Bauskandal in Emden Stadt nennt weitere Details zur Pannen-Sporthalle
Wer trägt die Verantwortung für den Pfusch beim Bau der Sporthalle des Max-Windmüller-Gymnasiums in Emden? Jetzt gibt es erste Hinweise.
Emden - Wenige Tage nach Bekanntwerden weiterer gravierender Baumängel an der Sporthalle des Max-Windmüller-Gymnasiums in Emden hat die Stadt jetzt auf Nachfrage dieser Zeitung neue Details genannt. Demnach war das von der Stadt beauftragte Architekturbüro mit der Bauleitung und der Bauüberwachung der 2016 fertiggestellten teuren Halle am Früchteburger Weg beauftragt.
Die Frage, wie es sich erklären lässt, dass offensichtliche Versäumnisse bei der Abdichtung des Sockels während der Bauphase niemanden aufgefallen sind, ließ die Stadt zunächst unbeantwortet. Das werde derzeit im Zuge der rechtlichen Aufarbeitung dieses Falls geprüft, heißt es dazu.
Chefetage schaltete früh Anwälte ein
„Wir bitten um Verständnis, dass wir in einem laufenden Verfahren uns hierzu aus taktischen Gründen nicht äußern wollen“, schreibt Stadtsprecher Eduard Dinkela. Aus denselben Gründen wolle die Stadt auch nichts dazu sagen, ob sie in der Zwischenzeit schon Kontakt zu der ausführenden Baufirma aufgenommen hat.
Den Angaben Dinkelas zufolge schaltete die Chefetage der Stadt bereits vor einem Vor-Ort-Termin des zuständigen Betriebsausschusses des Gebäudemanagements (GME), der im März stattfand, eine Oldenburger Anwaltskanzlei ein. Sie sei damit beauftragt worden, „den Vorgang juristisch begleiten zu lassen“.
Ähnliches soll nicht wieder vorkommen
Ziel sei es, die Vorfälle aufzuarbeiten, „so dass Vergleichbares nicht wieder vorkommen kann und das Vorgehen aufgeklärt wird“. Außerdem will die Stadt Regressansprüche geltend machen, weil ihr ein Schaden entstanden sei. Im Zweifel solle das auch auf dem Weg der Kulanz geregelt werden.
Die Höhe des Schadens, der durch die undichte Sockelabdichtung und zur Beseitigung dieses Mangels entstanden ist, lässt sich laut Stadt noch nicht beziffern oder schätzen. Das beauftragte Ingenieurbüro sei derzeit noch bei der Planung. „Danach erfolgen die weiteren Schritte“, heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung.
Fall ist für die Stadt „höchst ärgerlich“
Die Stadt betont zugleich, dass dieser Fall „für die heute in der Verwaltung Verantwortlichen höchst ärgerlich“ sei und „nicht ohne Konsequenzen bleiben wird“. Sie werde auch die bei diesem Fall gewonnenen Erkenntnisse ableiten, um bei künftigen Projekten Fehler zu vermeiden und Risiken zu verringern.
Das Gebäudemanagement der Stadt und Stadtbaurätin Irina Krantz hätten schon in den vergangenen Monaten „alles getan“, um die bereits bekannten Mängel an der Sporthalle nachhaltig abzustellen. Jetzt seien neue, verdeckte Mängel offensichtlich geworden. Weiter heißt es: „Wir werden weiter alles unternehmen, um die Situation nachhaltig zu lösen, bitten aber um Verständnis, dass es dafür Zeit bedarf.“
Probleme gab es von Anfang an
In Zusammenhang mit dem Bauskandal war auch bekannt geworden, dass sich die Stadt von einem Mitarbeiter des GME getrennt habe. Das stehe aber „in keinem direkten Zusammenhang mit dem Bau der Sporthalle“, so die Stadt. Näher äußerte sie sich mit Hinweis auf die Persönlichkeitsrechte des Betroffenen nicht.
Die 2015 und 2016 für 2,5 Millionen Euro gebaute Sporthalle ist seit der Fertigstellung mit Problemen behaftet, weil Wasser von außen in die Halle eindringt. Vor einigen Tagen waren neue Mängel am Fundament des Gebäudes bekannt geworden. Fachleute des Gebäudemanagements stellten bei Vorbereitungsarbeiten für den Einbau der fehlenden Drainage fest, dass der Sockel des Bauwerks nicht ordnungsgemäß abgedichtet worden ist.
Die Abdichtung liege lose auf dem Sockel und dem Fundament, heißt es in einem Papier des GME. Das Mauerwerk müsse deshalb zunächst Meter für Meter geöffnet werden, um die Abdichtung des Sockels zu erneuern. Für diese aufwendigen Reparaturen nimmt das GME erst einmal das Geld, das eigentlich für einen neuen und 350.000 Euro teuren Hallenboden vorgesehen war. Ursprünglich sollte er in den bevorstehenden Sommerferien verlegt werden. Das ist jetzt auf den Sommer 2025 verschoben worden.