Berlin  Monika Schnitzer hat das Problem mit der Rente richtig erkannt, aber falsch gelöst

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 20.05.2024 14:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wirtschaftsweise Monika Schnitzer will die Rente reformieren. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Wirtschaftsweise Monika Schnitzer will die Rente reformieren. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
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Wirtschaftsweise Monika Schnitzer fordert die Bundesregierung zur Rentenreform auf. Für die Rentner im Land wären ihre Pläne nicht besonders angenehm. Wie wir die Rente stattdessen retten können.

Auf den ersten Blick wirken die Forderungen der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer technokratisch: Die Rente soll an die Inflation gekoppelt werden, statt an die Entwicklung der Löhne. Außerdem will sie, dass nur noch Geringverdiener die sogenannte „Rente mit 63“ in Anspruch nehmen können. Doch was hinter ihren Vorschlägen steckt, zeigt ein weiteres Zitat von ihr: „Wir können es uns nicht leisten, einfach die Renten weiter so steigen zu lassen wie bisher“. 

Ohne Frage: In den letzten zwei Jahren hätte eine Inflationskoppelung ein saftiges Plus für Rentner bedeutet. In Zeiten mit normaler Inflation würde das aber zu geringeren Rentensteigerungen führen. Denn Löhne steigen in Deutschland historisch betrachtet schneller als die Inflation. Im Vergleich zum Rest der Bevölkerung würden Rentner also über die Zeit ärmer werden. Das würde zum Beispiel die Armutsquote steigern.

Auch Schnitzers Vorschläge zur sogenannten „Rente mit 63“ sind ungerecht. Sie ermöglicht es nach 45 Beitragsjahren zwei Jahre früher in Rente zu gehen, ohne Abschläge in Kauf nehmen zu müssen. Viele müssen das auch. Wer körperlich hart arbeitet, hält das nicht beliebig lange durch. Da ist auch egal, wie viel er verdient. Und überhaupt: Um rechtzeitig auf genug Beitragsjahre zu kommen, muss man schon als Teenager anfangen. Wer so lange durchgängig einzahlt, hat sich zwei Extrajahre im Ruhestand verdient. 

Auch wenn ihre Lösungen in die falsche Richtung gehen: Schnitzer hat das Problem richtig erkannt. Die Bevölkerung wird älter und immer mehr Rentner kommen auf immer weniger Beitragszahler. Reformen sind also unverzichtbar. Doch in der öffentlichen Debatte zu dem Thema geht es hauptsächlich um die Ausgaben der Rentenkasse. Über die Einnahmen wird zu wenig diskutiert.

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, sie aufzubessern: Etwa indem man alle Erwerbstätigen verpflichtend in die Rentenkasse aufnimmt und arbeitsfähigen Migranten den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert.

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