Aktionen in der Innenstadt  Wo in der Auricher Fußgängerzone am Sonnabend Sektkorken knallen

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 17.05.2024 17:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wie auf diesem Symbolbild wird auch am Sonnabend in Aurich die ein oder andere Flasche geköpft. Foto: dpa/Kumm
Wie auf diesem Symbolbild wird auch am Sonnabend in Aurich die ein oder andere Flasche geköpft. Foto: dpa/Kumm
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Pfingstsonnabend wird in der Auricher Fußgängerzone deren Fertigstellung gefeiert. Nicht alle Kaufleute können sich daran so beteiligen, wie sie vielleicht wollten.

Aurich - Feiern und ausgelassen sein − endlich! Nach mehr als zweijähriger Bauzeit der vor einigen Wochen fertiggestellten Fußgängerzone wollen die Stadt Aurich und der Kaufmännische Verein (KV) am Sonnabend, 18. Mai, eine „Riesensause“ auf die Beine stellen, ein feines Programm mit Walking Acts, Musik, Shows und mehr. Die Verwaltung hat sich einiges einfallen lassen, um für Kurzweil zu sorgen. Doch inwieweit begreifen die Geschäftsleute die Feier auch als ihr Fest? Inwiefern haben sie Lust darauf, etwas auszuhecken und die Kunden zu unterhalten oder zu überraschen? Und vor allen Dingen: Haben sie nach den kraftzehrenden Corona-Jahren und dem Kundenschwund infolge der Bauarbeiten noch Ressourcen, um etwas auf die Beine zu stellen? Die Redaktion hat mit fast 20 Geschäftsleuten gesprochen, darunter auch mit denen in der Norderstraße, die nur mittelbar von der sanierten Fußgängerzone profitieren.

Das Motivationsteam

Im Vorfeld hat der KV das direkte Gespräch mit den Händlern in der Innenstadt gesucht. Heida Haltermann, Inhaberin des Modehauses Silomon, und Optikmeisterin Elke Lenk, sind vor einigen Wochen von Geschäft zu Geschäft gezogen. Die beiden Mitglieder des KV-Vorstands haben darum geworben, dass jeder am kommenden Sonnabend bis 17 Uhr seinen Laden geöffnet halten möge. „Das haben auch die meisten Geschäfte zugesichert“, sagt Heida Haltermann. Außerdem habe man darauf hingewiesen, dass jeder die Möglichkeit habe, eine besondere Aktion mit seinen Mitarbeitern zu initiieren, um ein lebendiges und buntes Bild in der Innenstadt zu schaffen. „Wenn wir nicht aktiv sind, wer soll es dann sonst sein?“, stellt die Silomon-Geschäftsführerin eine rhetorische Frage. „Wir müssen doch Präsenz zeigen, wenn die Kunden da sind.“ In den Gesprächen habe sie erlebt, dass besonders die jungen Kaufleute diese Botschaft sofort aufgenommen hätten.

Die Vergangenheit

Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) wollte, als er „ein großes Fest“ nach der Fußgängerzonensanierung im Herbst vergangenen Jahres angekündigt hatte, den Kaufleuten „eine Art Entschädigung“ für die Unbilden bieten, die sie während der Arbeiten durch Lärm, Dreck und sinkende Kundenzahlen auf sich nehmen mussten. Die Kaufleute sollten in die Projektierung der Feier einbezogen werden. Wiederholt wurde auch an das Ende der vorherigen Fußgängerzonensanierung 1974/75 erinnert. Damals hatte es unter der Beteiligung vieler Vereine und Gruppen ein offenbar rauschendes Fest gegeben. Mancher Kaufmann hat dabei seine Qualitäten als Kneipier entdeckt, weil er stundenlang Bier zapfen musste.

Die Gegenwart

Bei dem Fest am Sonnabend dürfte die Beteiligung der Geschäftsleute etwas dünner ausfallen. Das hat eine Umfrage der Redaktion ergeben. Ein Grund dafür ist sicher, dass etliche Geschäfte in der Innenstadt nicht mehr inhabergeführt sind, sondern Filialen national operierender Ketten sind. Im Übrigen kämpfen viele Kaufleute gegen große Personalnot an. Jochen Jakobs etwa, der in der Burgstraße einen Blumen- und Pflanzenhandel betreibt. Zudem führt er noch ein Geschäft in Holtrop und ist auf vielen Pflanzenmärkten unterwegs. An dem Pfingstsonnabend habe er nur eine Angestellte für das Auricher Geschäft zur Verfügung, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Deshalb werde er auch um 15 Uhr schließen. Eine besondere Aktion habe er sich nicht ausgedacht. Personalnot zwingt auch Almuth Maaß von der gleichnamigen Drogerie in der Osterstraße dazu, mit ihren Kräften zu haushalten: „Ich bin alleine, deshalb kann ich vor dem Geschäft auch keinen Ausschank oder ähnliches machen“, sagt sie. Dass gefeiert werde, begrüße sie sehr, auch wenn das Fest nicht die Verluste ausgleichen könne, die sie in den vergangenen Jahren durch die Einschränkungen davongetragen habe.

Melina Berg sorgt auf ihre Weise dafür, dass die Fußgängerzone schön aussieht. Die Street-Artistin aus Detmold gestaltet ein 3D-Motiv auf dem Pflaster. Foto: Boschbach
Melina Berg sorgt auf ihre Weise dafür, dass die Fußgängerzone schön aussieht. Die Street-Artistin aus Detmold gestaltet ein 3D-Motiv auf dem Pflaster. Foto: Boschbach

Wer Programm macht

Das Modehaus Silomon in der Burgstraße 2 bis 8 empfängt seine Gäste am Sonnabend mit einer Cocktailbar vor der Tür. „Wir haben einen Barkeeper engagiert, der aus Spirituosen schöne Drinks mixt“, sagt Heida Haltermann. Erfrischungen gibt es auch in der Teemanufaktur in der Burgstraße 33. Dort können Kunden einen mit Sekt aufgefüllten Eistee verkosten, der gerade erst auf den Markt gekommen ist und mit Erdbeer- und Aprikosenaromen spielt. Naturgemäß eher in die gesundheitsbewusste Richtung geht das, was die Drogerie Grotheer in der Burgstraße 46 anbietet: Inhaber Arnt Grotheer kredenzt ein Getränk, das den Stoffwechsel in Schwung bringen soll. Das Naturwarenhaus „Das Einhorn“ hat sich sowohl Überraschungen für Kinder als auch für Erwachsene einfallen lassen: „Die Kleinen dürfen sich über verschiedene Give-Aways freuen“, sagt Inhaberin Raoni Aili Issac. Alexandra Schneemilch managt gleich zwei Geschäfte, nämlich die Papeterie Abegg und das Taschen- und Reisekoffergeschäft Abag. Dort gibt es unter anderem einen Flohmarkt vor der Ladentür und eine Verlosung. An eine Bewirtung der Gäste sei auch gedacht, sagt Alexandra Schneemilch. Für sie sei es selbstverständlich, sich an dem Fest zu beteiligen: „Ich finde, dass jeder ein Quentchen zum Gelingen beitragen sollte“, sagt die Geschäftsfrau.

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