Hamburg Notvorrat für den Ernstfall: Was die Bundesregierung empfiehlt – und was man daraus kochen kann
Wer früher über Prepper gelacht hat, sollte sich die Notfall-Broschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz durchlesen – und Abbitte leisten. So verrückt sind diese Leute offenbar doch nicht.
Vier Kilo Hülsenfrüchte, drei Kilo Getreide, 20 Liter Wasser: Das empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) den Bürgern pro Person für den Notfall. Unter anderem, muss man sagen, denn die Liste ist lang. Zehn Tage soll der Vorrat reichen, an alles ist gedacht: Ein Kurbelradio, um bei Stromausfall auf dem Laufenden zu bleiben. Medikamente, Campingkocher, Dosenöffner. Ein Notfallgepäck, das schnell zu greifen ist und in dem sich beglaubigte Kopien aller wichtigen Dokumente befinden – vom Schulabschluss bis zum Rentenbescheid.
Wer früher über Prepper gelacht hat, muss nun Abbitte leisten: So verrückt sind diese Leute offenbar gar nicht. Denn die Broschüre des BBK ist alles andere als neu. Sie kann online heruntergeladen oder auch per Post bestellt werden. Und wer es ernst meint mit der Notfallreserve, hat dann erstmal zu tun. Allein das Wasser: 20 Liter für zehn Tage – pro Person, wohlgemerkt. Eingerechnet ist neben dem Trinkbedarf auch das, was man für Hygiene (wichtig im Ernstfall, um Krankheiten vorzubeugen!) und zum Nudelnkochen benötigt. Für einen Vierpersonenhaushalt wären das schon 80 Liter. Hinzu kämen 16 Kilo Hülsenfrüchte und 12 Kilo Getreide. Doch wo bringt man das in einer gängigen Mietwohnung unter?
Damit sich die Bürger nicht auch noch Schädlinge ins Haus holen oder jahrelang auf abgelaufenen Erbsendosen sitzen bleiben, empfiehlt das BBK einen „lebenden Vorrat“. Das klingt zwar auch nach Schädlingen oder mindestens nach Kaninchenzucht im Hinterhof, ist aber ganz anders gemeint: Hat man seinen Vorrat erst einmal angelegt, sollte man ihn auch schrittweise verbrauchen – und einfach stetig mit frischen Einkäufen wieder auffüllen.
Tipps zur Lagerung und Haltbarmachung gibt es zudem beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Das Bild auf der Vorsorge-Website sieht so idyllisch aus wie das Cover der „Landlust“: In einem hölzernen Regal lagern Weckgläser mit buntem Inhalt, dazwischen liegen Trockensträuße. So macht Notfallvorsorge Spaß.
Und das sollte sie auch: Denn der Notfall tritt nicht erst ein, wenn die Russen kommen. Im Falle eines großflächigen Stromausfalls etwa gehen wortwörtlich die Lichter aus. Der Herd funktioniert nicht, der Kühlschrank kühlt nicht mehr. Mobilfunk? Fehlanzeige. Ebenso wie Heizung, Geldautomaten, eben alles, wofür man Strom benötigt – und das ist mehr, als man sich zunächst klarmacht.
Natürlich hat auch der Staat für seine Bürger vorgesorgt, zumindest in Maßen. Die sogenannte Bundesreserve Getreide besteht aus Weizen, Roggen und Hafer. Sie wird in der Nähe von Mühlen gelagert, um gegebenenfalls schnell weiterverarbeitet zu werden, und soll der Versorgung mit Brot dienen.
Als „Zivile Notfallreserve“ hat die Bundesregierung ihren Bürgern für den Katastrophen- oder Verteidigungsfall Reis, Erbsen und Kondensmilch zugedacht. Eingelagert an geheimen Orten in der Nähe der Ballungszentren, verteilt in Lagerstätten über die ganze Republik. „Diese Sicherheitsreserve an Grundnahrungsmitteln soll in Krisensituationen vor allem in Ballungsräumen zur Versorgung der Bevölkerung zumindest mit einer täglichen Mahlzeit beitragen“, heißt es auf der Ernährungsvorsorge-Website des Bundeslandwirtschaftsministeriums.
Was man aus Reis, Erbsen und Kondensmilch kochen soll, verrät die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung auf Nachfrage unserer Redaktion allerdings nicht – verweist aber auf ein FAQ, aus dem klar wird: Hier geht es nicht um Kulinarik, sondern um Haltbarkeit und Gebrauchsfähigkeit. Wer wirklich vorbereitet sein will, schaut deshalb schon einmal bei Chefkoch nach: Mit den von den Behörden im Ernstfall ausgegebenen Lebensmitteln am ehesten nachkochen lässt sich demnach der „Thunfisch-Reissalat à la Gabi“. Er besteht aus Reis, Erbsen und Kondensmilch. Der außerdem nötige Thunfisch in Öl, die Dose Champignons und die Mayonnaise kann einfach aus dem „lebenden Vorrat“ zu Hause ergänzt werden.
Und wer überhaupt keine Lust hat, im Katastrophenfall auch noch selbst zu kochen, dem bleibt immer noch eBay: Hier finden sich zahlreiche Angebote von Original-Bundeswehr-Einpersonenpackungen, die alles (und noch viel mehr) enthalten, was ein Mensch am Tag so braucht. Einziger Haken: Die Packungen werden teuer gehandelt, eignen sich dank ihrer kompakten Größe und Stapelbarkeit aber besonders gut für kleine Single-Appartments. Und den Familien mit ihren 80 Litern Wasser und 16 Kilo Hülsenfrüchten: Wünscht man eine große Vorratskammer.