Fußgängerzone in Aurich Beste Feierstimmung nach langer Zeit der Entbehrung
Bei schönstem Frühsommerwetter wurde die erneuerte Auricher Fußgängerzone am Sonnabendvormittag offiziell eröffnet. Bürgermeister und Kaufleute sind trotz „OP am offenen Herzen“ sehr zufrieden.
Aurich - Es waren „zwei Jahre der Entbehrung“, das räumte der Bürgermeister am Sonnabendvormittag am Auricher Burgtor ganz offen ein. Kaufleute und Bürger mussten viel Staub und Lärm ertragen, weil die Fußgängerzone komplett erneuert wurde. Und das direkt nach der ohnehin schon sehr schwierigen Corona-Zeit, so Horst Feddermann.
Doch am Sonnabend waren sich anlässlich der feierlichen Eröffnung bei schönstem Frühsommerwetter alle einig, dass es sich gelohnt hat. Seit dem Baustart am 18. Juli 2022 wurden 550 Meter Strecke erneuert, 5000 Kubikmeter Sand und Schotter eingebaut, 5000 Meter Leitungen verlegt und 6200 Quadratmeter Steine verlegt. Um die Besucher der Innenstadt und der Geschäfte trotzdem trockenen Fußes durch die Baustelle gelangen zu lassen, wurden 3,5 Kilometer roter Teppich ausgelegt.
Dank an Kaufleute und Bürger
Und: Bei 22.000 Arbeitsstunden der Baufirma Strabag gab es keinen Arbeitsunfall. Zwei Besucher seien zwar über Kanten gestürzt. „Aber für so eine große Maßnahme ist es insgesamt gut gelaufen“, so das Fazit des Bürgermeisters. Er zitierte, wie bei solchen Baumaßnahmen nicht unüblich, das alte ostfriesische Sprichwort „Mutt eerst mall worden, ehrdat dat mooi word.“ Feddermann dankte Kaufleuten und Bürgern für ihre Geduld – und Land, Bund und EU für die Fördergelder, ohne die das Großprojekt nicht möglich gewesen wäre.
Der Bürgermeister erinnerte daran, dass die Auricher Fußgängerzone bei ihrer Eröffnung 1975 „eine der ersten ihrer Art“ gewesen sei. „Fußgängerzonen sind weit mehr als Ansammlungen von Geschäften und Büros. Sie sind Orte des Austauschs, zum Leben und Feiern und auch kultureller Zentren.“
Trotz des zunehmenden Onlinehandels: „Nichts kann die direkte Interaktion ersetzen. Eine starke und lebendige Innenstadt ist essenziell“, so Feddermann. Gleichwohl müssten Politik, Verwaltung und Kaufleute gemeinsam neue, innovative Konzepte entwickeln, so Feddermanns Blick in die Zukunft.
Haltermann: „Fußgängerzone hat kein Stück Gemütlichkeit eingebüßt“
Daran knüpfte Heida Haltermann (Silomon) vom Vorstand des Kaufmännischen Vereins in einer durchaus emotionalen Rede an. „Die Fußgängerzone ist wirklich wunderschön geworden. Mir geht das Herz über. Es ist eine wunderbare Stimmung. Aurich ist voller Energie, das spüren wir heute.“ Sie dankte dem Rat für „weitsichtige Entscheidungen“. Besonders gefielen ihr die „Sauberkeit und Ordnung“ der sanierten Fußgängerzone, aber auch die regionalen Anspielungen, wie Fahrradständer mit dem Aurich-A. „Es sind die Kleinigkeiten, die das große Ganze ausmachen“, so Haltermann.
Die Gestaltung sei „stilistisch auf der Höhe der Zeit, aber trotzdem keinen Moden unterworfen“. Die Fußgängerzone habe „kein Stück Gemütlichkeit eingebüßt“. Sie sei, wie vor 50 Jahren schon, ein sehr emotionaler Ort. Sie schaffe Erinnerungen, etwa an das erste Eis im Frühling, an den ersten heimliche Kuss. „Hier entwickeln sich Ideen, hier begegnen sich Menschen.“ Der Slogan, den ihr Vater Wolfgang Mönkemeier seinerzeit immer nannte, nämlich „Einkaufen, bummeln, Freunde treffen“, gelte auch heute noch bei ihren Kindern. Die Fußgängerzone sei das Herz der Stadt. Sie werde aber nie fertig sein. „Wir brauchen Mut zu einer einfühlsamen, vorausschauenden Veränderung“, so Heida Haltermann.
Prokurist von Strabag: „Es war eine OP am offenen Herzen“
Aus Sicht der Baufirma Strabag erinnerte Prokurist Hilko Kruse-Edenhuizen daran: „Uns war klar, dass das eine Operation am offenen Herzen der Innenstadt wird.“ Aber: Man sei als Firma in Aurich beheimatet, viele Mitarbeiter kauften selber in der Innenstadt ein. Deshalb habe man entschieden, sich um den Auftrag zu bewerben.
„Wir wurden anfangs kritisch beäugt, aber mit der Zeit kam das Vertrauen. Als man sah, wie schön es wird, änderte sich die Stimmung“, so Kruse-Edenhuizen. Dazu habe die gute Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt der Stadt um Bernd Ewerth und Tanja Ahrens und dem eingerichteten Baubüro beigetragen.
In der gesamten Auricher Innenstadt gibt es am Sonnabend, 18. Mai, ein großes Festprogramm zur Fußgängerzone, das noch bis zum Abend läuft. Mit dabei sind unter anderem „Walking acts“, Livemusik, zahlreiche weiteren Aktionen und das ON-Glückrad mit „Selfie Point“. Anschließend geht es ab 19 Uhr nahtlos mit der „Stadtnacht“ auf dem Marktplatz weiter.