Berlin Wo ist Angela Merkel?
Die CDU fiebert ihrem großen Parteitag entgegen – und Angela Merkel? Kommt einfach nicht hin. Das wirft Fragen auf.
Gibt es für eine frühere CDU-Chefin etwas Schöneres als einen CDU-Parteitag? Vermutlich ja. Das tagelange Debattieren in fensterlosen Messehallen bei schlechtem Kaffee ist selbst für ein „political animal“ wie Angela Merkel nicht vergnügungssteuerpflichtig. Und jetzt, wo sie es sich leisten kann, geht sie eben nicht mehr hin.
Aber so einfach ist es dann doch nicht. Im Politischen ist schließlich alles politisch, auch das Fernbleiben. Wäre das Verhältnis zwischen Merkel und ihrer Partei, oder besser: zwischen Merkel und Merz, ein anderes, würde ihr Fehlen vielleicht einfach nur zur Kenntnis genommen. So aber sorgt es für Geraune. Ist sie beleidigt? Fürchtet sie Kritik? Ist es wegen Merz?
Aufschlussreich ist, wo sie in nächster Zeit präsent ist. In der nächsten Sitzungswoche wird Merkel bei der Konkurrenz auftreten. Sie hält für Grünen-Urgestein Jürgen Trittin die Abschiedsrede in der Grünen-Bundestagsfraktion. Ausgerechnet für Trittin! Als Merz von den Grünen als Hauptgegner sprach, dachte er mit Sicherheit an ihn. Ende des Monats wird sie außerdem eine Laudatio auf den Schauspieler Ulrich Matthes halten. Das ist ihr offenbar wichtig. Wichtiger als die CDU, möchte man anfügen.
Es ist also nicht so, dass Merkel öffentliche Auftritte grundsätzlich meidet. Bange blicken sie in ihrer Partei deshalb ihrem 70. Geburtstag im Juli entgegen. Müsste man da nicht was machen? Was wäre wieder los, wenn nicht? Und dann ist da noch ein anderer Termin im Herbst, dem man in der CDU mit gemischten Gefühlen entgegensieht. Merkel wird ihr Buch mit ihren Memoiren veröffentlichen.
Wahrscheinlich beugt sie sich über die letzten Korrekturen, während sich die Delegierten beim Parteitag über das neue Grundsatzprogramm beugen. Es erscheint ausgerechnet dann, wenn die Partei womöglich Friedrich Merz zu ihrem Kanzlerkandidaten ausruft. Jenen Mann, dessen politische Karriere sie 2002 jäh beendete und dessen Comeback sie verhindern wollte. Merkel hatte schon immer ein gutes Gespür fürs Timing. Sie ist noch da und setzt ihre Botschaften – auch wenn sie nicht kommt.