Schulentwicklung im Kreis Aurich Trendwende bei IGS Aurich deutet sich an
Laut Schulamtsleiter Jens Kleen gibt es wieder leicht positive Trends bei den Anmeldezahlen an den IGSen Aurich und Marienhafe-Moorhusen. Schlecht sieht es dagegen an der Oberschule Norden aus.
Aurich - Von der Beratungsfirma Biregio aus Bonn war am Mittwochnachmittag niemand nach Extum angereist, um das neue Schulgutachten für den Landkreis Aurich vorzustellen – auch nicht der durchaus umstrittene Inhaber Wolf Krämer-Mandeau. Und so berichtete Schulamtsleiter Jens Kleen den Kreispolitikern im zuständigen Ausschuss über die wesentlichen Ergebnisse des mehrere Hundert Seiten dicken Gutachtens voller endloser Zahlenkolonnen, Raumpläne und Berechnungen. Am Ende nahmen die Kreispolitiker die Handlungsempfehlungen einstimmig zur Kenntnis – ohne damit konkrete Entscheidungen zu treffen.
Kleen benannte das weiter bestehende Problem in der Stadt Aurich, dass sich zu wenige Schüler im fünften Jahrgang der IGS anmelden, dagegen aber sehr viele an Realschule und Gymnasium Ulricianum, die eher unter Raumnot ächzen.
IGS Aurich in Förderprogramm aufgenommen
Immerhin: Bei den aktuellen Zahlen gibt es laut Kleen eine leichte Trendwende. So gebe es derzeit bereits deutlich mehr Anmeldungen an der IGS Aurich als die 90 im letzten Jahr. „Das ist ein kleiner positiver Trend“, so Kleen. Die IGS sei zudem aktuell in das „Startchancenprogramm“ von Bund und Ländern aufgenommen worden. Damit sollen Schulen, die einen hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler haben, bis 2034 gezielt unterstützt werden. Bei der Realschule Aurich dagegen lagen die Anmeldungen deutlich unter der Vergleichszahl im Juni 2023 – was angesichts der Raumnot dort ebenfalls gut sei. Hier sei ein Vorschlag, zu prüfen, ob die Realschule in eine Oberschule umgewandelt werden könnte, sagte Schulamtsleiter Kleen.
Guter Trend an IGS Marienhafe-Moorhusen
Auch der Rückgang der Anmeldungen an der IGS Marienhafe-Moorhusen der vergangenen Jahre könnte ein Ende finden. So gebe es aktuell bereits erkennbar mehr Anmeldungen als im vorigen Jahr. „Das ist ein guter Trend“, so Kleen. Dramatisch dagegen die Lage an der Oberschule Norden, die übrigens ebenfalls ins „Startchancenprogramm“ aufgenommen wurde. Kleen berichtete von „ganz toller Arbeit“, die diese Schule mache – aber auch von nur neun Anmeldungen für den fünften Jahrgang bislang. Im Juni 2023 waren es immerhin 24 gewesen (am Ende gab es 30 Anmeldungen). „Da wird man diskutieren müssen, ob die Schule so zu erhalten ist“, sagte Kleen. Im Fazit des Schulgutachtens wird erwogen, dass ins Gebäude der Oberschule Norden die Förderschule am Moortief einziehen könnte, die chronisch unter Raumnot leidet.
Kommentieren wollte diese Empfehlung aber noch keiner der Kreispolitiker, auch nicht SPD-Abgeordneter Theo Wimberg aus Norden. Träger der Oberschule ist letztlich die Stadt Norden, nicht der Landkreis Aurich. Insgesamt bewertete Wimberg die Handlungsempfehlungen des neuen Schulgutachtens positiv. Er betonte zugleich, dass man die Oberstufen auf dem Land stärken müsse. CDU-Fraktionsvorsitzender Sven Behrens (Berumbur) hob hervor, dass die Schließung des IGS-Standorts Hinte im neuen Gutachten kein konkretes Thema mehr sei. „Das wäre mit uns nicht zu machen gewesen“, so Behrens.
Neue Förderschule ESE in Extum geplant
Positiv sei auch die geplante Neugründung einer Förderschule emotional-soziale Entwicklung (ESE) in Aurich-Extum. Diese könnte laut Schulamtsleiter Kleen mit fünften und sechsten Klassen starten. Insgesamt gebe es wohl rund 80 Schüler im Kreis Aurich mit diesem Förderbedarf. Die Entscheidung über die Gründung könne noch dieses Jahr fallen, so Kleen.
CDU-Fraktionschef Behrens sagte, insgesamt sei das Gutachten mit den Handlungsempfehlungen für die CDU tragbar. Er wies zugleich darauf hin, dass der Landkreis oft gar nicht Träger der weiterführenden Schulen ist: „Städte und Gemeinden müssen mitmachen, das wird das Problem sein.“
Gossel: Bürgermeister hat sich beschwert
In diese Kerbe schlug auch Arnold Gossel (CDU, Aurich). Er sagte, Bürgermeister Horst Feddermann habe sich bei ihm „bitterlich beschwert“, dass der Landkreis mit der Stadt noch nicht gesprochen habe. Kreisrat Sebastian Smolinski sagte, man wolle erst ins Gespräch mit den Kommunen gehen, wenn man mit dem Konzept durch die Kreisgremien durch sei.
Heinrich Ubben (Freie Wählergemeinschaft, Brookmerland) sagte, die IGSen mitsamt Oberstufen müssten weiter gestärkt werden. „Oberstufen im ländlichen Raum waren eine gute Entscheidung, die sollte nicht wieder infrage gestellt werden.“ Und vorhandene KGSen sollten in IGSen umgewandelt werden.
Ubben kritisierte zugleich die Gemeinde Südbrookmerland, weil sie mit der Freien Christlichen Schule eine Privatschule unterstütze. „Bildung darf nicht vom Geldbeutel abhängen“, so Ubben.