Hamburg Erfolgreiche Angel-Influencerin: „Männer schickten mir Fotos ihrer Geschlechtsteile“
Anja Heppner hat sich als „AngelAnni“ in der männerdominierten Anglerszene einen Namen gemacht. Ein Gespräch über ihre Karriere, Sexismus und rosafarbene Angelruten.
In Deutschland und der ganzen Welt ist Angeln ein männerdominiertes Hobby. Eine von wenigen Frauen, die in der Szene bekannt ist, ist Anja Heppner (AngelAnni) aus Mecklenburg-Vorpommern. Im Interview erzählt sie, wie sie zum Angeln kam und warum sie ihre Karriere zwischenzeitlich beenden wollte.
Frage: Frau Heppner, wie sind Sie zum Angeln gekommen?
Antwort: Mein damaliger Freund hat 2015 den Angelschein mit Arbeitskollegen mitgemacht. Ich durfte nicht mitmachen, weil er das als „Männderding“ gesehen hat. Wir saßen dann eines Tages mit seinen Freunden beim Angeln an der Ostsee, ich habe Erbsensuppe auf einem Gaskocher gekocht und sollte plötzlich eine Rute einholen, die ausgeschlagen hatte. Die Brandungsrute ist sehr lang und schwer und ich dachte, das sei der Fisch und war ganz aufgeregt. Dabei hing dort nur ein ganz kleiner untermaßiger Dorsch. Trotzdem hat dieses Erlebnis dazu geführt, dass ich beschlossen habe, den Fischereischein zu machen
Frage: Wie sind Sie dann auf die Idee gekommen, Ihr Hobby auf Social Media zu zeigen?
Antwort: Ich saß mit den Jungs beim sogenannten Ansitzangeln an der Ostsee, die haben ihr Bierchen getrunken und ich fand das total langweilig. Irgendwann sah ich andere Angler beim Spinnfischen. Ich war interessiert, ging in einen Angelladen, wusste aber überhaupt nicht, was ich brauche. Das hat mich dann so genervt, dass ich beschlossen habe einen Youtube-Kanal zu gründen und mir Leute zu schnappen, die mir zeigen, wie ich auf Dorsch oder Hecht angel. Ich habe mich dann „AngelAnni“ genannt und so ging es los.
Frage: Sie sind dann ziemlich schnell bekannt geworden. Haben an Weltmeisterschaften teilgenommen, wurden auf Messen eingeladen. Wie war es für Sie, sich in dieser männerdominierten Anglerszene als eine von wenigen Frauen zu bewegen?
Antwort: Gerade in den letzten Jahren hat sich ja viel getan in der Szene und gerade auf Social Media sieht man immer mehr Frauen, die angeln. Aber als ich anfing, war das noch nicht so, es gab vielleicht eine Handvoll Frauen. Als ich 2015 auf einer Angelmesse war, war ich eine der Ersten, die dort mit einer Selfiekamera rumlief. Dafür wurde ich total belächelt und ausgelacht. ,Was will die Blonde da mit ihren Fingernägeln‘, hieß es. Mir wurde unterstellt, nur Aufmerksamkeit zu wollen und gar nicht wirklich zu angeln. Ich habe dann entgegnet: ,Guck dir meine Videos an, da siehst du wie ich einen Fisch mit meinen eigenen Händen ausnehme.‘
Frage: Haben Sie auch Erfahrungen mit Sexismus gemacht?
Antwort: Ja, auf Facebook haben mir Männer Fotos ihrer Geschlechtsteile geschickt. War ich auf einem Kutter mit mehreren Männern unterwegs, wurde hinterher erzählt, ich hätte dort mit allen geschlafen.
Frage: Wie sind Sie damit umgegangen?
Antwort: Am Anfang habe ich viel geweint und als die Gerüchte immer extremer wurden, habe ich überlegt, „AngelAnni“ zu löschen. Ich traute mich schon gar nicht mehr, auf eine Messe zu gehen. Ich wollte aber weitermachen, schließlich hatte ich mir schon so viel aufgebaut. Besser wurde es dann erst, als ich meinen jetzigen Mann kennengelernt habe und die Beziehung mit ihm in einem gemeinsamen Video öffentlich gemacht habe.
Frage: Sie haben sogar Ihre eigene Angelrute rausgebracht. Warum ausgerechnet in der Farbe Rosa?
Antwort: Weil ich so eine Angel haben wollte. Wenn man in den Angelladen geht, ist alles grün, blau, schwarz und grau. Soll es etwas rosanes sein, handelte es sich meist um schrottige Kinderruten. Ich hab dann ein Jahr lang Prototypen getestet und schließlich meine Rute in einem weiblichen Design mit ein bisschen Glitzer rausgebracht. Mittlerweile fischen auch etwa zehn Männer mit der rosegoldenen Angel.
Frage: Gemeinsam mit Ihrem Mann bieten Sie auch Angelkurse und Touren an, konzentrieren sich dabei aber auf Frauen und Kinder.
Antwort: Ja, Touren mit Männern mache ich nicht. Man wird einfach zu oft angemacht. Mit Frauen macht das wahnsinnig Spaß. Es sind meist Anfängerkurse, in denen man Knoten lernt und wie man überhaupt richtig auswirft. Die Frauen fühlen sich bei mir nicht von Männern beobachtet. Außerdem lacht keiner, wenn man mal wieder über einen Baum wirft.
Frage: Und stellen Sie fest, dass sich immer mehr Faruen fürs Angeln interessieren?
Antwort: Ja, in der gesamten Anglerszene gibt es immer mehr Frauen, besonders in den letzten drei Jahren ist es extrem geworden. Auch in den großen Angelfirmen ist mittlerweile mindestens eine Frau dabei.
Frage: Woran liegt das?
Antwort: Ich glaube, dass sich das Bild des Angelns gewandelt hat. Es ist moderner geworden und gar nicht so dreckig, wie vielleicht viele denken. Ich bin zum Beispiel selbst eine Kunstköder-Anglerin, führe also einen künstlichen Fisch durchs Wasser, sodass der Hecht anbeißt. Es ist trendiger geworden und man hat nicht mehr nur den Mann mit Bier und seiner Angel vor Augen. Außerdem nehmen immer mehr Männer ihre Frauen mit.