Diamantene Hochzeit  Greetsieler Ehepaar geht seit 60 Jahren Hand in Hand durchs Leben

| | 13.06.2024 06:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Christel und Walter Freund aus Greetsiel sind seit 60 Jahren miteinander verheiratet. Foto: privat
Christel und Walter Freund aus Greetsiel sind seit 60 Jahren miteinander verheiratet. Foto: privat
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Für Walter Freund war es damals Liebe auf den ersten Blick, als er seine Christel in Greetsiel mit dem Fahrrad vorbeifahren sah. Jetzt feiert das Ehepaar Diamantene Hochzeit.

Greetsiel - Als Walter Freund seine heutige Frau Christel das erste Mal gesehen hat, war ihm direkt klar, dass er sie einmal heiraten wird. „Da habe ich gesagt, sie oder keine.“ Walter Freund saß damals mit einem Kumpel bei der alten Klappbrücke im Ortskern von Greetsiel, als sie mit dem Fahrrad vorbei fuhr. Ihre blonden Haare und der Pferdeschwanz hatten es ihm angetan, sagt er. Noch heute ist er ganz begeistert von seinem Glück, das mittlerweile seit über 60 Jahren währt. Am Donnerstag, 13. Juni 2024, feiert das Ehepaar Diamantene Hochzeit.

„Ich war damals erst 13 Jahre alt und ging noch zur Schule“, sagt Christel Freund. Walter Freund war mit seinen 17 Jahren bereits in der Lehre zum Radio- und Fernsehtechniker. „Ich habe dann herausgekriegt, was sie so macht in ihrer Freizeit. Freitagabends war sie immer beim Jugendkreis in der Kirche. Also habe ich mich da auch engagiert.“ Bei Gesellschaftsspielen, Gesprächsabendenden oder auch Ausflügen zum Tierpark lernte sich das Ehepaar dann so richtig kennen.

Hochzeit am heißesten Tag des Jahres

Christel Freunds Vater war Lokführer bei der Kleinbahn „Jan Klein“, die damals noch zwischen Greetsiel und Emden verkehrte. Ihre Familie lebte im damaligen Bahnhof von Greetsiel, Walter Freund war direkt am Hafen groß geworden. „Walter hat mich dann immer vom Jugendabend nach Hause gebracht. Mein Vater stand oft schon in der Tür und hat gewartet, denn ich musste immer um zehn Uhr zuhause sein.“ Auf dem Weg von der Kirche zum Bahnhof kamen die beiden sich auch das erste Mal näher und hielten Händchen.

Am 13. Juni 1964 gaben sich Christel und Walter Freund in Greetsiel das Ja-Wort. Da war sie 17 und er 20 Jahre alt. An diesen Tag können sie sich heute noch gut erinnern, denn es war einer der heißesten Tage des Jahres. „Es war so heiß, dass der Asphalt schon weich wurde. Da konnte sie mit ihren Stöckelschuhen kaum über die Straße laufen“, erinnert sich Walter Freund. Gefeiert wurde im Kreis von Freunden und Familie im alten Güterschuppen in Greetsiel, den die Eltern vorab schön hergerichtet und dekoriert hatten. „Es war damals alles einfach, aber trotzdem total schön“, sagt Christel Freund.

Christel und Walter Freund am Tag ihrer Hochzeit 1964. Foto: privat
Christel und Walter Freund am Tag ihrer Hochzeit 1964. Foto: privat

Jeden Tag Pfannkuchen für die Kinder

Ein paar Wochen nach der Hochzeit kam auch schon der erste Sohn der beiden zur Welt. 1969 und 1976 folgten zwei Schwestern. „Mittlerweile haben wir sechs Enkelkinder“, sagt Christel Freund. Mit ihren Kindern und Enkelkindern stehen sie noch heute gut in Kontakt und pflegen ein enges Verhältnis. Besonders beliebt bei ihnen: Die Pfannkuchen ihrer Mutter und Oma Christel. „Meine Frau hätte sich damit einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde verdient“, sagt Walter Freund. Jeden Morgen hat Christel Freund nämlich für ihre Kinder, später auch für ihre Enkelkinder, wenn sie zu Besuch waren, frische Pfannkuchen gebacken. „Brote mochten unsere Kinder nicht so gerne, und Pfannkuchen machten sie bis mittags satt“, sagt Christel Freund. „Wenn sie zur Schule gingen, mussten sie ja was Vernünftiges im Magen haben.“ Erst neulich hätte sie ihr Enkelsohn gefragt, ob er ein Rezept bekommen könne. Doch ihre Pfannkuchen backt Christel Freund noch heute nach Gefühl.

In seinem Leben konnte Walter Freund immer auf die Unterstützung seiner Frau zählen. „Alles, was ich gemacht habe, ging nur durch die Hilfe meiner Frau“, sagt Walter Freund. Nach seiner Meisterprüfung als Radio- und Fernsehtechniker legte er 1969 einen weiteren Meister als Elektroinstallateur oben drauf und machte sich mit nur 36 D-Mark Startkapital in einem kleinen Häuschen in Greetsiel selbstständig. „Wir haben dort in sehr einfachen Verhältnissen gelebt“, erinnert sich Christel Freund. Doch das Geschäft lief gut und das Paar konnte sich einen Neubau leisten.

Zuschuss für den Ausbau von Ferienwohnungen

Seit 1971 leben sie nun ihrem Eigenheim im Zentrum von Greetsiel. Damals sah es in dem Fischerdorf noch ganz anders aus und Touristen gab es kaum, erinnern sich die beiden. So zählen die Freunds auch zu den ersten, die Ferienwohnungen in Greetsiel vermieteten. „1972 haben wir unser Obergeschoss für Feriengäste ausgebaut“, sagt Walter Freund. Damals gab es dafür sogar noch einen Zuschuss von der Gemeinde, weil es zu wenig Gästebetten im Ort gab. Die drei Ferienwohnungen sind noch heute gut gebucht, Christel Freund kümmert sich mit viel Hingabe um das Wohlergehen ihrer Gäste. „Viele kommen immer wieder her. An Weihnachten schreibe ich ihnen Karten.“

Während sich Christel Freund um die Kinder, das Haus und die Feriengäste gekümmert hat, hat ihr Mann sich beruflich noch einmal umorientiert und wurde Lehrer für Elektroinstallateure an der Berufsschule in Norden. Das war einer allgemeinen Lehrernot geschuldet, die es damals nach den geburtenstarken 60er-Jahren gab. Der Lehrerberuf hat ihm viel Freude bereitet, so dass Walter Freund dabei blieb und auch von den Vorteilen des Beamten-Daseins profitieren konnte. „Wir leben schon eher auf der Sonnenseite des Lebens. Aber das wissen wir auch sehr zu schätzen“, sagt er. „Nebenbei“ züchteten die beiden Ponys, engagierten sich im Sportverein und beim Deutschen Roten Kreuz. „Wir kennen deshalb viele Leute in der Krummhörn, das ist echt schön“, sagt Christel Freund.

Ihre Diamantene Hochzeit feiern der 80- und die 77-Jährige mit Sekt, Kuchen und einem Essen mit etwa 45 Gästen im Hohen Haus in Greetsiel. Vormittags haben sich zudem die Bürgermeisterin und der Ortsvorsteher angemeldet. Wie sie es 60 Jahre miteinander ausgehalten haben? „Man muss respektvoll miteinander umgehen und versuchen, die Dinge gemeinsam anzugehen“, sagt Walter Freund. Seine Frau ergänzt: „Auch, wenn man sich mal streitet. Dann muss man darüber reden und dann ist‘s auch wieder gut.“

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