Osnabrück  Mangel bei MINT-Berufen: Gehen Deutschland die Ingenieure aus?

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 04.06.2024 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Zwischen Patient und Maschine: Jobs in der Medizintechnik Foto: dpa/Bvmed/Freudenberg Medical
Die Zwischen Patient und Maschine: Jobs in der Medizintechnik Foto: dpa/Bvmed/Freudenberg Medical
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Eine innovative Wirtschaft braucht schlaue Köpfe. Doch in den technisch-mathematischen Berufen wächst der Mangel. Gesamtmetall-Präsident Wolf sieht Deutschland auf einem Irrweg, der mit Kompetenzverlust einhergeht.

Geh’ mir weg mit Mathe! Diesen Spruch hören Eltern nicht selten von ihren Sprösslingen. Oft gibt es ein, zwei mathematische Überflieger in den Schulklassen; meistens haben sie es bei Physik ebenfalls drauf. Die übrigen Schüler können mit Zahlen weniger anfangen, als es wohl gut wäre. 

So bleibt die Arbeitskräftelücke in den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) trotz der starken konjunkturellen Abkühlung auf hohem Niveau – und wegen der demografischen Entwicklung droht sich die Lage zuzuspitzen. Mit dem Nationalen MINT-Gipfel an diesem Dienstag wollen Politik und Wirtschaft gegensteuern.

Es sei Zeit, dass die Gesetzgeber in Bund und Ländern eine „überfällige Zeitenwende in der Bildung“ einleiten, sagte Stefan Wolf, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, unserer Redaktion anlässlich des Gipfels in Berlin. „Bildung ist für unsere Gesellschaft der Schlüssel zu allem und muss deshalb auch bei den Haushaltsdiskussionen absolute Priorität bekommen“.

Neben einer besseren finanziellen Ausstattung des Sektors brauche es „dringend Mindestbildungsstandards, die verpflichtend gelten, jährlich in jeder Klassenstufe bei sämtlichen Schülern überprüft und ausgewertet werden und die zu konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungsqualität an jeder Schule führen, bis wir am Ziel sind“, betonte Wolf. Denn: „Nur was man misst, kann man verbessern“.

Auch interessant: Expertengremium sieht Deutschland beim Klimaschutz nicht auf Kurs.

Wie wichtig eine Verbesserung der Lage ist, liegt auf der Hand. So erwarten viele Unternehmen beispielsweise für die Entwicklung klimafreundlicher Produkte und Technologien in den nächsten Jahren sowohl einen steigenden Bedarf an IT-Experten als auch an Ingenieuren und entsprechend qualifizierten Fachkräften.

Laut Gesamtmetall scheiden aber mehr als 64.800 MINT-Akademiker derzeit jährlich aus Altersgründen aus dem Arbeitsmarkt aus und es fehlt an Nachwuchs, um die Lücken zu schließen. Bei den MINT-Facharbeitern steige die Arbeitskräftelücke in fünf Jahren auf 272.000 Personen.

„Die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie brauchen dringend junge Leute, die sich verwirklichen und Leistung bringen wollen. Und sie müssen möglichst gut qualifiziert sein“, sagte Verbandspräsident Wolf unserer Redaktion weiter. Nicht zuletzt die PISA-Ergebnisse hätten aber drastisch vor Augen geführt, dass etwas aus dem Ruder läuft.

„Wir haben unsere Schulen und Hochschulen massiv vernachlässigt und es fehlt an Leistungsbereitschaft“, sagte Wolf und moniert, statt Leistung zu belohnen, diskutierten Politik und Gesellschaft über die Abschaffung von Urkunden bei den Bundesjugendspielen oder ob im Jugendfußball Tore nicht mehr gezählt werden.

„Das ist ein kompletter Irrweg, der mit großem Kompetenzverlust einhergeht“, warnte Wolf: „Wir verletzen damit das Grundrecht auf ordentliche Bildung, das das Bundesverfassungsgericht in einem wegweisenden Urteil Kindern und Jugendlichen zugestanden hat“. Bund und Länder müssten dieses Recht endlich ernst nehmen und entsprechend handeln.

Das von Bund und Ländern aufgelegte Startchancenprogramm, das bis 2034 eine jährliche Förderung von Brennpunktschulen vorsieht, bezeichnete Wolf als „immerhin ein Anfang“. Er mahnte aber auch: „Eine echte Bildungswende ist davon nicht zu erwarten“.

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