Osnabrück  Schwanger von einem 13-Jährigen: Warum Franca-Maria Zander „May December“ empfiehlt

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 29.05.2024 14:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Franca-Maria Zander vom Cinema Arthouse hat den Film „May December“ bereits in der Sneak Preview gesehen. Foto: Frank Jürgens
Franca-Maria Zander vom Cinema Arthouse hat den Film „May December“ bereits in der Sneak Preview gesehen. Foto: Frank Jürgens
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Dieser Film dreht sich um die Folgen einer unmöglichen Liebe zwischen einer Lehrerin und ihrem fast noch kindlichen Schüler. Lesen Sie hier, warum Franca Maria Zander vom Cinema Arthouse in Osnabrück den Film „May December“ empfiehlt.

Vier Neustarts gibt es an diesem Donnerstag in den Osnabrücker Kinos, ein Umweltthriller ist dabei und auch ein Horrorfilm. Die Romanze „May December“ hebt sich ab. Franca Maria Zander vom Cinema Arthouse hat der Film auf Anhieb gefallen.

Frage: Frau Zander, diese Woche starten vier neue Filme in den Osnabrücker Kinos. Welcher Film ist denn Ihr Film der Woche?

Antwort: Mein Film der Woche ist „May December“ mit der Starbesetzung Julianne Moore und Natalie Portman.

Frage: „May December“ - wofür steht denn der Titel?

Antwort: Das habe ich mich zuerst auch gefragt, zumal das im Film gar nicht aufgegriffen wurde. Aber dann habe ich gegoogelt und erfahren, dass der Titel umgangssprachlich für eine Romanze zweier Menschen steht, die einen großen Altersunterschied haben.

Frage: Das Klischee „alter Mann trifft junge Frau“?

Antwort: Nein, das ist hier umgekehrt! Es geht um eine Lehrerin, gespielt von Julianne Moore, die im Film als 36-jährige Jahre eine Affäre mit einem 13-jährigen Jungen hatte.

Frage: Wie bitte?

Antwort: Ja. Der Film spielt dann Jahre später zu einer Zeit, als der ehemalige Junge selber 36 Jahre alt ist. Natalie Portman spielt hier nun eine Schauspielerin, die die Lehrerin in einem Film porträtieren möchte und sich deswegen mit der Lehrerin und ihrer Familie trifft, um sie kennenzulernen.

Frage: Die Lehrerin hatte vorher auch im Knast gesessen wegen ihrer Affäre?

Antwort: Genau. Sie hatte von dem 13-jährigen Kinder bekommen, Zwillinge...

Frage: Von dem 13-jährigen?

Antwort: Ja, das ist ein sehr krasses Thema in dem Film und wird auch ziemlich gut dargestellt und hat einen richtigen Gänsehaut-Effekt.

Frage: Wie wird denn die Lehrerin in dem Film charakterisiert? Als böse, egoistisch, negativ?

Antwort: Eigentlich als starke Frau, die aber auch nicht einsieht, da früher einen Fehler gemacht zu haben. Sie wirkt glücklich mit ihrem Mann, dem ehemaligen Schüler.

Frage: Und wie wird ihr Mann, der Ex-Schüler charakterisiert?

Antwort: Das ist sehr schwierig. Auf mich wirkt er so, als wenn er ein riesiges Trauma mit sich herumschleppt. Er wirkt als 36-jähriger immer noch wie ein Kind.

Frage: Fällt es denn aus der Zuschauerperspektive schwer, sich auf die Protagonisten einzulassen, mit ihnen mitzufühlen?

Antwort: Ja, schon. Das ist hier schwierig, jemanden zu finden, mit dem man sich identifizieren könnte oder der sympathisch wirkt.

Frage: Vielleicht am ehesten mit der Figur der Schauspielerin?

Antwort: Ja, aber die macht auch eine interessante Entwicklung durch.

Frage: Basiert der Film eigentlich auf einem realen Fall?

Antwort: Tatsächlich ja. Tatsächlich gab es eine Lehrerin, die eine Beziehung mit allen Konsequenzen zu einem 13-jährigen Jungen hatte, ähnlich wie es im Film erzählt wird.

Frage: Kommen wir abschließend zur Notenvergabe. Wenn Sie den Film mit maximal fünf Sternen bewerten dürften, wie würde er abschneiden?

Antwort: Tatsächlich würde ich dem Film drei Sterne geben.

Frage: Nur drei?

Antwort: Drei Sterne. Ich finde schon, dass das ein sehr guter Film ist, der das sensible Thema auch sehr gut umgesetzt hat. Aber es ist auch das Thema, das mich so runtergezogen hat. Deshalb würde ich nur drei Sterne geben. Aber trotzdem – ein guter Film.

Frage: Frau Zander, haben Sie vielen Dank!

May December. 117 Minuten, FSK ab 12 Jahren. Cinema Arthouse.

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