Freiflächen Photovoltaik So könnten Krummhörner von einem Solarpark profitieren
In der Krummhörn soll ein Park für Freiflächen Photovoltaik entstehen. Davon könnten am Ende auch die Bürgerinnen und Bürger profitieren. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Krummhörn - Die Investmentfirma Terravent aus Leer will gemeinsam mit der Brons Group aus Emden einen Solarpark in der Gemeinde Krummhörn nahe Rysum bauen. Das ist schon seit längerem bekannt, bisher fehlt es für eine Umsetzung aber noch an politischen Beschlüssen. Mitarbeiter von Terravent haben ihr Vorhaben deshalb am Mittwoch, 29. Mai 2024, noch einmal dem Umwelt- und Klimaausschuss des Krummhörner Gemeinderats vorgestellt, um mögliche Fragen und Unsicherheiten zu klären.
Wo genau soll der Solarpark entstehen?
Der geplante Park für Freiflächen Photovoltaik (Freiflächen-PV) soll in der Nähe von Rysum zwischen dem Knockster Schöpfwerkstief, dem Knockster Tief und der Landesstraße 2 entstehen. Das ist genau die Fläche, die auch eine von der Gemeinde beauftragte Potenzialstudie für Freiflächen-PV ergeben hat. Sie ist knapp 27 Hektar groß. Knapp fünf Hektar davon gehören der Gemeinde Krummhörn, die die Fläche dann verpachten würde. Für die restlichen Grundstücke hat Terravent laut Projektleiter Eugen Firus bereits Verträge mit den Eigentümern geschlossen. Terravent wünscht sich, die bestehende Fläche in einem zweiten Schritt um weitere umliegende Flurstücke zu erweitern. Die Planungen diesbezüglich seien aber noch nicht sonderlich konkret. „Die Erweiterung würden wir wenn dann ein bis zwei Jahre später in Angriff nehmen wollen“, sagte Firus.
Wie viel Strom soll in dem Solarpark produziert werden?
Geht man davon aus, dass auf 25 Hektar PV-Anlagen stehen werden, könnten in dem Park jährlich 20 Millionen Kilowattstunden produziert werden. Zum Vergleich: Bei einem Einfamilienhaus mit vier Bewohnern geht man von einem jährlichen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden aus. Der Krummhörner Park könnte nach dieser Rechnung also 5000 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen. Laut Eugen Firus soll der produzierte Strom über den Verteiler in Groß Midlum in der Gemeinde Hinte abgeleitet werden.
Gibt es Bedenken für die Umwelt?
Der Solarpark würde in einem Landschaftsschutzgebiet entstehen. „Unsere Ziele stehen dem aber nicht entgegen“, sagte Eugen Firus. Solange sich die Firma an bestimmte Regeln hält, dürfen PV-Parks auch in geschützten Gebieten gebaut werden. Die werden unter anderem vom Landkreis festgelegt. Das wird in der Krummhörn vor allem dann relevant, wenn Terravent den Solarpark in Zukunft noch erweitern will, weil dann eben im Schutzgebiet gebaut werden würde. Die Investoren müssten dann für eine Genehmigung beweisen können, dass das Schutzgebiet durch das Bauvorhaben nicht geschädigt wird. Dafür müssten dann entsprechende Gutachten erstellt werden. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass sich etwa Tiere in PV-Parks wohler fühlten, als wenn auf der gleichen Fläche ein landwirtschaftlicher Acker sei.
Gehen den Landwirten dann nicht ihre Flächen flöten?
Terravent plant in dem ersten, bereits geplanten, Bereich, bodennahe Anlagen zu installieren. Das sind die üblichen PV-Panels, die man zum Beispiel bereits aus Emden kennt. Anders als bei Windkraftanlagen können diese Flächen nicht mehr von Landwirten genutzt werden.
Ein bisschen anders sieht es bei so genannten Agri-PV-Anlagen aus. Die stehen auf bis zu sechs Meter hohen Ständerkonstruktionen, so dass unter den Panels weiter gewirtschaftet werden kann. Das ist zum Beispiel für Obstbäume oder Gemüsesorten interessant, die weniger Sonne brauchen und durch das „Dach“ gleichzeitig vor Hagel oder Starkregen geschützt werden. Auch Tiere wie Pferde, Schafe oder Hühner könnten unter solchen Anlagen gehalten werden. Außerdem sprechen Experten von weniger Verdunstung und Austrocknung des Bodens.
Andererseits sind die Konstruktionen deutlich teurer als normale Freiflächen-PV-Anlagen. Da die Solarmodule auf höheren Pfeilern und in bestimmten Abständen angebracht werden, können die Felder zudem kaum mit großen Maschinen bewirtschaftet werden. „Die Nutzung mit Agri-PV ist also schon eingeschränkt“, sagte Eugen Firus. Ob das für eine mögliche Erweiterung des Krummhörner PV-Parks in Frage kommt, steht auch noch nicht fest.
Wie profitieren die Bürgerinnen und Bürger von dem Projekt?
Die Betreiber von Freiflächen-PV-Anlagen sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Kommune an dem Ertrag zu beteiligen. Diese Akzeptanzabgabe liegt derzeit bei 0,3 Cent je Kilowattstunde. Der gesetzliche Rahmen sieht es außerdem vor, dass Anwohner im Umkreis von 2,5 Kilometern ebenfalls beteiligt werden. Die Gemeinde kann diesen Umkreis nach eigenem Ermessen aber auch ausweiten oder sogar komplett eigene Beteiligungskonzepte entwickeln. Die gängige Methode sei es, die Beteiligung genossenschaftlich, also zum Beispiel über die Volksbank oder die Raiffeisenbank, zu organisieren. Das Konzept müsste dann aber erst einmal ausgearbeitet werden. Hinzu kommen Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeindekasse und Pachteinnahmen für die Grundstückseigentümer.
Kann die Gemeinde das Vorhaben auch ablehnen?
PV-Freiflächenanlagen unterliegen dem Baurecht. Entsprechend müssen Bebauungspläne und Flächennutzungspläne von der Kommune angepasst werden. Tut sie das nicht, darf auch kein Solarpark gebaut werden. Die Gemeinde Krummhörn ist also frei in ihrer Entscheidung, ob sie das Bebauungsplanverfahren einleiten will oder nicht. Die Mitglieder des Ausschusses haben in der Sitzung am 29. Mai beschlossen, das Thema noch einmal mit in die Fraktionen zu nehmen, um dann in einer der kommenden Sitzungen einen Beschluss fassen zu können.