Abschied in den Ruhestand Heiko Müller hat noch Elefanten durch Emden laufen sehen
Der „Emder Jung“ Heiko Müller packt Block und Stift ein: 44 Jahre lang war er in der OZ-Redaktion Emden tätig. Nun geht er in den Ruhestand.
Emden - Heiko Müller hat noch Elefanten durch Emden laufen sehen. Damals war ein Zirkus in der Stadt zu Gast. Die Paraden, um auf die Gastspiele aufmerksam zu machen und die heute undenkbar sind, gehörten damals zum Stadtbild dazu. Zugegeben, das ist lange her. Doch es zeigt, wie lange Heiko Müller in Emden bereits Redakteur ist. Genau gesagt: fast 44 Jahre. Nun geht diese Ära zu Ende. Heiko Müller hatte am Freitag, 14. Juni 2024, seinen letzten Arbeitstag. Offiziell beginnt für ihn der Ruhestand am 1. September.
„Emder Jung“ legte Finger in die Wunde
Am 1. Oktober 1980 hat er in der OZ-Redaktion Emden sein Volontariat begonnen. Seitdem berichtet Heiko Müller über das Geschehen in der Stadt, in der geboren und aufgewachsen ist und die ihn zeit seines Lebens nie losgelassen hat. Er kennt Emden wie seine Westentasche und ist mit gefühlt der Hälfte der Emder per Du. Dass das kaum übertrieben ist, merkt man vor allem dann, wenn man einmal mit ihm durch die Stadt läuft. Man schafft kaum mehr als fünf Meter am Stück, ohne, dass irgendjemand grüßt oder ihn für ein kurzes Gespräch für sich einnimmt. Er ist eben ein „echter Emder Jung“. Die Emder schätzen ihn.
Seinen guten Kontakten ist es zu verdanken, dass Heiko Müller oft Tipps erhielt und so den Finger in die Wunde legen und Missstände aufdecken konnte. Dabei berichtete Heiko immer schonungslos und unparteiisch. Nicht selten stellte das die ein oder andere Freundschaft auf die Probe.
Auszeichnung für „Müller kommt“
Das hat Heiko Müller auch bei einer seiner „Müller kommt“-Aktionen, für die er mit dem Leser-Blatt-Bindungs-Preis des Verbands deutscher Lokalzeitungen ausgezeichnet wurde, zu spüren bekommen. In der Reihe, in der Heiko in 100 Folgen einen Selbstversuch gewagt hat, berichtete er nicht nur über gewagte Hobbys, spannende Berufe oder Gruppen, sondern stieß in Folge 90 an persönliche Grenzen. Es war sein wohl gewagtestes Experiment: der Wahlkampf um das Amt des Emder Oberbürgermeisters.
Damals standen Kandidaten mit ganz verschiedenen Hintergründen – von der Bardame über den Abflussreiniger bis hin zum Imbissbetreiber – für das Amt Schlange. Heiko Müller hat sich damals gefragt, welche Kompetenzen man für das Amt mitbringen sollte und wie leicht es eigentlich ist, für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren. Mit dem Wahlkampf-Slogan „Müller kommt – einer geht noch“ warf er also seinen Hut in den Ring.
Der Selbstversuch offenbarte viele Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass ein gewisser Bekanntheitsgrad ausreicht, um spielend die Unterstützerunterschriften zu bekommen. Aber auch, dass einigen Bekannten der Selbstversuch zu weit ging. Das „Müller kommt“-Experiment spaltete die Leser und regte eine lebhafte Diskussion an.
Vorbild für Generationen von Redakteuren
Kann es ein besseres Kompliment für einen Redakteur geben? Nein. Es ist die Aufgabe des Journalismus, Debatten anzustoßen. Eine Demokratie kann ohne guten Journalismus nicht funktionieren. Heiko Müller hat das in vielen Berichten auch außerhalb von „Müller kommt“ geschafft, Diskussionen in der Stadt anzuregen und durch zahlreiche Kommentare das Meinungsbild zu prägen und Sachverhalte einzuordnen.
Fest steht: Nicht nur zahlreiche Leser werden Heiko Müllers Texte, die mit viel Hintergrundwissen und oft auch einer Prise Humor geschrieben waren, vermissen. Auch wir Kollegen können uns noch gar nicht vorstellen, wie unser Arbeitsalltag ohne Heiko Müller aussehen wird. Der gut gelaunte, freundliche und hilfsbereite Kollege, der jede Veränderung – vom Bleisatz bis zur Liveberichterstattung – miterlebt und mitgetragen hat, der immer für einen Spaß zu haben war, der jungen Kollegen von skurrilen Terminen und witzigen Begebenheiten aus seiner Laufbahn berichtete und all sein Wissen und seine Erfahrung an Generationen von Volontären weitergegeben hat, wird uns im Redaktionsalltag fehlen.
Die Zukunft gehört dem Ehrenamt und der Familie
Emden aber wird Heiko Müller nicht abhandenkommen. Schon jetzt hat er viele Pläne, die er ab sofort verwirklichen möchte. Dazu gehören vielfältige ehrenamtliche Aufgaben sowie Zeit mit seiner Familie. Und sicherlich wird er auch auf die eine oder andere Art der Redaktion verbunden bleiben. Denn Heiko Müller ist Redakteur aus Leidenschaft. Für ihn ist es Berufung. Und die legt man bekanntlich mit dem Ruhestand nur schwer ab.