Pfusch am Bau  Probleme mit Sporthalle in Emden werden zum Skandal

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 12.06.2024 17:03 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Sporthalle des Max ist 2016 in Betrieb genommen. Sie ist von Anfang mit Pannen und Problemen behaftet. Fotos: F. Doden
Die Sporthalle des Max ist 2016 in Betrieb genommen. Sie ist von Anfang mit Pannen und Problemen behaftet. Fotos: F. Doden
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Die Mängel an der Turnhalle des Max-Windmüller-Gymnasiums in Emden reißen nicht ab. Die Politik reagiert fassungslos. Wer ist schuld und wie geht es weiter?

Emden - Die andauernden Nässe-Probleme in der Sporthalle des Max-Windmüller-Gymnasiums (MAX) in Emden wachsen sich allmählich zu einem Skandal aus. Jetzt sind weitere gravierende Mängel an dem 2016 fertigstellten Gebäude bekannt geworden. Sie lassen darauf schließen, dass bei dem Bau der Halle gepfuscht worden ist.

Die Folge: Die Sanierung der Halle verzögert sich - Stand jetzt - um länger als ein Jahr. Vermutlich wird sie auch deutlich teurer als zunächst angenommen. Wer dafür verantwortlich ist, ist bislang unklar. Die Stadt hat nach eigenen Angaben in der Zwischenzeit auch externe Anwälte eingeschaltet.

Mauerwerk muss Meter für Meter geöffnet werden

Im zuständigen Betriebsausschuss des städtischen Gebäudemanagements (GME) reagierten Politiker fast aller Fraktionen und Gruppen am Dienstag, 12. Juni 2024, mit Fassungslosigkeit und heller Empörung auf die jüngsten Offenbarungen des GME. Demnach stellten Fachleute des Betriebes bei Vorbereitungsarbeiten für den Einbau der fehlenden Drainage fest, dass der Sockel des Bauwerks nicht ordnungsgemäß abgedichtet worden ist.

Die Abdichtung liege lose auf dem Sockel und dem Fundament, heißt es in einem Papier des GME. Das Mauerwerk müsse deshalb zunächst Meter für Meter geöffnet werden, um die Abdichtung des Sockels zu erneuern. Zudem seien weitere Arbeiten am Fundament erforderlich, um zu verhindern, dass Wasser von außen in die Halle drückt.

Es wird noch nach Unterlagen gesucht

Für diese aufwendigen Reparaturen nimmt das GME erst einmal das Geld, das eigentlich für einen neuen Hallenboden vorgesehen war. Ursprünglich sollte er in den bevorstehenden Sommerferien verlegt werden. Das ist jetzt auf den Sommer 2025 verschoben worden. Es geht um 350.000 Euro.

Die Vorbereitungen zum Einbau einer Drainage sind gestoppt worden.
Die Vorbereitungen zum Einbau einer Drainage sind gestoppt worden.

Es kommt noch dicker: Es geht nämlich mittlerweile nicht mehr allein um Mängel am Bau, die schon gleich nach der Inbetriebnahme der Halle am Früchteburger Weg zu Tage traten, sondern auch um die Aufarbeitung des Skandals und die Suche nach dem oder den Verantwortlichen. GME-Betriebsleiterin Freia Visser musste während der Ausschusssitzung auch einräumen, dass man noch auf der Suche nach den Bauunterlagen im Archiv sei. „Sehr viele Unterlagen sind noch nicht vorhanden“, sagte sie. Sie existierten „nur auf Papier“.

Politiker zeigen sich sprachlos

Angesichts vieler offensichtlicher Versäumnisse zeigten sich Sprecher der Ratsfraktionen von SPD, CDU, FDP und GfE mehr oder weniger ratlos. Man sei „sprachlos“, hieß es im Ausschuss von mehreren Seiten. Gleichwohl forderten einige Politiker Konsequenzen. Die verantwortliche Baufirma dürfe künftig keinen Auftrag der Stadt mehr bekommen. Zumindest sollte sie sich im Zuge eines Agreements am Ausgleich des Schadens finanziell beteiligen.

Die Leiterin des GME ließ ebenso wie Stadtbaurätin Irina Krantz viele Fragen der Politiker unbeantwortet. Auch zu dem finanziellen Schaden, den die Mängel am Bau und deren Folgen verursachen, machten sie keine konkreten Angaben. Laut dem GME prüft derzeit eine von der Stadt beauftragte Anwaltskanzlei in Oldenburg die Aussichten von juristischen Schritten.

Stadt will Vorgänge lückenlos aufklären

Dabei gehe es unter anderem um die „erweiterte Gewährleistung“ des Architekten. Freia Visser dämpfte im Ausschuss allerdings die Hoffnungen, auf juristischem Wege etwas zu erreichen. „Die Gewährleistungen sind sehr wahrscheinlich verjährt.“ Einen Ausschluss der Baufirma von künftigen Ausschreibungen der Stadt hält sie indes für schwierig: „Das ist nicht so einfach, wie man sich das vorstellt.“

Gleichwohl sagten sowohl Visser als auch Stadtbaurätin Irina Krantz eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge um die „Gammel-Halle“ zu. Beide waschen ihre Hände aber in Unschuld. Sie betonten , dass sie selbst noch nicht in ihren Ämtern gewesen seien, als es um die Planung und den Bau der Sporthalle ging.

Aufarbeitung begann erst im Sommer 2023

Erste Hinweise auf weitere Baumängel habe es erst nach dem Weggang des für die Bauleitung zuständigen GME-Mitarbeiters gegeben. „Die Aufarbeitung hat erst im Sommer 2023 begonnen“, so Krantz. Im Übrigen sei es nur der Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit des jetzt für die Halle zuständigen GME-Mitarbeiters zu verdanken, dass die neuen Mängel jetzt aufgefallen sind.

Das GME habe sich mittlerweile „völlig anders“ aufgestellt. Die Strukturen und Abläufe seien kontinuierlich verbessert worden. „Da ist viel passiert und natürlich ist vorher auch viel nicht passiert“, räumte Krantz ein. Man habe das aber „so vorgefunden“. Auch Freia Visser verwahrte sich gegen Kritik gegen den städtischen Betrieb. Es sei „müßig, darauf rumzureiten, was vor zehn Jahren war“, sagte sie an die Politik gerichtet. Damals seien die heute Verantwortlichen noch nicht da gewesen.

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