Nach Schließungs-Empfehlung in Schulgutachten Norder Bürgermeister verteidigt Oberschule
Im neuen Gutachten von Wolf Krämer-Mandeau wird sogar schon über eine mögliche Umnutzung des Gebäudes nachgedacht. Florian Eiben sieht die Sache völlig anders.
Norden - Nach Ansicht der Beraterfirma Biregio aus Bonn hat die Norder Oberschule keine Zukunft mehr. Das geht aus dem jüngsten Schulgutachten des Unternehmens hervor, das am Mittwoch im Kreisschulausschuss vorgestellt wurde (wir berichteten). Der Norder Bürgermeister, Florian Eiben, hält von dieser Einschätzung offenbar nichts. In einer Stellungnahme spricht Eiben sogar davon, es sei lediglich die Auffassung der Presse, dass die Oberschule vor dem Aus stünde.
Eiben wörtlich: „Gerade erst haben wir die guten Neuigkeiten bekommen, dass die Norder Oberschule in das Startchancenprogramm des Landes aufgenommen wurde und damit die Möglichkeit, die wunderbare, pädagogische Arbeit der Schule und Schulleiter Nico Rettjer mit erheblichen Fördermitteln über zehn Jahre lang zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund möchte ich der Auffassung der Presse, dass die Oberschule möglicherweise vor dem Aus stünde, ganz deutlich widersprechen. Dass die Oberschule sich in einer Konkurrenzsituation mit zwei übermächtigen Konkurrenten in Norden befindet, ist uns klar und auch sinkende Schülerzahlen sind nicht von der Hand zu weisen, aber daraus ergibt sich der Auftrag für uns, aktiv zu werden und nicht den Kopf in den Sand zu stecken – und das kann ich auch im Gutachten für die Schulentwicklungsplanung des Landkreises nicht anders erkennen.“
Nur neun Anmeldungen zum kommenden Schuljahr
Dabei ist das Gutachten bezüglich der Oberschule deutlich. In Vertretung von Schulgutachter Wolf Krämer-Mandeau, berichtete Schulamtsleiter Jens Kleen vor der Kreispolitik zwar von der guten Arbeit, die in der Oberschule geleistet werde, aber eben auch von nur neun Anmeldungen, die es bisher für den kommenden fünften Jahrgang gibt. Im vergangenen Juni waren es immerhin 24 Anmeldungen gewesen – am Ende starteten 30 Schüler an der Oberschule in die fünfte Klasse. „Da wird man diskutieren müssen, ob die Schule so zu erhalten ist“, sagte Kleen. Im Fazit des Schulgutachtens wird erwogen, dass ins Gebäude der Oberschule Norden die Förderschule am Moortief einziehen könnte, die chronisch unter Raumnot leidet. Es sollten Gespräche mit der Stadt Norden geführt werden, ob langfristig die Nutzung des Gebäudes der Oberschule denkbar wäre oder ob die Förderschule mit einer Außenstelle betrieben werden könne, heißt es. Denkbar sei etwa die Angliederung des Sek-II-Bereichs am Standort der BBS Conerus-Schule Norden, vor allem in Hinblick auf die dortigen technischen Möglichkeiten.
Stadt: Kapazitäten der Oberschule werden benötigt
Aus der Norder Verwaltung heißt es weiter: Die Stadt als Schulträger betrachte die Entwicklung der Schülerzahlen und die Schulwahl der Kinder beziehungsweise deren Erziehungsberechtigter im Rahmen der Schulentwicklungsplanung genau. Jedoch sei eine ersatzlose Schließung der Oberschule aus Sicht der Verwaltung schon allein deshalb nicht möglich, weil die Kapazitäten benötigt würden. Die Außenstelle Norden der KGS Hage-Norden sei schon jetzt an der Kapazitätsgrenze und die Aufnahme von weiteren Schülern daher räumlich nicht möglich. Auch habe der Fachausschuss des Norder Rates in seiner jüngsten Sitzung bereits auf die bestehende Situation hingewiesen und deutlich gemacht, dass „hier näher hingeschaut“ werden müsse. Aus Sicht der Verwaltung unterstreichen die im Gutachten enthaltenen Aussagen deshalb nur „den bereits bestehenden Auftrag an die Stadt Norden, sich mit dieser Situation auseinander zu setzen und möglicherweise steuernd einzugreifen, um der aktuellen Entwicklung entgegenzuwirken“.
In der Sitzung am Mittwoch wollte noch keiner der Kreispolitiker die Empfehlungen des Gutachters bezüglich der Oberschule kommentieren – auch nicht der Norder SPD-Abgeordnete Theo Wimberg. Insgesamt bewertete Wimberg die Handlungsempfehlungen des neuen Schulgutachtens positiv. Der Norder Bildungsausschuss wird erst nach den Sommerferien am 25. September zusammenkommen. Dann wird es aller Wahrscheinlichkeit auch eine öffentliche Debatte um das Schulgutachten und die Zukunft der Norder Schullandschaft geben.