Betreuung von Kindern Auricher Elternrat kämpft gegen neue Kita-Gebühren
Mehr als zwei Jahre lang haben der Landkreis und 15 Gemeinden über einheitliche Kita-Gebühren verhandelt. Das Ergebnis stößt den Eltern sauer auf. Sie haben viele Fragen an die Politik.
Aurich - Hektisches Suchen nach Gehaltsabrechnungen, Steuertabellen und Wohngeldbescheiden setzt in diesen Tagen bei vielen Eltern in der Stadt Aurich ein. Wer sein Kind für das neue Kita-Jahr in einer Krippe oder einem Hort angemeldet hat, möchte wissen, was er für diese Leistung ab dem 1. August 2024 bezahlen muss. Dann soll nämlich eine einheitliche Gebührensatzung in allen 15 Städten und Gemeinden des Landkreises Aurich in Kraft treten. Der Wunsch dahinter: Die Kostenaufteilung zwischen den Kommunen soll fairer ausfallen. Doch was bedeutet das für die Eltern? Müssen sie im Schnitt mehr zahlen? Wie verschafft man sich einen Überblick?
Bei diesem Punkt beginnt nach Auffassung des Auricher Stadtelternrates (Auster) das Problem: „Viele merken jetzt, dass etwas auf sie zukommen könnte, im Zweifel ein tieferer Griff ins Portemonnaie“, sagt Geerd Smidt. Der Vorsitzende des Auster kritisiert „die einseitige und intransparente Darstellung der Gebühren“, wie er es in einer Mitteilung formuliert. Darüber, ob sie in der vorgelegten Form verabschiedet werden können, will der Sozialausschuss am Mittwoch, 12. Juni, um 17 Uhr abstimmen. In Südbrookmerland stand eine solche Entscheidung bereits Ende Mai an – und wurde erstmal vertagt. Dort war die Politik zu dem Ergebnis gelangt, dass die Vereinheitlichung der Gebühren in vielen Fällen mit einer Erhöhung gleichzusetzen wäre. Will man das den Eltern in der Gemeinde zumuten? Darüber müssen die Politiker in Südbrookmerland jetzt intern beraten. Es wird viel gerechnet werden in den Haushalten im Landkreis Aurich.
Gebühren variieren nach Einkommen
Das hat auch Geerd Smidt gemacht. Das Nettoeinkommen seines Haushalts beträgt rund 50.000 Euro pro Jahr. Nach der bisherigen Regelung mussten seine Frau und er für eine fünfstündige Betreuung am Tag eine monatliche Krippengebühr von 221 Euro zahlen. Künftig wären es 270 Euro. Noch gravierender wirkt sich der Anstieg bei einer Ganztagsbetreuung aus. Statt 425 Euro würde er in Zukunft 540 Euro zahlen. Die Gebühren sind nach sieben Einkommensstufen und nach Familienstärke gestaffelt. Derzeit ist die Berechnung sehr viel feiner justiert. Es gibt 56 Einkommensstufen und nur eine Aufteilung nach Vormittags- und Ganztagsgruppen. An deren Stelle tritt in der neuen Satzung eine Abstufung nach Stunden.
Geerd Smidt ist sich sicher, dass die neue Gebührensatzung vor allen Dingen den Eltern Bauchschmerzen bereitet, die mehrere Kinder zu betreuen haben. Erstmals soll den Eltern nämlich die Kita-Nutzung in der neunten (25 Euro) und der zehnten (50 Euro) Betreuungsstunde in Rechnung gestellt werden. Für Smidt ist unverständlich, dass laut der Stadt Aurich die finanziellen Auswirkungen für die Eltern nur bei insgesamt 2800 Euro liegen. „Wie berechnet sich das?“, möchte er wissen. Alleine die Kita Upstalsboom habe für ihre Einrichtung mit zwei Krippen-, vier Kita- und drei Hortgruppen einen massiven Anstieg der Gebühren für die Eltern ermittelt: „Alleine in den zwei Krippengruppen belaufen sich die zusätzlichen Kosten auf 26.000 Euro.“
Ein weiterer Kritikpunkt in den Augen des Auster: Die neue Gebührenregelung sei erst vor wenigen Wochen vorgelegt worden und damit viel zu kurzfristig. „Das funktioniert nicht, der Zeitraum ist zu knapp“, befürchtet Geerd Smidt. Mehr als zwei Jahre lang hatte der Landkreis mit den Bürgermeistern der 15 Mitgliedskommunen über die Finanzierung der Kita-Kosten verhandelt. Der Auster fordert einen Aufschub der Beschlüsse und appelliert an die Politik und die Verwaltungen aller Kommunen des Landkreises Aurich, einen Realitätscheck der Auswirkungen der neuen Gebührenerhöhung für die Familien zu unternehmen. „Außerdem wünschen wir uns, dass viele Eltern zu der Sitzung am 12. Juni kommen und ihre Fragen an die Politiker stellen“, fügt Geerd Smidt hinzu.