Auricher Altstadtsanierung Kampf um Parkplätze prägt die Diskussion
Beim Thema Parkplätze ist der Auricher Rat gespalten. Das zeigt sich besonders an der Diskussion über den Georgswall.
Aurich - Verändert hat sich die Stadt Aurich in den vergangenen Jahren. Im Zuge der Altstadtsanierung wurden Straßen saniert, Parkplätze neu angelegt, Hoher Wall und Nürnburger Wall renoviert. Sogar die Fußgängerzone konnte noch saniert werden, obgleich das zwischenzeitlich mehr als fraglich war. Nicht vollendet werden konnte die Sanierung des Georgswalls. Der nördliche Bereich sieht immer noch so aus wie vor dem Beginn der Altstadtsanierung. Und daran wird sich wohl so schnell auch nichts ändern, obwohl es ein beschlossenes Konzept gibt. Demnach würde der Bereich in eine Fußgängerzone umgewandelt. Doch der Stadtrat mag seinen eigenen Beschluss wegen der Parkplätze nicht mehr.
Beim Thema „Parkplätze“ hört der Spaß im Auricher Rat auf. Dann wird verbissen um jeden einzelnen Stellplatz gekämpft. Dabei will die eine Hälfte des Rates möglichst viel Platz für Fußgänger und Radfahrer schaffen. Die andere Hälfte will möglichst viel Fläche für parkende Autos reservieren.
Geplante Stellplätze wurden nicht gebaut
Deutlich wird das seit Beginn der Altstadtsanierung vor vielen Jahren am Beispiel Georgswall. Zum wiederholten Mal wurde die Straße nun wieder im Bau- und Sanierungsausschuss der Stadt diskutiert. Denn geht es nach den gültigen, über zehn Jahre alten Beschlüssen, müsste der nördliche Bereich des Georgswalls in eine Fußgängerzone umgewandelt werden.
Dagegen wehrte sich im Ausschuss zum Beispiel Bodo Bargmann (CDU). „Die alte Ideologie hat sich überlebt.“ Die Stadt brauche zwingend die Befahrbarkeit auf dem Georgswall. Zu viele Stellplätze seien im Zuge der Sanierung weggefallen, zu viele seien nicht entstanden, obwohl sie vorgesehen waren. Als Beispiel nannte Bargmann 65 Stellplätze, die im Bereich der alten Post in der Burgstraße nicht gebaut wurden. Dort hat das Hotel am Schloss seine damals „Bettenhaus“ genannte Schlossresidenz errichtet. „Und wir haben nur 623 öffentliche Stellplätze in der Innenstadt.“
Linke: Es gibt ausreichend Stellplätze
Auch Richard Rokicki (AWG) hatte eine klare Meinung zu Stellplätzen. „Jeder neue Parkplatz ist ein Gewinn für die Kaufleute.“ Der Georgswall dürfe keine Flaniermeile werden. „Wir haben schon Mühe, eine Fußgängerzone am Leben zu erhalten.“ Die 81 Parkplätze am Georgswall würden als Stellplätze für Autos in der zweiten Reihe der Auricher Fußgängerzone benötigt.
Eine Ansicht, die Gila Altmann (Grüne) nicht nachvollziehen konnte. „Das Gebiet liegt zwischen zwei Tiefgaragen. Wir reden nicht über einen Mangel an Parkplätzen.“ Sie erinnerte daran, dass in der Fußgängerzone derzeit viele Geschäfte trotz der vorhandenen Stellplätze leer stehen würden. Auch der Anblick der Fahrzeuge sei nicht nett. „Ein schönes Auto kann ein Wohnhaus nicht ersetzen.“
Stadtplaner: Georgswall wäre nie Fußgängerzone geworden
Auch Hendrik Siebolds plädierte dafür, die Stellplätze auf dem Georgswall abzuschaffen. Zwei Gutachten hätten belegt, dass es in Aurich eine hervorragende Parksituation gebe. Dennoch werde seit 70 Jahren an der autogerechten Stadt festgehalten. „Andere Städte sind da schon auf Umkehrkurs.“
Gefährlich sei vor allem der Parksuchverkehr, den man in der gesamten Innenstadt beobachten könne. Den Georgswall könne man sofort in der Mitte schließen. Es wäre eine Bereicherung für die Stadt, für Fußgänger, Radfahrer und Anwohner des Georgswalls.
Stadtplaner Mirko Wento deutete an, dass die ursprünglichen Beschlüsse einer Flaniermeile so nicht umsetzbar seien. „Der Georgswall wäre nie eine richtige Fußgängerzone geworden.“ Denn Anwohner sowie der Lieferverkehr müssten weiterhin dort entlangfahren können.
45 neue Stellplätze am östlichen Georgswall
Er sieht die Achse Innenstadt-Carolinenhof dennoch nach der Altstadtsanierung gestärkt. Denn die Passagen, allen voran Carolinengang und Marktpassage, seien saniert worden. Die Rathauspassage solle noch folgen. Darüber hinaus solle versucht werden, den Fußgängern auf dem Georgswall mehr Raum zu geben. Denn an beiden Enden fehlen bislang Fußwege. Entfallen wird jedoch die Baumreihe, die an der Nordseite des Georgswalls gepflanzt werden sollte. Denn mittlerweile hätten Versorger dort Leitungen verlegt. Immerhin, so Wento, sollen noch einzelne Bäume gepflanzt werden. „So viele wie möglich.“
Zunächst aber werden neue Parkplätze angelegt. Diese entstehen auf dem östlichen Ende, hinter der künftigen Kunstschule. Dort sollte eigentlich ein Parkhaus gebaut werden. Diese Pläne sind aber vom Tisch. Stattdessen werden 45 ebenerdige Stellplätze angelegt. Laut Wento ist nicht entschieden, ob dieser neue Parkplatz dauerhaft bestehen bleiben wird. Er werde aber zunächst benötigt, damit der Grundstücksnachbar seine Bauarbeiten durchführen könne. Wenn diese abgeschlossen seien, könnte man die Fläche auch anders entwickeln.