Diamantene Hochzeit Das Geheimnis einer langen und glücklichen Ehe? Zusammenhalt!
Lüdia und Heinrich Conrads aus Visquard sind seit 60 Jahren verheiratet. Kennengelernt haben die beiden sich als Kinder auf dem Pausenhof. Die Liebe zum Fußball zieht sich durch das Leben der beiden.
Visquard - „Man fragt sich, wo die Zeit geblieben ist“, sagt Lüdia Conrads. Erst gestern, so kommt es ihr vor, haben sie und ihr Mann, Heinrich Conrads, Goldene Hochzeit gefeiert. Jetzt sind weitere zehn Jahre vergangen - das Paar feiert Diamantene Hochzeit. Am 6. Juni 1964 haben sie sich in Visquard das Ja-Wort gegeben.
„Wir haben uns praktisch schon immer gekannt“, antwortet Heinrich Conrads auf die Frage, wie er seine Frau damals kennenlernte. Auf dem Pausenhof in der Schule hätten die beiden sich quasi täglich gesehen. Heinrich Conrads ist ohne Geschwister und Vater aufgewachsen, weil dieser kurz vor Kriegsende gefallen war. Lüdia Conrads hatte vier Geschwister und wohnte direkt in der Nachbarschaft mitten in Visquard. „Da kannte man sich einfach, obwohl ich zwei Jahre älter bin“, sagt Heinrich Conrads.
Beim Tanzen hat es das erste Mal gefunkt
Das Leben im Dorf war damals noch anders als heute, sagen die beiden. Es gab zwei Gaststätten, eine eigene Schule, mehrere Handwerksunternehmen und ein Lebensmittelgeschäft in Visquard. „Damals kam das mit dem Fernsehen auf. Deshalb gingen wir immer zur Gaststätte, um Fußball zu gucken“, sagt Heinrich Conrads. „Und manchmal gab es dort eben auch Tanzmusik.“
Beim Tanzen hat es dann auch das erste Mal gefunkt zwischen den beiden. Zu Beginn hätten sie sich noch heimlich treffen müssen. „Das war damals einfach so“, sagt Lüdia Conrads. So ist es durchaus vorgekommen, dass sie die Eltern mal anflunkern mussten, als sie fragten, ob der eine den anderen gesehen hätte. Einmal hat Lüdia Conrads sich sogar hinter ihrem heutigen Mann versteckt, damit ihre Mutter sie nicht gemeinsam sieht.
Ringe auf dem Feld angesteckt
Die beiden kamen zusammen, als sie 16 und er 18 war. Knapp drei Jahre später folgte die Verlobung. „Die Ringe haben wir mit dem Fahrrad aus Pewsum abgeholt“, sagt Heinrich Conrads. Und bevor sie wieder in Visquard ankamen, hatten sie sich die Ringe auf einem Feld schon angesteckt. Der Hochzeit stand also nichts mehr im Wege.
Gefeiert wurde im Garten von Lüdia Conrads Eltern mit Familie und Freunden. Etwa 30 Gäste waren dort. Besagter Garten ist heute noch beliebter Austragungsort für Familienfeiern jeder Art, das Paar zog damals in das Elternhaus und wohnt noch heute dort. Aus ihrer Ehe gingen fünf Kinder, 16 Enkel und elf Urenkelkinder hervor. Zwei weitere Urenkelkinder sind bereits auf dem Weg.
Liebe für Fußball zieht sich durch das Leben
Die Liebe für den Fußball zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der beiden: Seit 1952 - also seit 72 Jahren - ist Heinrich Conrads Mitglied des RSV Visquard und wurde dort vor einigen Jahren sogar zum Ehrenmitglied ernannt. Er spielte viele Jahre in der ersten Herrenmannschaft, engagierte sich als Trainer, Betreuer, Platzwart oder fleißiger Handwerker im Vereinsheim. „Das wäre ohne die Unterstützung meiner Frau nicht gegangen“, sagt er. Auch Lüdia Conrads engagierte sich und half zum Beispiel bei der Pflege des Vereinsheims oder beim Verkauf von Getränken oder Tickets bei Heimspielen. Immer, wenn es ihnen möglich ist, schauen sie sich noch heute die Spiele in Visquard an - ein Fanschal des Vereins hängt gut sichtbar über dem Sofa in ihrem Esszimmer.
In ihrer Ehe haben sie aber nicht nur gute, sondern auch schwere Zeiten erlebt. So mussten sie bereits den Tod ihres Sohnes und eines Enkelkindes miterleben. „Das waren die schwersten Zeiten für uns, da haben wir richtig drunter gelitten“, sagt Lüdia Conrads. Nichtsdestotrotz haben sie die Lebensfreude nie verloren, waren immer füreinander und für ihre Kinder und Enkelkinder da.
Diamantene Hochzeit wird im Garten gefeiert
Heinrich Conrads arbeite bis zu seinem Ruhestand als Maurer. „45 Jahre auf dem Bau, das bekomme ich jetzt zu spüren“, sagt er. Der 81-Jährige hat Probleme mit dem Gehen und ist auf einen Rollator angewiesen. Lüdia Conrads kümmerte sich damals zunächst um die Kinder, später arbeitete sie als Reinigungskraft in der Pewsumer Grundschule. „Nebenbei“ kümmerten die beiden sich immer um den Garten, wo sie nicht nur Gemüse anbauten, sondern auch Schweine und Hühner hielten. „Das gehörte mit dazu“, sagt Lüdia Conrads.
Das Geheimnis einer langen Ehe? Zusammenhalt, sind sich die beiden sicher. „Und man muss es hinnehmen, dass es auch mal Höhen und Tiefen gibt“, sagt Heinrich Conrads. Ihre Diamantene Hochzeit wollen sie, wie so viele Feiern zuvor, in ihrem geliebten Garten feiern. Von den Nachbarn gibt es einen Bogen, die Familie, der Posaunenchor, die Pastorin und die Bürgermeisterin kommen vorbei. Außerdem hat sich, wie soll es anders sein, auch der Sportverein angekündigt.