Hamburg  2400 Teddys: So sieht‘s in der Wohnung eines Kuscheltier-Sammlers aus

Ankea Janssen
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Von Ankea Janssen
| 05.06.2024 16:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hans-Dieter Gau lebt mit über 2400 Teddybären in seiner Dreizimmerwohnung. Foto: Ankea Janßen
Hans-Dieter Gau lebt mit über 2400 Teddybären in seiner Dreizimmerwohnung. Foto: Ankea Janßen
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Hans-Dieter Gau aus Hamburg ist leidenschaftlicher Teddy-Sammler. Über 2400 Plüschbären befinden sich in seiner Dreizimmerwohnung. Hier erzählt er, wie alles begann. Und wie es mal enden soll.

„Herzlich Willkommen in meiner Teddy-Höhle“, sagt Hans-Dieter Gau und breitet die Arme aus. Bereits im Flurbereich türmen sich die Plüschbären in den Regalen die Wände hoch. „Ich liebe sie alle“, sagt der 76-Jährige und bittet ins Wohnzimmer. Und auch hier: Teddys wohin man nur sieht. Lediglich auf Sofa und Schreibtischstuhl ist noch Platz.

Die exakte Zahl seiner flauschigen Mitbewohner schätzt Gau auf 2411 – ein bisschen hat er den Überblick verloren. Fest aber steht: Der erste Teddy, der bei ihm einzog, war Teddy Larry. „Mit ihm hat alles angefangen“, sagt der zwei Meter große Mann und nimmt den kleinen Bären der Marke Steiff in die Hand.

Er erzählt von einer mittlerweile verstorbenen Nachbarin, mit der er 2011 nach Portugal reisen wollte, die aber kurz zuvor schwer erkrankte und den Urlaub absagen musste. „Von ihr habe ich diesen Teddy bekommen und sie wünschte sich Fotos von ihm an all den Orten, die sie eigentlich selbst besuchen wollte.“

Gesagt, getan: Gau setzte Teddy Larry an Strände, auf Altare in Kathedralen oder Boote in Häfen. Sogar einen eigenen Facebook-Account legte er für das Stofftier an.

„Ich habe dann angefangen, mich mit der Herstellung von Teddys zu beschäftigen und bin immer mehr in dieses Universum eingetaucht“, sagt Gau. Er legt sich eine erste kleine Sammlung der sogenannten AIDS-Teddys zu, die Teil eines sozialen Spendensammelprojekts sind.

Durch eine weitere Bekanntschaft finden schließlich noch mehr Teddys ihren Weg zu Gau, der früher den Rehabilitationsbereich einer großen Krankenkasse geleitet hat. Ein Mann, der dem geschiedenen Rentner regelmäßig das Essen liefert („Ich bin ein fauler Mensch und habe keine Lust zu kochen“) entdeckt die Plüschtiere und bringt ihm eines Tages einen großen blauen Sack mit 25 Teddys vorbei. „Sein Sohn hat bei einer Firma gearbeitet, die sich um Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen kümmerte und stieß dort immer wieder auf Sammlungen, die er dann zu mir brachte.“

Einmal seien besonders viele wertvolle Teddys in einem Tresor einer wohlhabenden Frau gefunden worden. „Für die habe ich einen Kredit von 5000 Euro aufgenommen.“ Den Wert seiner gesamten Teddy-Sammlung schätzt er auf 250.000 Euro.

Mittlerweile weiß Gau ganz genau, ob er einen gewöhnlichen Spielzeugteddy in den Händen hält oder einen hochwertigen der Marken Steiff, Hermann oder Kösen. „Ich erkenne auf Anhieb, aus welcher Manufaktur der Teddy stammt“, sagt er.

Entdeckt er einen Bären in einem Geschäft, muss er ihn fast immer mitnehmen. „Da findet sofort ein optischer Dialog zwischen uns statt.“ Ohnehin hätten viele Teddys einen ganz eigenen Blick: „Manche gucken fragend, andere lustig und es gibt auch welche, die sehen ein bisschen grimmig aus.“

Die vielen Teddybären hat Gau in seiner Dreizimmerwohnung nach Themenwelten sortiert. „Hier habe ich eine Hamburg-Ecke“, sagt er und zeigt auf die Fensterbank, auf der Zitronenjette und Aale-Dieter stehen. Auch die englische Königsfamilie samt King Charles und Queen Elizabeth sitzt in seinem Wohnzimmer, genauso wie politische Größen wie Helmut Schmidt und Angela Merkel. Der älteste Teddy, den Gau besitzt, stammt aus dem Jahr 1915. „Der hat also sogar den Ersten Weltkrieg erlebt.“

Auf dem abgeschalteten Herd in der Küche findet man Teddys mit Kochschürzen, in der Badewanne mit Rettungsring. „Wenn ich duschen will, muss ich die erstmal alle in den Flur schmeißen.“

Was aber soll aus Gaus Teddy-Höhle werden, wenn er eines Tages sterben wird? „Darüber habe ich mir natürlich schon Gedanken gemacht“, sagt er und greift zu einem Notizzettel samt Teddymotiv. „Mein oberster und wichtigster Wunsch ist: Kein Teddy wird vernichtet. Kein Teddy endet auf dem Müll. Alle Teddys werden verteilt und kommen in liebevolle Hände oder in ein Museum, in dem sie besichtigt werden“, liest er vor. Genau so soll es in seinem Testament stehen.

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