Küstenschutz Wie rettet man die Inseln vor dem Anstieg des Meeresspiegels?
Aktuell werden entlang der Nordseeküste die Deiche erhöht, um für den erwarteten Anstieg des Meeresspiegels gewappnet zu sein. Doch was ist mit den Inseln? Auch dazu gibt es schon Pläne.
Küste/Norden - Die Küstenschützer wollen die vorgelagerten Inseln künftig mit großen Mengen Sand vor dem erwarteten Meeresspiegelanstieg schützen. „Da, wo mehr Sand abgetragen wird, müssen wir zukünftig mehr Sand hineinbringen“, sagt Frank Thorenz bei einem Gespräch in seinem Büro. Er ist Leiter der Norder Betriebsstelle des niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und damit auch zuständig für den Schutz der Ostfriesischen Inseln.
„Wenn der Meeresspiegel ansteigt, wird es mehr Erosionen geben und diese Erosionen würden dazu führen, dass in Sturmfluten die Dünen auf den Inseln abbrechen“, erläutert der Küsteningenieur. Das könne man verhindern, indem man die Strände auffülle, also höher und breiter mache. Dann würden die Dünen in Sturmfluten weniger von den Wellen angegriffen. Diese Idee geht weit über die bisherigen Ausbesserungsarbeiten an den Stränden und Dünen der Inseln hinaus. Und sie erfordert sehr viel mehr Sand. Auch dafür hat der NLWKN bereits einen Plan: Er ist dabei, sich ein Gebiet weit draußen im Meer zu sichern, aus dem all der Sand bei Bedarf entnommen werden kann.
Die Gefahr
Hintergrund der Überlegungen sind die Prognosen des Weltklimarats IPCC zum Klimawandel und dem damit einhergehenden Anstieg des Meeresspiegels. Also grob gesagt: Mit den steigenden Temperaturen taut das Festlandeis ab und landet in den Meeren. Wo das wärmere Klima es zusätzlich erwärmt, so dass das Meerwasser sich ausdehnt. Insgesamt wird das Wasser der Ozeane also voraussichtlich mehr Raum einnehmen. Und mehr Landmasse überschwemmen. Unklar ist, wie schnell diese Entwicklung kommt.
Laut Weltklimarat lag der globale Meeresspiegel 2018 im Mittel um 20 Zentimeter höher als 1901. In den vergangenen Jahren habe sich der Anstieg sogar beschleunigt. Der Weltklimarat hält es für nicht ganz unwahrscheinlich, dass der Meeresspiegel je nach Entwicklung der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2100 um bis zu einen halben oder im Extremfall sogar um einen Meter steigen könnte im Vergleich zum Zeitraum 1995 bis 2014.
Das wird wahrscheinlich nicht flächendeckend gleichmäßig geschehen; nach Einschätzung von Frank Thorenz wäre die IPCC-Prognose aber in etwa auf die südliche Nordsee zu übertragen. „Unser Konzept ist, die Inseln zu erhalten“, betont der Norder Küsteningenieur. Sie seien wichtige Wirtschafts- und Tourismusstandorte und spielten mit ihrer Wellenbrecher-Funktion auch für den Schutz des Festlands eine große Rolle. Zudem sei der Schutz der Inseln auch gesetzlicher Auftrag.
Projekt „Zukunft Nordsee“
Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Zukunft Nordsee“ von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger, Borkumer Zeitung, Nordsee-Zeitung, Kreiszeitung Wesermarsch und Deutscher Presse-Agentur (DPA). In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen, die für die gesamte Küstenregion relevant sind – zum Beispiel mit dem Klimawandel, erneuerbaren Energien, der Entwicklung der Wirtschaft und dem Tourismus.