Leichtathletik  Ostfriese freut sich auf Baby und Olympia-Start

| | 28.05.2024 18:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der große Wurf gelang Henrik Janssen vor einer Woche. Da bestätigte er mit 67,43 Metern, dass er weiterhin einen Platz im Nationalteam verdient. Foto: Imago
Der große Wurf gelang Henrik Janssen vor einer Woche. Da bestätigte er mit 67,43 Metern, dass er weiterhin einen Platz im Nationalteam verdient. Foto: Imago
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Der in Norden aufgewachsene Henrik Janssen zeigt derzeit überragende Leistungen und siegte kürzlich gegen Weltklassgegner. Bei der EM in zwei Wochen in Rom droht ihm ein Terminproblem.

Magdeburg/Norden - Wenn alles normal läuft, dann steht Diskuswerfer Henrik Janssen ein derart aufregender Sommer 2024 bevor, dass er ihn niemals im Leben vergessen wird. Der Start bei der Europameisterschaft in Rom (7. bis 12. Juni) steht für den Norder, der nun in Magdeburg lebt, unmittelbar bevor. Allerdings steckt er in gewisser Hinsicht in Terminnot. Denn seine Frau Maria erwartet parallel zur EM das erste Janssen-Baby. Der errechnete Termin ist der 10. Juni. Und kurz nach diesen Großereignissen könnte für den Ostfriesen der Traum eines jeden Sportlers in Erfüllung gehen: der Start bei den Olympischen Spielen.

Die Voraussetzungen für das Weltereignis in Paris hat er vor einer Woche beim Wurfcup in Neubrandenburg geschaffen. Dort segelte die Scheibe von Henrik Janssen jedenfalls ganz deutlich Richtung Paris. Mit einer Weite von 67,43 Metern übertraf er die Olympia-Qualifikationsweite von 67,20 Metern. „Das war zugleich meine persönliche Bestweite“, freut sich der 26-Jährige über seine nächste Steigerung. „Es läuft bei mir wirklich ganz gut im Moment.“

Olympia so gut wie sicher

Das bewies er drei Tage nach gemeisterter Olympianorm bei den Halleschen Werfertagen. In einem Feld mit Weltklasseathleten feierte Henrik Janssen mit 66,35 Metern den vielleicht wertvollsten Sieg seiner Karriere. Er verwies in Halle den Jamaikaner Fedrick Dacres (Vizeweltmeister 2019 und WM-Fünfter 2023) auf Rang zwei. Zudem ließ er den Schweden Simon Petersson (Olympia-Silber 2021), den Australier Matthew Denny (4. bei Olympia 2021 und 4. der WM 2023) und seinen Trainingskameraden Clemens Prüfer vom SC Potsdam hinter sich.

Henrik Janssen blickt zur EM im Juni und hat die Geburt seines Kindes im Hinterkopf. Foto: DPA
Henrik Janssen blickt zur EM im Juni und hat die Geburt seines Kindes im Hinterkopf. Foto: DPA

Prüfer zeigt sich derzeit ebenso wie Janssen in brillanter Form und warf den Diskus ein paar Tage zuvor in Neubrandenburg auf die Weltklasseweite von 69,09 Meter. Als dritter Deutscher hat Nachwuchsmann Mika Sosna (Bergedorf) die Olympia-Norm erfüllt. Dieses Trio wird aller Voraussicht nach Deutschland bei Olympia vertreten. „Aber man weiß nie, ob nicht doch noch ein anderer die 67,20 Meter übertrifft“, setzt Janssen noch ein Mini-Fragezeichen hinter die Paris-Reise. Denn nur drei deutsche Athleten dürfen dort in den Wurfring steigen. Falls vier oder gar fünf Diskuswerfer die Norm erfüllen, muss die Verbandsspitze über die Olympia-Tickets entscheiden. Für die EM ist das vermutliche Olympia-Trio schon fest nominiert.

EM kollidiert mit Geburtstermin

Henrik Janssen muss in Rom das Kunststück vollbringen, sich ganz auf den Wettkampf zu konzentrieren und erst hinterher wieder an das Babyglück zu denken. Am besten wäre es, wenn sich der Nachwuchs - es soll ein Mädchen werden - an den veranschlagten Termin halten würde. Am 7. kämpfen die starken Männer in Rom um die Medaillen. „Am 8. Juni würde ich zurückfliegen“, sagt der werdende Vater. „Das ist mit dem Bundestrainer schon so abgesprochen.“ Und wenn alles exakt nach Plan läuft, könnte der 26-Jährige dann in Magdeburg die Geburt miterleben.

Wenn das kleine Mädchen aber ein paar Tage früher auf die Welt drängt, steckt der Athlet in einem Dilemma. „Aber der Sport ist mein Beruf. Ich kann die EM nicht sausen lassen“, sagt der Bundespolizist mit den Profi-Privilegien. Auch für diesen Fall sei alles mit der Hebamme und seiner Frau abgesprochen.

Sonntag Start bei Diamond League

So ist dem Paar aus Ostfriesland zu wünschen, dass es der neue Erdenbürger nicht zu eilig hat. Auch das kommende Wochenende wäre kein perfekter Termin. Denn nach seinem grandiosen Sieg in Halle erfuhr Henrik Janssen am Montag über seine Managerin von einer ehrenvollen Einladung. „Ich darf am Sonntag bei der Diamond League in Stockholm starten.“

Für die weltgrößte Wettkampfserie der Leichtathletik gibt es pro Ort nur acht Plätze für die Diskuswerfer zu vergeben und ordentlich Preisgeld zu gewinnen (10.000 Euro für den Sieger). Henrik Janssen gehört dort zum illustren Teilnehmerkreis und kann sich schon mal mit möglichen Gegnern bei der EM und vermutlich bei Olympia messen.

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