Von Abwehrchef bis Angriffstrio Fünf besondere Gesichter von Meister Kickers Emden
Bei Kickers Emden stachen aus einer überragend agierenden Mannschaft nochmals Spieler heraus. Wer das ist und was sie so besonders macht.
Emden - Eine meisterliche Saison hat Kickers Emden in der Fußball-Oberliga mit dem Titel gekrönt. Wir haben uns fünf Spieler rausgepickt, die aus einer überragenden Mannschaft herausgestochen sind.
Der Ruhepol: Fabian Herbst
Seine Nachverpflichtung als Reaktion auf den Kreuzbandriss von Efkan Erdogan entpuppte sich als einen absoluter Glücksgriff. Trotz seines jungen Alters – am ersten Tag der Mallorca-Meisterfahrt feierte er seinen 24. Geburtstag – schwang sich der Oldenburger Lehramtsstudent zum Emder Abwehrchef auf. Auf dem Rasen ebenso abgeklärt wie bei Interviews direkt nach dem Spiel.
Gemeinsam mit Marvin Eilerts bildete Herbst ein zuverlässiges Innenverteidiger-Duo. Dieses hatte großen Anteil daran, dass Kickers die mit Abstand beste Defensive der Liga stellte. Nur selten lösten Eilerts und Herbst Situationen mit einem Foul, wovon auch die wenigen Gelben Karten zeugen. Herbst sah lediglich zweimal einen Karton, Eilerts eigentlich viermal, wobei eine Gelbe Karte (beim Spiel in Rehden) vom Schiedsrichter irrtümlich Mitspieler Andre N’Diaye gegeben wurde.
Vorne bewies sich Fabian Herbst bei Standards als torgefährlich. Sechs Saisontore sind für einen Verteidiger ein starker Wert. Herbst belegt im internen Torjäger-Ranking Platz fünf hinter dem Stamm-Offensivquartett.
Der Gute-Laune-Stratege: Janek Siderkiewicz
Der Mittelfeldakteur erkämpfte sich als einziger Spieler, der von einem klassentieferen Team (Landesligist Hansa Friesoythe) kam, einen Stammplatz. Auch nach einer Schulterverletzung spielte er sich zurück in die erste Elf. Siderkiewicz präsentierte sich enorm bissig im Zweikampfverhalten und glänzte immer wieder mit tollen Zuspielen hinter die Abwehrkette. Gemeinsam mit Kai Kaissis bildete „Sido“, wie Siderkiewicz im Team genannt wird, eine laufstarke Doppelsechs, die als Schaltzentrale zwischen Offensive und Defensive für eine Menge Stabilität sorgte.
Das Toreschießen ist beileibe nicht die Hauptaufgabe der beiden. Je ein eigenes Tor ist allerdings doch etwas mickrig. Fast hätte der gebürtige Idafehner Siderkiewicz die Saison komplett ohne eigenes Tor beendet – doch am letzten Spieltag segelte eine Flanke von ihm ins Tor.
Mit seiner Glatzenrasur sorgte Siderkiewicz für den Lacher schlechthin nach der in Egestorf perfekt gemachten Meisterschaft. Noch auf dem Rasen ließ er sich von Mitspieler Tobias Steffen die Haare abrasieren. Es war ein eingelöstes und nach dem etwas verpatzten Saisonstart gegebenes Versprechen.
Der Zauberfuß: Tobias Steffen
Die Schusstechnik des gebürtigen Leeraners sucht seinesgleichen. Sage und schreibe 19 Treffer gelangen dem 31-jährigen Mittelfeldspieler. Für ihn ist das eine persönliche Bestleistung. Zweistellig traf er bislang zuvor einmal (Saison 2017/18 für den SV Rödinghausen). Dazu sei aber gesagt, dass Steffen so klassentief spielte wie noch nie. In seiner Vita stehen sogar zwei Europa-League-Einsätze für Bayer Leverkusen und Zweitliga-Partien für Energie Cottbus.
Die meiste Zeit seiner Karriere verbrachte Steffen aber in der Viertklassigkeit. Der Zauberfuß bestritt mehr als 200 Regionalliga-Spiele, in der kommenden Saison kommen weitere dazu.
Steffen ist der Standardspezialist im Kickers-Team. Ecken und Freistoße zieht er hart in die gefährliche Zone, bereitete so einige Treffer auf. Ob aus 16 oder 35 Metern: Gerne schießt der einstige U-Nationalspieler einen Freistoß auch direkt auf Tor. Sechs Freistoßtore sind ein bemerkenswerter Wert. In der Defensivarbeit ist Steffen nicht der stärkste, die Kraft hebt er sich für die besonderen Momente auf.
Das Einwurfmonster: David Schiller
Der Angreifer gehörte zu den prägendsten Figuren der Emder Meistermannschaft. Von Oberliga-Absteiger Papenburg gekommen, untermauerte der 25-Jährige seine Startelf-Ambitionen mit einer starken Vorbereitung. Er setzte sich gegen die jüngere Konkurrenz durch und spielte sich neben Tido Steffens im Sturm fest.
Seine weiten Einwürfe sind eine Waffe, als kopfballstarker Zielspieler ist er ein wichtiger Faktor im Emder Spiel. Zudem zeigte sich Schiller selbst ungemein treffsicher, erzielte 19 Tore selbst und war darüber hinaus mit 15 Assists der beste Vorlagengeber im Emder Team.
Nach Siegen schnappte sich Schiller sich oft das Megafon und gab den Humba-Vorsänger. Auch auf der Abschlussfahrt auf Mallorca – es war sein erster Besuch am Ballermann – ging Schiller voran, war nach Aussage von Kapitän Bastian Dassel der Emder Party-König.
Der Toptorjäger: Tido Steffens
Der Mann aus Großheide mausert sich immer mehr zu einer lebenden Legende bei Kickers Emden. Im Sommer 2013 kam er aus der eigenen Jugend, hält seitdem dem BSV die Treue und zählt Jahr für Jahr zu den besten Akteuren der Mannschaft.
Mit 26 Toren wurde er nun Torschützenkönig der Oberliga. Doch der Wert von Steffens für die Mannschaft geht weit über die eigenen Treffer hinaus. Der 29-Jährige ist ein nimmermüder Arbeiter in vorderster Linie, führt unzählige Zweikämpfe und ist extrem ballsicher. Das und sein bodenständiges, sympathisches Auftreten bescheren ihm ein hohes Ansehen, nicht nur im eigenen Team.
In dieser Saison war er der Dauerbrenner schlechthin in der Kickers-Mannschaft. Er bestritt 33 von 34 möglichen Oberliga-Spielen und kommt auf fast 3000 Spielminuten – fast 400 mehr als der Zweite in dieser Kategorie, Fabian Herbst.