Osnabrück  E-Bike: Welche Versicherung braucht ein Elektrofahrrad?

Annette Jäger
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Von Annette Jäger
| 28.04.2024 14:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 12 Minuten
E-Bikes sind sehr beliebt – auch bei Dieben. Foto: IMAGO/Thorsten Lindekamp
E-Bikes sind sehr beliebt – auch bei Dieben. Foto: IMAGO/Thorsten Lindekamp
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E-Bikes sind komfortabel und zuverlässig, aber eben auch teuer. Umso ärgerlicher ist es deswegen, wenn das Fahrrad gestohlen wird. Sie können einiges tun, um Diebstahl zu erschweren. Eine Versicherung ist trotzdem ratsam. Doch worauf müssen Sie achten? Und wann reicht die Hausratsversicherung?

Fahrradfahren ist die Trendsportart schlechthin geworden. Und mit den modernen, schnittigen elektrobetriebenen Zweirädern gehen jetzt auch all jene auf größere Touren, für die längere Fahrradausflüge bisher nicht vorstellbar waren. Mal abgesehen von sportlicher Betätigung sind Elektrofahrräder auch alltagstauglich: Pendler nutzen sie auf dem Weg ins Büro, in der Variante als Lastenfahrrad taugen sie zum Einkaufen und für den Transport sperriger Lasten. Elektrofahrräder sind vielfach ein Beitrag zur Mobilitätswende, sofern das Auto dafür stehen gelassen wird.

Die Super-Räder kosten jedoch ihren Preis. Mehrere Tausend Euro fallen dafür an. Wenn ein solches Fahrrad gestohlen oder beschädigt wird, ist das besonders ärgerlich. Und Diebstahl ist tatsächlich die größte Gefahr für das Fahrrad: Jedes Jahr werden in Deutschland rund eine Viertelmillion Fahrräder geklaut, die Dunkelziffer liegt wohl weit höher, weil nicht jeder Diebstahl angezeigt wird.

Der Versicherungsmarkt bietet Lösungen zur finanziellen Absicherung an: Die Hausratversicherung und spezielle Fahrradversicherungen. Zudem ist die Haftpflichtversicherung relevant, schließlich können Sie als Fahrradfahrer auch Unfälle verursachen und andere dabei verletzen. Erfahren Sie auf den folgenden Seiten, welche Versicherungslösungen es für Elektrofahrräder gibt, welche sinnvoll sind und wie Sie Ihr Rad am besten gegen Diebstahl schützen.

Der größte Schaden ist der Verlust des Elektrofahrrads durch Diebstahl. Auch wenn es Versicherungen gibt, die für den Diebstahl aufkommen, ist es doch am besten, wenn das Fahrrad gar nicht erst abhandenkommt. Denn damit die Versicherung auch leistet, müssen nicht nur viele Voraussetzungen erfüllt sein, Sie riskieren zudem eine Kündigung Ihres Versicherungsschutzes, wenn Sie mehrere Schadensfälle hintereinander melden. Deshalb lohnt es sich, das Fahrrad gut gegen Diebstahl zu sichern. Das fängt schon beim richtigen Fahrradschloss an.

Lesen Sie auch, Mit E-Bike und Pedelec auf dem Land: Darauf sollten Käufer achten.

Für Diebe muss es schnell gehen – ein Fahrradschloss muss in kürzester Zeit zu knacken sein. Alle Schlösser, die diese Prozedur möglichst aufwändig gestalten, sind schon mal gute Schlösser. Ein gutes Fahrradschloss kann einen Diebstahl nicht garantiert ausschließen, aber doch deutlich erschweren. Deshalb lohnt sich eine Investition, nicht zuletzt, weil alle Versicherer, ob Hausratversicherer oder spezielle Fahrradversicherer, einen Schaden nur begleichen, wenn das Fahrrad vorschriftsgemäß abgeschlossen war.

Was heißt vorschriftsmäßig abschließen? Ein Blick in die Versicherungsbedingungen des jeweiligen Versicherers hilft hier weiter. Viele Anbieter legen fest, dass

Manche Versicherer legen auch fest, dass das Fahrradschloss ein sogenanntes VdS-Schloss sein muss. Das heißt, das Schloss wurde durch eine unabhängige Prüfinstitution auf Sicherheit geprüft. Beim Kauf ist das Zeichen des VdS in der Regel auf dem Schloss oder der Verpackung vermerkt. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) gibt Empfehlungen, welche Schlösser geeignet sind.

Inzwischen gibt es auch Schlösser mit Alarmsystem, die ein lautes Geräusch von sich geben, wenn sich jemand daran zu schaffen macht. Sogenannte Bügelschlösser – ein schwerer Stahlbügel sichert das Rad – und Faltschlösser – sie lassen sich wie ein Zollstock ausklappen – gelten laut ADFC als die sichersten Fahrradschlösser. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, investiert in zwei hochwertige Schlösser. Diebe müssen damit noch mehr Zeit investieren. Zwei Schlösser erschweren den Diebstahl!

Es gibt Fahrradschlösser in allen Preisklassen. Doch wer auf Sicherheit setzt, muss investieren. Sehr gute Schlösser kosten um 100 Euro oder sogar mehr. Aber die Investition lohnt sich – wenn Sie mehrere tausend Euro in ein Elektrofahrrad investieren, sollten Sie am Schloss nicht sparen. Qualität des Materials und des Zylinders machen den Unterschied im Preis aus.

Die Polizei bietet an, das Fahrrad zu registrieren. Das ist simpel: Sie füllen einfach einen Fragebogen aus und hinterlegen diesen bei der Dienststelle. Typ und Farbe des Rads werden hier vermerkt sowie die Reifengröße und Besonderheiten an Schutzblechen, Lenker und Sattel. Das Wichtigste ist aber, die Rahmennummer, die jedes Fahrrad einzigartig macht, festzuhalten. Sie befindet sich in der Regel unter dem Radlager oder am Sitzrohr. Je mehr Daten die Polizei hat, desto einfacher ist es, ein gefundenes Fahrrad zuzuweisen.

Eine Möglichkeit ein Fahrrad zumindest leichter wieder zurückzubekommen, falls es geklaut wird, ist die Codierung. Sie erschwert den Weiterverkauf des Fahrrads. Bei der Codierung wird ein individueller Code in den Rahmen eingraviert oder ein spezieller Aufkleber auf dem Rahmen befestigt. Der Code enthält verschlüsselt Ziffern und Buchstaben, die unter anderem Aufschluss über den Wohnort des Fahrrad-Eigentümers geben, Straße und Hausnummer. Sollte der Polizei dann der nächste Coup gegen eine Fahrrad-Diebesbande gelingen, kann das Rad dem Eigentümer oder der Eigentümerin zugeordnet werden. Fahrradhändler, Fahrradclubs wie der ADFC oder die Polizei nehmen solche Codierungen vor.

Wer Elektrofahrrad meint, spricht oft vom E-Bike. Doch genau genommen ist das E-Bike gar kein Fahrrad, bei dem das Treten in die Pedale mit einem Motor unterstützt wird. Ein E-Bike fährt ganz ohne Pedalantrieb! Bevor Sie sich über den richtigen Versicherungsschutz Gedanken machen, lohnt es sich, einen Blick auf das eigene Zweirad zu werfen. Denn für jeden Fahrzeugtyp gibt es eigene Versicherungsempfehlungen. Entscheidend ist, wie das Zweirad in Gang gesetzt wird: über Muskelkraft oder/und über einen zusätzlichen Motor.

Fahrrad

Pedelec

S-Pedelec

E-Bike

Die einfachste und erstmal günstigste Möglichkeit, das Elektrofahrrad zu versichern, ist die Hausratversicherung. Das Elektrofahrrad zählt zum Hausrat und ist demnach im Standardschutz der Police erfasst. Dort ist es, genauso wie ein Lastenrad oder ein übliches Fahrrad mit reinem Pedalantrieb, wie alle anderen Gegenstände gegen Schäden durch Einbruchdiebstahl und Vandalismus nach Einbruchdiebstahl, Feuer, Blitzschlag, Explosion und Implosion und Leitungswasser geschützt.

Das gilt auch für Fahrradanhänger, wenn sie fest mit dem Fahrrad verbunden sind und das Rad samt Anhänger gestohlen wird. Der Anhänger ist auch einzeln versichert, wenn er etwa aus dem abgeschlossenen Kellerteil gestohlen wird. Das gleiche gilt für Kindersitze.

Doch aufgepasst: Versichert ist nur der Einbruchdiebstahl. Das heißt, das Fahrrad muss aus einem abgeschlossenen Raum entwendet worden sein, also beispielsweise einer abgeschlossenen Garage oder einem abgeschlossenen Kellerabteil. Parkt das Fahrrad jedoch im Freien, ist es nicht versichert! Manche sehr gute Policen schließen im Standardschutz auch den Diebstahl des abgeschlossenen Fahrrads vor der Haustür ein. Ist dies der Fall, sollten Sie genau prüfen, bis zu welcher Summe das Rad abgesichert ist. Die Hausratversicherung erstattet den Neuwert, wenn das Fahrrad durch Einbruchdiebstahl gestohlen wird.

Der Schutz bei Einbruchdiebstahl reicht oftmals nicht aus. Das Risiko, dass das Fahrrad geklaut wird, ist ja gerade dann am größten, wenn Sie es nutzen und im Freien parken. Wer hier Schutz wünscht, muss den sogenannten einfachen Diebstahl versichern. Dafür müssen Sie Ihre Hausratversicherung um eine Fahrradklausel erweitern, das ist eine Art Zusatzbaustein, der extra kostet. Dann ist in den meisten Policen – zumindest den neueren – das Fahrrad samt einem Anhänger rund um die Uhr versichert, auch gegen den einfachen Diebstahl. Bei manchen Anbietern lassen sich auch Schäden durch Sturz, Unfall und Vandalismus mitversichern. Auch die Fahrradklausel versichert den Neuwert des Fahrrads.

Wer eine ältere Hausratpolice hat und diese vielleicht in der Vergangenheit bereits um eine Fahrradklausel erweitert hat, sollte möglicherweise nochmals nachrüsten. Denn in älteren Hausratversicherungen gilt häufig, dass der einfache Diebstahl zwischen 6 und 22 Uhr zwar versichert ist, nach 22 Uhr aber nur dann, wenn das Fahrrad noch in Gebrauch ist, also wenn man beispielsweise nach 22 Uhr noch von einer Gaststätte mit dem Rad nachhause fährt. Ist das Fahrrad die ganze Nacht im Freien geparkt, gilt kein Versicherungsschutz.

In neueren Policen sollte bereits der Rund-um-die-Uhr-Schutz gelten. Doch auch dann sollte man nochmal prüfen und in den Versicherungsbedingungen nachlesen, welchen Schutz die Police gewährt. Manche neueren Verträge enthalten trotzdem noch eine Nachtklausel, die verlangt, dass das Rad nach Gebrauch in einem geschlossenen Raum abgestellt werden muss.

In einer Hausratversicherung mit Fahrradklausel gilt „alle oder keines“: Es werden nur pauschal alle Fahrräder einer Familie versichert, ein einzelnes besonders wertvolles Fahrrad lässt sich nicht versichern. Den Wert der Räder müssen Sie unbedingt korrekt angeben.

Die Versicherer erstatten bei Verlust je nach Tarif ein bis zwei Prozent, manche auch fünf oder zehn Prozent der Versicherungssumme, die für den gesamten Hausrat vereinbart wurde. Bei einer Gesamtversicherungssumme des Hausrats von beispielsweise 70.000 Euro, entsprechen fünf Prozent 3.500 Euro. Diese Summe gilt immer für einen Versicherungsfall: Wird ein Fahrrad aus dem Familienfuhrpark gestohlen, liegt die Erstattung bei maximal 3.500 Euro. Werden bei einem Familienausflug gleich drei Fahrräder auf einmal geklaut, dann gilt ebenso die Erstattungssumme von 3.500 Euro – vermutlich viel zu wenig für einen wertvollen Fahrradfuhrpark. In diesem Fall kommen spezielle Fahrradversicherungen in Frage, siehe Abschnitt unten.

Natürlich wird auch die Hausratversicherung mit Fahrradklausel teurer. Grundsätzlich fließen in die Beitragsberechnung der Hausratversicherung die Größe der Wohnung oder des Hauses, die Bauweise, der Wert des zu versichernden Hausrats und der Wohnort ein, denn der zeigt unter anderem an, wie groß das Risiko eines Einbruchdiebstahls ist. Der Beitrag wird also immer individuell berechnet.

Wie die Versicherer den Zusatzbaustein in der Beitragsberechnung bewerten, ist zudem sehr unterschiedlich. Bei den einen steigt der Jahresbeitrag nur geringfügig an, bei anderen deutlich. Der Wert des Elektrofahrrads hat Einfluss auf den Versicherungsbeitrag. Aufgepasst: Allein ein Preisvergleich reicht nicht aus, sich für einen Anbieter und gegen einen anderen zu entscheiden. Möglicherweise bietet der teurere Tarif auch wesentlich mehr Leistungen. Sie kommen nicht umhin, diese genau zu vergleichen.

Elektrofahrräder sind oft sehr teuer. Wenn dann auch noch mehrere Familienmitglieder eines besitzen, reicht in der Regel die Erstattungssumme der Hausratversicherung nicht für eine umfassende Deckung aus. Dann kommt eher eine separate Fahrradversicherung in Frage. Ihr Leistungsspektrum ist in der Regel umfangreicher als das der Hausratversicherung.

Versichert sind nicht nur der Einbruchdiebstahl und der einfache Diebstahl, sondern meist auch Teilediebstahl (zum Beispiel Akku, Sattel, Beleuchtung) und oft auch Schäden durch Unfall, Sturz oder Vandalismus sowie Schäden an der Elektronik etwa durch Feuchtigkeit. Manche bieten auch eine Pannen- und Unfallhilfe an. Der Leistungsumfang der angebotenen Tarife variiert stark.

Die Anzahl der Anbieter spezieller Fahrradversicherungen auf dem Markt ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Neben den klassischen Versicherern Arag, WGV, Ammerländer oder Signal Iduna, werden Policen auch von spezialisierten Versicherungsmaklern angeboten, zum Beispiel von Krist oder Bike Assekuranz, dem Kooperationspartner des ADFC. Mit einer speziellen Fahrradversicherung können Sie auch ein einzelnes Fahrrad versichern.

Wichtig ist, dass Versicherungsnehmer bei diesen Preisunterschieden genau die Leistungen und die Bedingungen vergleichen:

Die Beiträge für die Tarife variieren erheblich. Einige Versicherer berücksichtigen den Wohnort und damit das Diebstahlrisiko bei der Beitragsberechnung. Beispiel: Ein 3.000 Euro teures Elektrofahrrad kostet über den Versicherungsmakler Krist ab 60 Euro im Jahr (Wohnort Frankfurt Zentrum). Der Tarif heißt Ammerländer Classic. Enthalten ist im Versicherungsschutz eine 24-Stunden-Deckung, die Neuwertentschädigung, der Diebstahl einzelner Teile, auch des Akkus und Fahrradzubehör bis insgesamt 1.000 Euro. Auch Reparaturkosten nach Stürzen und Unfällen sind versichert sowie Verschleiß des Akkus u.a.

Zum Vergleich: Bei der Arag lässt sich dasselbe Fahrrad für rund 25 Euro im Monat versichern – rund 300 Euro im Jahr. Auch hier gilt ein 24-Stunden-Schutz und auch Zubehör ist versichert. Mehr Preisbeispiele finden Sie in der folgenden Tabelle. Wissen muss man, dass die Anbieter oft verschiedene Tarife auf dem Markt haben. Sie heißen Vollkaskoschutz, Sofortschutz, manche Tarife enthalten auch noch einen Schutzbrief, der auf Reisen gute Dienste leisten kann.

Modell: Versichert wird ein Elektrofahrrad im Wert von 3.000 Euro, Jahresvertrag. War die PLZ gefragt bei der Eingabe der Parameter, wurde Frankfurt Zentrum gewählt und im Vergleich dazu ein Münchner Vorort. Gewählt wurde immer der günstigste Tarif eines Anbieters, einen Leistungsvergleich haben wir nicht durchgeführt.

Quelle: Biallo.de/Stand März 2024

Manche Versicherer oder Fahrradclubs bieten Fahrradschutzbriefe an, etwa der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) oder Verkehrsclub Deutschland (VCD). Sie funktionieren wie Schutzbriefe für Autofahrer und gewähren bei Unfall oder Diebstahl eine Pannenhilfe. So werden zum Beispiel Taxikosten oder auch Transportkosten für das Fahrrad bis zur nächsten Werkstatt übernommen oder Kosten für ein Mietrad, wenn man beispielsweise mit dem eigenen Rad auf Reisen war. Auch eine 24-Stunden-Hotline steht zur Verfügung, die Adressen von Werkstätten in der Nähe nennt.

Die Gesamtleistungen solcher Policen sind beschränkt. Ein Jahresbeitrag für VCD-Mitglieder kostet neun Euro im Jahr für die Familie, der ADFC verlangt für die Pannenhilfe Plus, die erweiterte Leistungen bietet und unter anderem auch das geografische Europa einschließt, 11,90 Euro für Mitglieder. Die einfache Pannenhilfe ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Schutzbriefe bieten aber in der Regel auch die Anbieter spezieller Fahrradversicherungen an, entweder als Extra oder integriert in den Tarif.

Wer im Straßenverkehr mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte grundsätzlich eine private Haftpflichtversicherung haben. So sind Schäden, die man anderen Personen oder dem Eigentum anderer zufügt, versichert. Etwa, wenn Sie als Radfahrer ein Auto verkratzen oder einen Unfall verursacht haben.

Eine private Haftpflichtversicherung sollte ohnehin jeder haben, nicht nur Radfahrer. Der Schutz schließt Elektrofahrräder ein und natürlich auch die Lastenrad-Variante. Versichert sind auch Schäden, die Sie mit einem Fahrrad verursachen, dass Sie betrieblich nutzen.

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