er mich vergessen hätte“, sagt er. Der Pilsumer Leuchtturm gehöre zu seinen absoluten Lieblingsorten, regelmäßig fährt er deshalb von Timmel in die Krummhörn. „Jeder kennt den Leuchtturm, das ist ja auch unser Wahrzeichen“, sagt er.

Sven Schetzberg will demnächst ein Buch mit seinen Erfahrungen als autistischer Künstler veröffentlichen, wann und wie steht aber noch nicht fest. „Taschenbuchgröße sollte es aber schon haben“, sagt er. Am liebsten würde er eines Tages von der Kunst leben. Aber das ist nicht einfach, erst recht nicht ohne Kunststudium, ist sich auch der 32-Jährige bewusst. Deshalb malt er erst einmal weiter, was das Zeug hält. Dort, wo es möglich ist, stellt er seine Bilder aus, zum Beispiel in Aurich oder Dornum. Einige Werke hat er auch schon verkaufen können. „Manche fragen auch bei Social Media danach“, sagt er. Außerdem will er sich im Sommer auch mal an den Pilsumer Leuchtturm setzen und dort malen, obwohl er Menschenmengen nicht so gern mag. „Ich will probieren, ein bisschen präsenter zu werden“, sagt er.

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