Neue Regel Künftig Sperren für Trainer-Rüpel in allen Ligen
Nach einer Roten Karte werden Offizielle künftig ebenso gesperrt wie nach drei Gelben Karten. Kickers-Trainer Stefan Emmerling sah als Coach einmal Rot – bei einem Trainer-Duell mit Mario Basler.
Ostfriesland - Besonders hektische Männer und Frauen der Trainerzunft sollten auch in Ostfriesland in den kommenden Wochen ein wenig an ihren Manieren feilen. Denn zur neuen Fußball-Saison wird mangelndes Benehmen von Trainern oder Betreuern in Niedersachsen härter sanktioniert. Ähnlich wie bei Spielern ziehen Rote Karten künftig auch für Trainer Sperren nach sich. Bislang wurden unsportliche Übungsleiter nur in den Profiligen für ein oder mehrere Partien vom Spielfeldrand verbannt. Ab dem 1. Juli 2024 gibt es solche Sperren in allen Ligen - bis zur D-Klasse.
Auch die Gelben Karten für Offizielle werden künftig notiert und gezählt. Da werden die Rüpel am Seitenrand sogar noch strenger behandelt als die Akteure auf dem Feld. Während Spieler erst nach fünf Gelben Karten eine Zwangspause verordnet bekommen, müssen Trainer schon nach drei Verwarnungen die nächste Partie aus der Ferne verfolgen und dürfen auch nicht die Kabine betreten.
Neu sind auch Hektikpausen
Noch eine weitere Maßnahme soll ab der neuen Serie für mehr Harmonie auf dem Spielfeld sorgen. Wenn sich die Gemüter auf dem Spielfeld allzu sehr erhitzen und eskalierende Szenen drohen, kann der Schiedsrichter ein Spiel für eine Beruhigungspause unterbrechen. In vier niedersächsischen Kreisen wurde diese Maßnahme in der vergangenen Saison getestet. „Die Erfahrungen waren durchweg positiv“, sagt der Emder Peter Bartsch zur Hektikpause. Der Rechtsanwalt und Ex-Schiedsrichter hat sich als Vorsitzender der Satzungskommission beim Niedersächsischen Fußballverband mit den neuen Regeln befasst.
Er ist natürlich auch gespannt, ob die Chefs rund ums Spielfeld demnächst tatsächlich besonnener agieren. Trainer Stefan Emmerling von Kickers Emden glaubt nicht, dass er sein Verhalten überdenken muss. „Ich habe in meiner ganzen Trainerlaufbahn eine einzige Rote Karte gesehen“, erzählt er. Als Drittliga-Coach von RW Erfurt ließ er sich in der Saison 2011/2012 auch durch das Verhalten des gegnerischen Trainers Mario Basler zu einem Disput mit dem Schiedsrichter hinreißen.
„Emma“ verärgerte Schiri
Weil der frühere Weltstar Basler häufig die Coachingzone verlassen habe, marschierte auch Emmerling bei einer turbulenten Szene aufs Feld. Als der Schiedsrichter ihn resolut aufforderte, wieder umzukehren, lenkte „Emma“ nicht ein. „Er darf das ja auch“, ließ er mit Blick auf Basler verlauten, ehe er dem Spielleiter den Rücken zukehrte. Als dieser Emmerling aufforderte, ihn doch bitte anzusehen, folgte eine trotzige Antwort: „,Dazu habe ich jetzt keine Lust‘, habe ich ihm gesagt“, erzählt der 58-Jährige ehrlich von seinem Fehlverhalten. „Aber mittlerweile bin ich älter und nicht mehr so impulsiv.“ Durch den Emder Aufstieg in die Regionalliga ist Emmerling nicht direkt von der neuen Regel betroffen. Denn Trainer-Sperren gab es bis zur 4. Liga ohnehin schon.
Dagegen trifft die Neuerung „Teamchef“ Ralf Backhaus vom Landesligaabsteiger TuS Esens - sofern er denn zu sehr die Contenance verlieren sollte. Der 56-Jährige fiebert gelegentlich nämlich durchaus lautstark auf der Bank mit. „Ich bin ein friedliebender Mensch, aber es nicht immer leicht beim Spiel ruhig zu bleiben.“ Er begrüßt trotzdem die neue Regel. „Vielleicht bremst mich das ja tatsächlich ein bisschen.“
Trainer Backhaus sah einmal Rot
In der abgelaufenen Saison sah Backhaus tatsächlich einmal die Rote Karte. Doch im Spiel beim späteren Meister SV Wilhelmshaven traf ihn persönlich keine Schuld. Als sich die Esenser nach einem SVW-Treffer von gegnerischen Spielern provoziert fühlten, flog von der TuS-Bank eine Flasche aufs Feld. Weil der Übeltäter nicht ausfindig gemacht werden konnte, musste der Trainer herhalten und sah als Verantwortlicher stellvertretend die Rote Karte.
In der neuen Saison muss er in so einem Fall mindestens einmal pausieren. Gesperrte Trainer dürfen dann vor, während und nach der Partie die Kabine nicht betreten, sich nicht am Spielfeldrand aufhalten und keine offizielle Funktion übernehmen. Die Regel hat allerdings einen Schwachpunkt: „Sie lässt sich natürlich in unteren Klassen schwer kontrollieren“, weiß auch Peter Bartsch. Weil es bei Dorfvereinen keine größeren Tribünen gibt, würden die Gesperrten noch nicht einmal gegen eine Regel verstoßen, wenn sie sich gleich neben der Trainerbank hinter der Zuschauerbande postieren würden.