Hamburg Mama, bist du auf die Rente vorbereitet? Ein sehr persönliches Gespräch
Die Mutter unseres Autors steht kurz vor der Rente. Hofft sie zumindest. Doch ist sie darauf auch gut vorbereitet? Ein persönliches Gespräch über mögliche Abschläge, Pläne für den Ruhestand und die entscheidende Frage: Wird die Rente reichen?
Für Millionen Menschen in Deutschland ist der Eintritt in die Rente nur noch eine Frage von wenigen Jahren. Der demografische Wandel wird in Deutschland zum echten Problem, wenn auch die letzten Boomer-Jahrgänge sich aus dem Arbeitsleben verabschieden.
Doch wie geht es diesen Menschen jetzt, wenn um sie herum derart viel von Altersarmut gesprochen wird und sie gleichzeitig aufgrund ihrer schieren Anzahl zum Problem für das Rentensystem werden? Das hat der Autor jemanden gefragt, der es wissen könnte. Seine Mutter. Ein Gespräch am Küchentisch.
Frage: Alles klar, Muddern? Bist du nervös?
Antwort: Du willst mit mir über meine Rente sprechen. Da passiert das ganz automatisch. Ich hole mir lieber noch schnell einen Kaffee.
Frage: Wir können ja mit den Formalien anfangen: Du bist Jahrgang 1964, hast 1984 angefangen zu arbeiten. Und wann willst du in Rente gehen?
Antwort: Zum 1. Januar 2030. Ich bin ja im Dezember geboren, habe dann meine 45 Jahre voll und bin 65 Jahre alt. Also kann ich dann zwei Jahre früher abschlagsfrei gehen. Aber eigentlich würde ich lieber schon mit 63 Jahren aufhören. Vielleicht arbeite ich dann nur noch stundenweise und verdiene mir ein bisschen was dazu.
Frage: Hast du denn seit 1984 ununterbrochen gearbeitet?
Antwort: Nein, ich war bei zwei Kindern insgesamt vier Jahre in Elternzeit.
Frage: Aber du kriegst dann ja Erziehungszeiten angerechnet. Also bis zu sechs Rentenpunkte.
Antwort: Den Antrag muss ich, glaube ich, noch stellen.
Frage: Du bist ausgebildete Immobilienkauffrau und als Buchhalterin ohnehin ganz gut organisiert. Wann hast du angefangen, dich mit der Rente zu beschäftigen?
Antwort: Das war direkt nach dem Abi. Da habe ich eine Bescheinigung bekommen und alle haben gesagt: Das ist ganz wichtig. Dann hab‘ ich das lieber schnell in Klarsichtfolie und einen Ordner gepackt. Da kam dann alles rein. Ich hatte auch mal einen Vermögensberater hier, der schauen wollte, ob ich für das Alter abgesichert bin.
Frage: Und? Bist du?
Antwort: Ja, aber nicht nur über die gesetzliche Rente. Ich habe noch eine Betriebsrente, eine eher kleine Riester-Rente und eine private Altersvorsorge über eine Direktversicherung, die bringt auch noch ein bisschen was.
Frage: Hast du schon mal Kassensturz gemacht, was du dann als Rente bekommst mit allen Zusätzen?
Antwort: Das nicht, aber ich lese meine Renteninformation. Demnach würde ich insgesamt bei mehr als 2500 Euro herauskommen, wenn alles so weiter läuft wie bis jetzt. Aber da gehen ja noch Steuern und Versicherungsbeiträge ab.
Frage: Wirst du denn damit auskommen?
Antwort: Ich gehe fest davon aus. Im Nachhinein wird deutlich, dass es mich natürlich ein bisschen was gekostet hat, dass ich für dich und deinen Bruder in Teilzeit gegangen bin. Das ist halt so. Ich hab‘ mir auch schon überlegt, dass ich ja wahrscheinlich weniger ausgebe. Ich habe ja mehr Zeit zum Kochen und werde bestimmt viel seltener essen gehen.
Frage: Aber der Friseur wird teurer, wenn du die grauen Haare wegtönen möchtest.
Antwort: Ich tön‘ dir gleich mal die Haare!
Frage: Wieso willst du eigentlich schon mit 63 Jahren in Rente gehen? Zumindest körperlich ist dein Job nicht so anstrengend und du bist ohnehin noch ziemlich fit
Antwort: Ja, das stimmt. Aber nach 40 Jahren hat man dann auch keine Lust mehr. Ich arbeite ja jetzt schon nebenbei ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge für Kinder und Jugendliche. Da würde ich gerne mehr machen. Oder auch anderswo ehrenamtlich arbeiten, solange ich noch fit bin. Ist nur die Frage, wie hoch die Abzüge sind, wenn ich zwei Jahre früher in Rente gehe.
Frage: Die Faustregel ist: Für jeden Monat bis zum regulären Renteneintritt sind es 0,3 Prozent. Bei genau zwei Jahren also 7,2 Prozent weniger Rente.
Antwort: Bis an mein Lebensende …
Frage: Würdest du denn für mich auf einen Teil deiner Rente verzichten?
Antwort: Wie? Für dich?
Frage: Stichwort: Generationenkonflikt. Du gehörst zu einer sehr geburtenstarken Generation. Und wenn das Rentenniveau so bleibt wie aktuell, muss die jüngere Generation, also auch ich, wahrscheinlich mit höheren Beiträgen rechnen. Das ist doch unfair.
Antwort: Aber so hoch ist die Rente für viele ja nun auch nicht, als dass man da noch groß irgendwo verzichten könnte. Und jüngere Generationen können sich dafür über Fachkräftemangel „freuen“, bessere Löhne und eine gesunde Work-Life-Balance verlangen, vielleicht sogar irgendwann eine Vier-Tage-Woche. Finde ich auch gut! Ich kam beruflich damals nicht mal bei der Polizei rein, weil sich zu diesem Zeitpunkt zu viele Frauen beworben hatten. Ich meine ja nur: Es hat nicht nur Vorteile, wenn man zu einer geburtenstarken Generation gehört.
Frage: Wird trotzdem nicht leicht, wenn die Älteren alle in Rente sind.
Antwort: Was man nicht vergessen darf: Mein Partner ist selbstständig und hat sich zwar auch privat abgesichert, aber soviel dürfte da nicht rumkommen. Also müsste die Rente bestenfalls für uns beide reichen. (hält kurz inne und grinst) Es sei denn, ich schmeiß’ ihn raus.
Frage: Als ob. Hattest du denn überhaupt schon mal Angst vor der Rente?
Antwort: Angst nicht, aber man rechnet schon vor: Würde ich alleine leben, müsste ich bestimmt in eine kleinere Wohnung ziehen. Doch generell habe ich Glück und einen sicheren Job. Wäre ich je arbeitslos gewesen, sähe das anders aus.
Frage: Und deine Oma hast du noch ein Jahr gepflegt. Weiß die Pflegeversicherung das eigentlich?
Antwort: Dass ich meine Oma gepflegt habe? Was hat das mit der Rente zu tun?
Frage: Normalerweise hast du den Anspruch, dass die Versicherung Rentenbeiträge für dich übernimmt. Gut, im Nachgang wird es schwierig, den einzufordern.
Antwort: Also das war Ende der Neunziger. Gab es das da schon? Das wusste ich damals wirklich nicht.
Frage: Grundsätzlich bist du ja aber gut vorbereitet. Ist das denn bei deinen Freundinnen genauso?
Antwort: Unterschiedlich: Eine Freundin hat studiert, die muss auf jeden Fall noch ein bisschen länger arbeiten. Und eine andere ist selbstständig. Sie hat zwar vorgesorgt, aber sie musste schon sehr viel von ihren Reserven dafür nehmen. Die wird es nicht so gut haben.
Frage: Wohnt die nicht auch im dritten Stock? Könnte auf Dauer auch schwierig werden.
Antwort: Das stimmt. Deswegen bin ich in eine Erdgeschosswohnung in ein Haus ohne Fahrstuhl gezogen. Fahrstühle treiben die Miete hoch. In der Wohnung ist noch nicht alles barrierefrei. Aber mein Mann ist Tischler und könnte notfalls Rampen bauen.
Frage: Wenn du ihn nicht zur Rente rausschmeißt.
Antwort: (lacht) Ne, ich behalte den lieber. Aber Fitness ist echt ein Thema. Ich kenne Menschen, die haben eine gute Rente und schauen sich die Welt an, aber andere laufen nur von einem Arzt zum anderen. Wenn du nicht gesund bist, nützt dir eine gute Rente alleine auch nicht viel.
Frage: Aber wir halten es für dich fest: Wahrscheinlich gehst du zum 1. Januar 2030 ohne Abzüge in Rente. Und dann?
Antwort: Ich werde wahrscheinlich der klassische Rentner, der nie Zeit hat. Ich will wie gesagt ehrenamtlich noch mehr machen und vielleicht gehe ich auch als Au-Pair-Oma ins Ausland, wie du es vorgeschlagen hast.
Antwort: Aber das ist mir zu weit weg. Nächstes Jahr bin ich 60 und will dann auf jeden Fall mal die Beratung bei der Rentenversicherung in Anspruch nehmen. Das empfehle ich wirklich jedem in meinem Alter. Egal, wie es aussieht. Man sollte sich auf jeden Fall rechtzeitig informieren, wie viel Einkommen es in der Rente noch gibt. Daran hängt die ganze Planung für den letzten Lebensabschnitt.