Berlin Deutschland hat nicht genügend Bunker – wozu Experten jetzt raten
Krieg in Deutschland? Ein solches Szenario ist längst nicht mehr undenkbar. Bunker gibt es hierzulande aber kaum noch. Wo sollen die Menschen Schutz suchen, sollte es wirklich zu Angriffen kommen? Experten haben eine klare Empfehlung.
Seit knapp zweieinhalb Jahren läuft der russische Angriff auf die Ukraine. Noch immer fallen dort Bomben, noch immer sterben zahlreiche Menschen. Auch in Deutschland ist die Aussicht auf einen weiteren Krieg denkbar. „Eine militärische Bedrohung des Nato-Bündnisgebietes scheint real möglich“, heißt es in einem Bericht zur Entwicklung eines modernen Schutzraumkonzepts.
Eine Arbeitsgruppe aus Experten des Bundesinnenministeriums, des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat den Bericht erstellt. Das 25 Seiten lange Papier soll den Ministern bei der anstehenden Innenministerkonferenz Möglichkeiten für ein bundesweites Schutzraumkonzept aufzeigen.
Zur Zeit des Kalten Krieges gab es in der Bundesrepublik etwa 2000 Bunker. Mit dessen Ende stoppte die Regierung jedoch den Ausbau solcher Schutzräume. Bestehende Bunker wurden an die Länder und Kommunen übergeben oder an private Eigentümer verkauft. Mittlerweile gibt es bundesweit noch 579 Bunker. Etwa 470.000 Menschen könnten dort Zuflucht finden. Diese Zahlen hatten BBK und BImA nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erhoben.
Durch den Ukraine-Krieg hat sich die Bedrohungslage allerdings für Deutschland verändert. Um die rund 84 Millionen Einwohner zu schützen, müssten laut Expertenbericht etwa 210.100 größere Bunker gebaut werden. Die Kosten dafür werden auf insgesamt 140,2 Milliarden Euro kalkuliert.
Das ist zum einen sehr teuer. Zum anderen sind im Falle eines Angriffs „zentral gelegene öffentliche Schutzräume“ als Schutzmaßnahme überhaupt nicht mehr geeignet. Das geht aus dem Sachbericht hervor. Denn anders als noch im Zweiten Weltkrieg rechnen die Experten nicht mit „flächendeckenden Bombardements“, die ganze Städte zerstören. Stattdessen gehen sie von punktuellen Angriffen auf spezifische Ziele aus – beispielsweise auf Regierungsgebäude, Verteidigungsanlagen oder kritische Infrastrukturen.
Bei einem Angriff mit modernen Präzisionswaffen wie etwa Raketen oder Drohnen bleiben demnach nur wenige Minuten Vorwarnzeit. Hunderte oder gar Tausende Menschen hätten somit kaum Möglichkeiten, in zentralen Bunkern Schutz zu suchen. Für ein modernes Schutzraumkonzept seien diese daher nicht geeignet, urteilen die Experten.
Stattdessen raten sie dazu, innerhalb von einzelnen Gebäuden kleinere, separate Schutzräume einzurichten. Denn die größte Bedrohung für die Zivilbevölkerung bestehe laut Bericht im Trümmer- oder Splitterflug sowie in Druckwellen nach Explosionen. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt – und ohne größere Umbaumaßnahmen – könne man sich in Kellerräumen oder im Inneren von Gebäuden zum Teil vor solchen Gefahren schützen.
Ein modernes Schutzraumkonzept sieht laut den Experten daher möglichst viele solcher „baulicher Selbstschutzräume (BSR)“ vor – etwa in Kellern oder in Treppenhäusern. Deren Schutzwirkung könne mit einfachen Maßnahmen sogar noch verbessert werden. In Kellerräumen könnten zum Beispiel Fenster und andere Öffnungen provisorisch abgedeckt werden.
Die Sicherheitsexperten weisen jedoch auch darauf hin, dass solche Selbstschutzräume bei nuklearen, biologischen und chemischen Angriffen deutlich weniger Schutz bieten als beispielsweise ein Bunker. Längerfristig empfehlen sie daher sogenannte „Hausschutzräume (HSR)“. Diese haben eine stärkere Bauhülle und verfügen über eine Eingangsschleuse sowie über Lüftungs-, Sanitär- und Versorgungseinrichtungen.
Bis ausreichend Gebäude über solche aufwendigen Schutzräume verfügen, würde es laut den Experten jedoch selbst im Idealfall mehrere Jahrzehnte dauern. Vorerst also müssten die Menschen in Deutschland im Angriffsfall Schutz in ihren eigenen Kellerräumen suchen.
(mit Material von dpa).